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Alibaba und JC.com boomen weiter


Alibaba und JC.com wachsen weiter kräftig. Die beiden größten E-Commerce-Konzerne Chinas, die derzeit stark um deutsche Markenhersteller als Handelspartner für ihre Online-Marktplätze buhlen, weisen in ihren jetzt veröffentlichten Quartalsberichten hohe Umsatzzuwächse aus.

So steigerte Alibaba seine Erlöse im Zeitraum Oktober bis Dezember 2015 um 32% auf umgerechnet rund 4,81 Mrd. Euro. Das Marktplatz-Geschäft, das aus dem Amazon-Klon Tmall und der Ebay-Kopie Tabao besteht, wuchs um 35% auf 4 Mrd. Euro. Der Mobile Commerce hat sich mit einem Plus von 192% auf 2,61 Mrd. Euro fast verdreifacht. Das Transaktionsvolumen der Online-Marktplätze stieg um 23% auf umgerechnet rund 134,3 Mrd. Euro. Der Gewinn verdoppelte sich auf fast 1,74 Mrd. Euro. Das lag allerdings auch an Erlösen aus dem Verkauf von zwei Geschäftsbereichen an die konzerneigene Film-Tochter Alibaba Pictures. Darüber hinaus hat sich Alibaba nach eigenen Angaben von verschiedenen Beteiligungen getrennt.

„Die fundamentale Stärke unseres Kerngeschäfts gibt uns das Vertrauen, in unsere strategischen Prioritäten zu investieren“, sagt Maggie Wu, Chief Financial Officer der Alibaba Group. Der an der New Yorker Börse gelistete Konzern hat kürzlich Länderbüros in Frankreich und Deutschland eröffnet. Sie sollen lokale Marken und Einzelhändler dabei unterstützen, Zugang zur großen wachsenden chinesischen Konsumentenschicht zu erhalten. Nach Expertenmeinung strebt Alibaba langfristig auch den Einstieg in den europäischen Online-Handel an. Das Unternehmen macht diesbezüglich bislang nur Andeutungen. „In Zukunft werden wir es allen Menschen überall und jederzeit ermöglichen, einzukaufen“, sagte President Michael Evans Mitte Oktober vergangenen Jahres. Dazu suche Alibaba global nach Expansionsmöglichkeiten.

Ein weiteres Indiz für die These, dass Alibaba Deutschland auf lange Sicht weit mehr als ein Gateway to China sein soll, ist die Ernennung des Online-Top-Managers Terry von Bibra zum Geschäftsführer der Alibaba Group Deutschland. Zahlreiche Branchenbeobachter können sich nur schwer vorstellen, dass sich der langjährige Yahoo Deutschland-Geschäftsführer und einstige Entwicklungschef von Amazon in Europa damit begnügt, Herstellern und Händlern Image-Broschüren der Alibaba-Plattformen Tmall und Tabao in die Hand zu drücken. Viel wahrscheinlicher ist es, dass der 52-jährige Amerikaner mit fränkischen Wurzeln früher oder später die Marken- und Händlerbeziehungen von Alibaba dazu nutzt, Lieferanten für eine deutsche B-to-C-Plattform zu generieren.

Eine B-to-B-Plattform betreibt Alibaba hierzulande bereits. Sie wird wegen ihrer unprofessionellen Übersetzungen (ein Beispiel: „Großhandel Jungfrau eurasischen tiefe Welle Haar“ für ein Haarteil) noch belächelt. Vielleicht aber auch völlig unterschätzt. „Warum sollte sich Alibaba auf eine Richtung beschränken? Cross-border funktioniert doch in beide Richtungen“, sagt der E-Commerce-Berater und China-Experte Torsten Waack van Wasen.

JD.com sponsert die New York Fashion Week



Der einheimische Alibaba-Konkurrent JD.com erhöhte seinen Umsatz im dritten Quartal (Ende: 30.9.) um 52% auf umgerechnet rund 6,14 Mrd. Euro. Der Transaktionsumsatz schnellte um 71% auf 16 Mrd. Euro. Der Nettoverlust stieg auf 74 Mill. Euro nach rund 23 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum. Dadurch ergibt sich eine Negativmarge von 1,2%.
Während des landesweit äußerst populären Shopping-Events Single‘ Day verkaufte JD.com mehr als 14 Millionen Bekleidungsartikel und Schuhe. Im gesamten dritten Quartal wuchs die Bekleidungs- und Schuhsparte des an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten E-Commerce-Konzerns im dreistelligen Prozentbereich – nach 230% und 150% in den ersten beiden Quartalen des vergangenen Jahres.

Schätzungen der US-Agentur Velvet zufolge wird der chinesische Online-Modehandel in den kommenden zwölf Monaten um über 30% wachsen, während sich das allgemeine E-Commerce-Wachstum auf 20% abschwächt. „Mode ist eine sehr dynamische Kategorie. Daher ergibt es für JC.com total Sinn, sich auf Mode und Bekleidung zu konzentrierten“, sagte Velvet-CEO dem US-Branchendienst WWD.

JD.com wird Mitte Februar die New York Fashion Week sponsern. Unter anderem mit einer Modenschau, auf der unabhängige chinesische Designer ihre Kreationen präsentieren werden. JC.com betreibt außerhalb Chinas Online-Marktplätze in Frankreich, Korea, Japan, Australien und den USA.

Im November vergangenen Jahres stieg der E-Commerce-Anbieter mit 50% bei der Otto Group-Tochter Zitra ein. Das dadurch entstandene 50:50-Joint Venture soll internationalen Marken ermöglichen, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen oder ihren Absatz auf JD.com sowie weiteren Online-Marktplätzen weltweit zu erhöhen. Auch in die andere Richtung soll der Service funktionieren, also für Marken, die vom chinesischen Markt aus in Europa expandieren wollen.

Bereits im Oktober hatte JD.com den Start einer „German Mall“ angekündigt. Dabei handelt es sich um einen Channel auf JD.com, in dem deutsche Markenhersteller wie Beiersdorf Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Haushaltsgeräte, Geschirr sowie Produkte für Schwangere und Babys anbieten werden. Hintergrund sind die vielen Markenfälschungen auf chinesischen Marktplätzen. In der German Mall sollen nur garantiert echte Produkte angeboten werden.


29.01.2016Redakteur: Bert Rösch
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