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Aktienmärkte: Schockwellen aus China


Turbulenzen an Chinas Aktienmärkten nach einer erneuten Abwertung des chinesischen Yuans haben am Donnerstag an den europäischen Börsen zu Kurseinbrüchen geführt. Die Indizes Dax und EuroStoxx brachen kurz nach Handelseröffnung um 4% und 3,6% ein, im weiteren Verlauf erholten sich dann wieder etwas. Der Dax rutschte damit erstmals seit Oktober 2015 wieder unter die Marke von 10.000 Punkten.
 
Auch Modeaktien notierten am Donnerstag deutlich schwächer als am Vortag. Der Kurs von Esprit fiel um 7%, der von Prada um über 9%. Die Kering-Aktie verlor fast 4% zum Vortagsschlusskurs, LVMH konnte sich dagegen relativ stabil mit einem Minus von 0,5% halten. Hugo Boss lag 1,7% unter dem Vortagsschlusskurs. Tom Tailor büßte 4,9% und Gerry Weber 2,2% ein. Seit Jahresbeginn haben von den Modeunternehmen vor allem die Aktien von Prada (-16%), Esprit (-11,8%), Hugo Boss (-8,8%) und von Kering (-8,6%) unter dem verhagelten Börsen-Start gelitten.

In Shanghai und Shenzen war der Börsenhandel am Donnerstagmorgen wegen eines Kursrutsches um 7% nach nur einer halben Stunde automatisch abgebrochen worden. Schon am Tag zuvor waren Chinas Börsen abgestürzt und der Handel ausgesetzt worden. Maßgeblich für den Handelsstopp ist der China Securities Index (CSI) mit 300 führenden Werten an beiden Börsen. Diese Aktion hatte schon am Mittwoch weltweit Börsenturbulenzen ausgelöst. Die chinesische Zentralbank pumpte zwar eine Milliarden-Finanzspritze in den Markt, konnte aber den Kursverfall damit nicht stoppen.
 
Ausgelöst wurden die jüngsten Turbulenzen durch eine weitere Abwertung des chinesischen Yuans: Zum achten Mal in Folge hob Chinas Notenbank den Referenzwert des Dollar an, den der Wechselkurs höchstens 2% über- oder unterschreiten darf. Sie legte den Mittelwert des Yuan zum Dollar auf 6,5646 Yuan fest. Zum Mittwoch ist das eine Abwertung von 0,5%. An den internationalen Börsen fiel der Yuan damit auf den tiefsten Stand seit 2010.
 
Das erneute Eingreifen der chinesischen Zentralbank verstärkte bei den Börsianern Befürchtungen, dass es in China zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums kommen könnte. Anleger ziehen offenbar aus Furcht vor einer Abkühlung des Wirtschaftswachstums vermehrt Geld aus dem Land ab, was die chinesische Währung Yuan unter Druck setzt. Ähnliche Befürchtungen hatten bereits im Sommer der Aktien-Hausse in China abrupt ein Ende gesetzt. Nach Interventionen der Notenbank kam es in der Folge wiederholt zu starken Kurs-Schwankungen.

07.01.2016Redakteur: Manfred Gerzymisch
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