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Guess bemüht sich um Streikschlichtung


Guess bemüht sich darum, einen bald eine Woche dauernden Arbeitskampf in Italien zu beenden. Das Modeunternehmen aus Los Angeles, das die Kreativ- und Produktabteilung von Florenz ins Tessin verlagern will, unterbreitet den Mitarbeitern „in diesen Tagen“ ein „qualifiziertes Jobangebot“. „Das soll den Betroffenen ermöglichen, so bald wie möglich bei Guess Europe Sagl in der Schweiz anzufangen“, teilte Guess am Dienstagabend mit. Insgesamt geht es um rund 90 Mitarbeiter.

Die Guess-Führung hat sich zum Ziel gesetzt, den Umsatz in den kommenden drei Jahren von 2,2 auf 3 Mrd. Dollar (2,67 Mrd. Euro) zu steigern und den Gewinn je Aktie deutlich zu erhöhen. Vorstandschef Victor Herrero baut deshalb das Europa-Geschäft um. Die Funktionen Design, Beschaffung, Produktentwicklung und Qualitätskontrolle will er von Florenz ins schweizerische Stabio verlagern, um die „internationalen Abläufe zu optimieren“. Das bestätigte Guess auf Anfrage.

Für die Stadt Florenz kommt die Ankündigung einem Schock gleich. Guess ist seit mehr als zwei Jahrzehnten präsent in der Toskana und beschäftigt dort rund 200 Mitarbeiter. Die Gewerkschaften riefen einen Streik aus, der seit Freitag andauert. Der Offerte von Guess begegnen die Arbeitnehmervertreter mit großem Misstrauen. „Wir bezweifeln, dass sich das Angebot an alle und nicht nur an einen ausgewählten Kreis richtet. Unseres Wissens hat Guess einige Mitarbeiter bereits kontaktiert“, sagte Alessandro Picchioni, Sprecher der Gewerkschaft CGIL-Filctem.

Für diesen Donnerstag ist ein Krisengipfel angesetzt, an dem das Unternehmen, die Gewerkschaften und Vertreter der Stadt teilnehmen. Koordiniert wird das Treffen von Maurizio Bastianoni, der bei der Verwaltungseinheit Metropolstadt Florenz arbeitet. Die Metropolstädte sind in Italien an die Stelle der Provinzen getreten, die von der Römer Regierung abgeschafft wurden. „Wir haben uns zwei Ziele gesetzt. Zum einen wollen wir die Arbeitsplätze sichern. Und zum zweiten wollen wir die Geschäftseinheiten hier in der Toskana halten“, sagte Bastianoni.

Es ist bereits das zweite Krisengespräch mit Guess in wenigen Wochen. Bereits am 2. März wurde das Management des Modeunternehmens von Bastianoni einbestellt. Damals ging es um die Verlagerung von zwei Produktlinien, der Kindermode und der Unterwäsche. „Die 25 Mitarbeiter, die davon betroffen waren, konnten auf die anderen Linien in Florenz umverteilt werden“, sagte Bastianoni.
23.03.2016Redakteur: Tobias Bayer
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