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Neckermann Schweiz wird liquidiert


Während das Frankfurter Versandhaus Neckermann.de und seine österreichische Tochter mithilfe von Insolvenzverwaltern ums Überleben ringen, ist das Schicksal von Neckermann Schweiz bereits besiegelt: Das Unternehmen wird abgewickelt. Zum Liquidator wurde Geschäftsführer und Verwaltungsrat-Vize Marc Oberländer (32) ernannt. Die Geschäftszahlen für 2011 sind nicht bekannt. 2010 hatte der in St. Gallen ansässige Versender einen Verlust von 329.000 Euro eingefahren. Der Online-Shop hat seinen Betrieb bereits eingestellt. Zu Details wollen sich weder Oberländer noch die Muttergesellschaft Neckermann.de äußern. Diese hatte am 18. Juli Insolvenzantrag gestellt. Ende Juli folgte die Österreich-Tochter.

Die Führungsspitze von Neckermann Versand Österreich (NVÖ) ist aber zuversichtlich, innerhalb von 90 Tagen ein Sanierungskonzept zu erarbeiten und einen Investor zu finden. Als Grund nennt Vorstandschef Thorsten van der Felden unter anderem die positive Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr dieses Jahres, in dem der Versender operativ schwarze Zahlen geschrieben habe. 2011 habe der Umsatz zwischen den Ergebnissen von 2009 (94 Mill. Euro) und 2010 (103,2 Mill. Euro) gelegen. Der Verlust sei wegen der Aufgabe des Osteuropa-Geschäfts höher ausgefallen als 2010, wo Neckermann Österreich ein Minus von 3,23 Mill. Euro verzeichnet hatte.

Im Gegensatz zu Neckermann.de verfügt Neckermann.at über Immobilienwerte wie das Hauptgebäude und das Logistikzentrum in Graz. „Wir sind nicht überschuldet. Unsere Aktiva übersteigen die Passiva“, sagt van der Felden. Das Unternehmen sei nur wegen der engen Verflechtungen mit Neckermann.de in einen Liquiditätsengpass gekommen. Neckermann.ch bezieht aus Frankfurt Leistungen wie Katalogproduktion, Wareneinkauf, Vertrieb sowie verschiedene betriebswirtschaftliche Systeme. „Wir können nicht alles auf einen Schlag kompensieren, aber die Grundlagen sind vorhanden, zum Beispiel eine eigene IT und eigene Strukturen.“

Die Umstellung des Geschäftsmodell auf E-Commerce habe bereits begonnen. 60% der Erlöse würden im Internet erzielt. Kataloge blieben aber weiterhin ein wichtiges Marketinginstrument, weil der österreichische Markt noch nicht so internetaffin sei wie der deutsche. „Wir haben einen sehr großen Kundenstamm, der Kataloge haben möchte, so dass das Kataloggeschäft noch rentabel ist“, erklärt der NVÖ-Chef.

Die Tochter Neckermann.com Benelux, die die Online-Shops in Belgien und Niederlande) betreibt, plant kein Insolvenzverfahren. „Wir können unabhängig von Neckermann.de und Neckermann.at agieren“, sagt ein Sprecher. Neckermann.com Benelux hatte 2010 einen Verlust in Höhe von rund 23,14 Mill. Euro erwirtschaftet. Der Umsatz betrug rund 179 Mill. Euro.
06.08.2012Redakteur: Bert Rösch
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