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Mode-Aktien 2012: Satte Gewinne


Gab es im Jahr 2011 am Ende nur wenige Gewinner bei den Mode-Aktien, sieht das Bild zum Jahresende 2012 ganz anders aus.

Während eine Lösung der Schuldenprobleme in Europa nach wie vor fern im Nebel liegt, in der Wirtschaft Griechenlands, Spaniens, Portugals und Italiens noch längst keine Wende zum Besseren erkennbar ist, jagt die Frankfurter Börse in den letzten Wochen von einem Kurs-Hoch zum nächsten und reagiert kaum noch auf schlechte Nachrichten. Davon profitierten 2012 unterm Strich auch die meisten Aktien der Mode- und Textilbranche. Um 29% stieg der Deutsche Aktienindex DAX, der Modeaktien-Index MAI sogar um 32%. Offenbar fehlte es den Anlegern an renditeträchtigen Alternativen.

Am meisten geglänzt auf dem Börsenparkett haben die Vorjahres-Neulinge aus dem Premium-Segment: An der Spitze der Mailänder Luxusmodekonzern Prada, dessen Börsenwert sich seit Jahresbeginn 2012 genau verdoppelte. Die in New York seit gut einem Jahr notierte Aktie des Modeunternehmens Michael Kors legte in Euro gerechnet um 75% zu. Auch das Modeunternehmen Salvatore Ferragamo aus Florenz, das ebenso wie Prada seit Juni 2011 an der Börse notiert ist, liegt mit einem Kurs-Plus von 67% weit vorn. Damit sind die Italiener mit dem bekannten Markennamen bei den Anlegern fast genauso beliebt wie Europas umsatz- und wachstumsstärkstes Modeunternehmen Inditex mit seiner Hauptmarke Zara. Investoren, die auf diese Aktie setzten, können sich über ein sattes Plus von 71% in diesem Jahr freuen. Der Stockholmer Rivale Hennes & Mauritz brachte es dagegen nur auf bescheidene 7% Wertzuwachs. Der Ratinger Modekonzern Esprit, der sich im tiefgreifenden Umbau befindet, legte im Börsenwert um immerhin 12% zu.

Die meisten deutschen Mode- und Einzelhandelsaktien bieten nach wie vor eine stabile überzeugende Kurs-Performance: Gerry Weber (+55%), Ludwig Beck (46%), Hugo Boss (45%) und Tom Tailor (31%). Auch die Ahlers AG mit Marken wie Baldessarini, Otto Kern, Pierre Cardin und Gin Tonic braucht sich mit einem soliden Kurs-Plus von 15% für die Stammaktien- und 10% für die Vorzugsaktien nicht zu verstecken. Der Börsenwert der Adler Modemärkte stieg um knapp 10%

Die international breit aufgestellten Luxusgüterkonzerne profitieren durchweg überdurchschnittlich vom Nachholbedarf der wachsenden ausgabe- und reisefreudigen Mittel- und Oberschicht in Asien, ebenso wie von ihren wohlhabenden Stammkunden in Westeuropa, im Mittleren Osten und Amerika. Weit vorn liegt der italienischen Luxus-Lederwarenhersteller Tod’s mit einem Kurszuwachs von 51% im Jahresverlauf. Die Aktie des Genfer Richemont-Konzerns (u.a. Chloé, Cartier, Dunhill, Montblanc) legte um 50% zu, die von LVMH (Givenchy, Kenzo, Moët & Chandon, Bulgari) um 28% und die des Pariser Konkurrenten PPR (Gucci, Bottega Veneta, Saint Laurent Paris, Puma), der zu Jahresbeginn die Übernahme des italienischen HAKA-Spezialisten Brioni abgeschlossen hat, um 27%. Weniger zufrieden dürften die Anleger sein, die auf Ralph Lauren (+5%) oder Burberry (4%) gesetzt hatten.

Auf den ersten Blick überraschend, angesichts seiner beeindruckenden Umsatz- und Gewinnentwicklung, blieb auch der Pariser Modekonzern Hermès mit einem enttäuschenden Kurs-Minus von 2% weit abgeschlagen. Hier wirkt sich allerdings die festgefahrene Struktur der Großaktionäre aus, die kaum noch Raum für Privatanleger lässt. Hauptanteilseigner ist mit 72% die Erben-Familie Hermès, die alles tut, um zu verhindern, dass der ungeliebte Miteigentümer LVMH (22%) – und damit dessen Chef Bernard Arnault – sich weitere Anteile und Einfluss auf das Unternehmen verschafft. Hermès-Vorstandschef Patrick Thomas erklärte gerade erst wieder in einem Magazin-Interview: „Unsere Holding-Gesellschaft ist eine Festung, die uns gegen ihn schützt“.

Zu den Verlierern zählen 2012 wie schon im Jahr zuvor die Aktien der Kaufhof-Muttergesellschaft Metro AG mit minus 25%. Großaktionär Haniel will seinen Anteil verringern, das drückt ebenso auf den Kurs wie die vielen offenen Baustellen des Unternehmens und der Gesellschafter-Streit bei Media-Saturn. Geringer Trost: 2011 war der Kurs-Absturz mit -48% noch tiefer.

Im Minus sind auch die Kurse des Schweizer Wäschespezialisten Calida (-11%) und der Charles Vögele AG (-10%), der auch die immer wieder aufflammenden Übernahmespekulationen offenbar nicht viel helfen konnten.
28.12.2012Redakteur: Manfred Gerzymisch

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