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Bangladesch: Protest vor Adler-Zentrale


Bei einer Protestaktion vor der Adler-Zentrale in Haibach haben Aktivisten am Donnerstag die Unternehmensleitung aufgefordert, sich an dem Entschädigungsfonds für die Hinterbliebene und Überlebenden des Rana Plaza-Unglücks zu beteiligen. Bei dem Einsturz des Rana Plaza-Komplexes, der verschiedene Textilfabriken beherbergte, kamen 1130 Menschen ums Leben, mehr als 1500 wurde teilweise schwer verletzt. 
  
Adler will sich an dem Entschädigungsfonds nicht beteiligen. „Adler hatte zu keinem Zeitpunkt Geschäftsverhältnisse mit Firmen aus dem Rana Plaza-Komplex“, erklärte das Unternehmen. Allerdings habe ein Lieferant vertragsbrüchig gehandelt hat und ohne Wissen des Unternehmens zwei Aufträge an einen Betrieb im Rana Plaza vergeben. Adler habe die Ware ausnahmsweise fertig produzieren lassen, da die Fabrik über ein durch den TÜV Rheinland erstelltes BSCI-Zertifikat verfügte. Anschließend sei die Geschäftsbeziehung mit dem vertragsbrüchigen Lieferanten jedoch beendet worden. „Und das deutlich vor dem Unglück“, so ein Sprecher. Aus „humanitärem Verantwortungsgefühl“ habe Adler Betroffene und Hinterbliebene eine Art Ersthilfe in Höhe von 20.000 Euro zukommen lassen. Diese Maßnahmen will das Unternehmen nach eigenen Angaben fortsetzen und dafür auch weitere Mittel bereitstellen. Eine konkrete Summe wird nicht genannt.

Die benötigte Mindestsumme für den Entschädigungsfonds beläuft sich laut der Kampagne für Saubere Kleidung, die die Aktion gemeinsam mit Medico International initiiert hat, auf 40 Mill. Dollar. Damit sollen Verdienstausfall und medizinische Versorgung der Betroffenen gedeckt sowie Ausgleichszahlungen an die Hinterbliebenen getätigt werden. „Bisher wurden 15 Mill. Euro in den Fonds eingezahlt“, so eine Sprecherin der Kampagne für Saubere Kleidung. Kik und sowie die C&A Foundation haben jeweils 500.000 Euro in den Fonds eingezahlt. Nicht eingezahlt in den Fonds, der laut der Sprecherin die „transparente Mittelverwendung“ sichern soll, haben bisher außer Adler auch NKD und Benetton.  
  
Vor der Adler-Zentrale in Haibach riefen die Textilmitarbeiterin Shila Begum, die das Unglück überlebte, sowie die Gewerkschaftsvertreterin Safia Parvin (National Garments Workers Federation) Unternehmen in einem emotionalen Statement dazu auf, „ihrer Verantwortung endlich nachzukommen“.

10.04.2014Redakteur: Annika Müller
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