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Bread & Butter: Was Karl-Heinz Müller jetzt vorhat


Bread&Butter - Back to the Street: An der Münzstraße sollen sich rund 40 Labels präsentieren
Bread&Butter - Back to the Street: An der Münzstraße sollen sich rund 40 Labels präsentieren
„Ich hoffe, dass ich den Schaden wieder gutmachen kann.“ Mit diesem Satz reagiert Karl-Heinz Müller jetzt erstmals auf die massive Kritik aus der Branche, er habe bei der Bread & Butter zu spät die Notbremse gezogen. „Müller hat uns abgezockt. Wieso hat er so lange gewartet, bis die Aussteller bezahlen, und erst dann Insolvenz angemeldet?“ So oder ähnlich lauteten die Vorwürfe aus Ausstellerkreisen. 

„Ich hatte bis zum Schluss gehofft, die Insolvenz abwenden zu können“, erklärt Müller. Doch etliche Stornierungen und nicht bezahlte Rechnungen hätten ihn in die Knie gezwungen. Bereits die ersten Mietraten, in der Regel 50% der Gesamtmiete, sei von vielen Ausstellern für die nun abgesagte Messe in Tempelhof nicht bezahlt worden. Schlussrechnungen seien schon gar nicht mehr gestellt worden. „Der finanzielle Spielraum wurde immer enger.“ Im November seien schließlich Fusionsgespräche zwischen Bread & Butter und Premium gescheitert. „Leider“, wie Müller betont. Als dann das Land Berlin im Dezember die Rechnung für die Miete des Flughafens Tempelhof schickte, musste er die Reißleine ziehen. Zur Höhe der Miete macht Müller keine Angaben. Zuverlässige Quellen sprechen von 1,65 Mill. Euro pro Jahr plus Nebenkosten für eine effektive Mietzeit von zwei Monaten. 

Die Aussteller, die für ihre Stände bereits bezahlt haben, können ihre Forderungen aufgrund der Insolvenz nun erstmal abschreiben. Wie es für das Unternehmen weitergeht, ist offen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Christian Graf Brockdorff von der Potsdamer Kanzlei BBL bestellt. Es werde noch mindestens eine Woche benötigt, um die Lage zu überblicken und Aussagen treffen zu können, heißt es dort. „Wir wollen das Unternehmen gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter sanieren“, sagt Müller.

Betroffen von der Insolvenz sind sowohl die Messe als auch die Retail-Aktivitäten. Die Gehälter sind zunächst durch das Insolvenzgeld gesichert. Für die Messe sind noch 25 Mitarbeiter tätig, zu Hochzeiten waren es 100. In den Läden arbeiten rund 60 Angestellte. Dabei geht es um insgesamt fünf stationäre Geschäfte unter 14 oz (3), Nudie und Closed sowie den Online-Shop unter 14 oz. Den Denham-Store hat das niederländische Denim-Label wegen der Insolvenz der Bread & Butter in Eigenregie übernommen. Müller plant sogar schon weiter und will in zwei leerstehenden Läden in dem Komplex „The Blue Yard“ in der Münzstraße weitere 14 oz-Filialen eröffnen. 

Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller
Bread & Butter-Chef Karl-Heinz Müller
Konkrete Details verkündet Müller jetzt erstmals zur deutlich abgespeckten Order-Veranstaltung unter dem Namen „Bread & Butter – Back to the Street“ während der kommenden Fashion Week vom 19. bis 21. Januar. Location sind die Büros der Bread & Butter und der daneben liegende Komplex „The Blue Yard“. Laut Müller haben sich 40 Labels angemeldet, darunter Cinque, Drykorn, Nudie, Denham, Herrlicher und CG Club of Gents. Insgesamt stünden 2000m² Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Müller hofft durch viele Gespräche auf Feedback, um zu erfahren, welche Art von Messe die Branche noch will. Er ist allerdings skeptisch: „Der inhabergeführte Handel stirbt weiter, die Vertikalisierung und der Online-Handel nehmen weiter zu. Als große Marke würde ich mir auch überlegen, ob ich noch eine Messe brauche.“ Gleichzeitig beklagt er, dass andere Messen mehr Rückendeckung haben. „Hinter Pitti Uomo stehen eine solidarische italienische Industrie, die nationale Modekammer und staatliche Beihilfen. Und in Berlin fördert das Land mit der Vermietung an die Panorama auf dem Messegelände einen Konkurrenten und macht damit kaputt, was ich aufgebaut habe.“ An Kritik an der Mainstream-Messe unterm Funkturm spart er nicht: „Die Panorama ist wie eine antiquierte Mischung aus Herrenmodewoche und CPD. Eine Antwort auf die Zukunft ist sie nicht.“
06.01.2015Redakteur: Jörg Nowicki
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