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Karstadt: Tarifverhandlungen ergebnislos vertagt


Die Tarifverhandlungen zwischen dem Management des Essener Warenhaus-Konzerns Karstadt und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind am Donnerstagabend erneut ohne Ergebnis vertagt worden. Die Karstadt-Geschäftsführung habe ein Angebot unterbreitet, das unter anderem „eine weitreichende Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie eine Entgeltanpassung entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung“ des Unternehmens vorgesehen habe, teilte der Konzern mit. Auf dieser Basis habe jedoch keine Einigung erzielt werden können. Man habe sich aber darauf verständigt, die Gespräche „zeitnah konstruktiv fortzusetzen“.

Von Verdi heißt es, dass Karstadt vorgeschlagen habe, die Zahlung des Weihnachts- und Urlaubsgeldes gemäß Manteltarifvertrag um zwei weitere Jahre auszusetzen. Dies habe man abgelehnt. Karstadt ist 2013 aus der Tarifbindung ausgestiegen. Schon jetzt würden Mitarbeiter des Essener Konzerns 7,6% weniger Gehalt bekommen als tariflich entlohnte Beschäftigte im Einzelhandel, kritisiert die Gewerkschaft. Bei Karstadt gibt es nach Verdi-Angaben derzeit noch 9200 Vollzeit-Stellen. 

Karstadt könne sich in Tarifverhandlungen „keine Abenteuer leisten“, betont indes das Unternehmen. Zwar bewege man sich im aktuellen Geschäftsjahr im Rahmen der Planung, die spürbare Ergebnisverbesserungen ausweise. Damit werde der Konzern zwar zuverlässig seine Budgets erreichen – „aber wir müssen beim Blick nach vorne weiter bescheiden sein und dürfen die beginnende wirtschaftliche Gesundung auf keinen Fall gefährden.“ Schließlich würden alle Erfahrungen zeigen, dass die Jahre zwei und drei nach einer Sanierung besonders schwierig seien.

Der Karstadt-Konzern hatte im Herbst mitgeteilt, an den Ladenkassen wieder Geld zu verdienen. Man sei für das abgelaufene Geschäftsjahr vor Steuern „mit einem zweistelligen Millionenbetrag im Plus“, sagte damals Stephan Fanderl, Vorsitzender der Geschäftsführung. Der Cash-Bestand habe sich erheblich verbessert und liege „deutlich über 200 Mill. Euro“. Der Umsatz soll nach Informationen der FAZ indessen um 4%, flächenbereinigt um 2% auf 2,1 Mrd. Euro gesunken sein. Nach 190 Mill. Euro im Vorjahr soll der Nettoverlust nun zwischen 60 und 70 Mill. Euro liegen.
26.02.2016Redakteur: Andrea Hackenberg
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