logo

Neckermann stellt Insolvenzantrag


Der finanziell angeschlagene Versandhauskonzern Neckermann stellt einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das teilten Neckermann und die Gewerkschaft Verdi am Mittwochnachmittag mit. Die Arbeitnehmerseite hatte sich zuvor mit dem Management auf einen neuen Sozialplan verständigt, der Abfindungen und die Gründung einer Transfergesellschaft vorsieht. Geplant war eine schrittweise Auszahlung von rund 9 Mill. Euro, die aus den laufenden Einnahmen entnommen werden sollten. Die letzte Tranche sollte im März 2013 fließen.

Beim Investor Sun Capital stieß der Plan jedoch auf Ablehnung: „Der Eigentümer hält das Ergebnis der Verhandlungen nicht für tragfähig und wird keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen“, teilte Neckermann mit. Unter diesen Rahmenbedingungen könne das Unternehmen in seiner bestehenden Form nicht fortgeführt werden.

Die Geschäftsführung will nach eigenen Angaben jetzt alles daransetzen, das laufende Geschäft während des Insolvenzverfahrens aufrechtzuerhalten und alle Möglichkeiten zur Fortführung des Geschäfts prüfen. Verdi kündigte an, dem noch zu bestimmenden Insolvenzverwalter ihr Alternativkonzept vorzulegen, das die Neckermann-Führung im März verworfen hatte. Es sieht unter anderem eine Fortführung des Geschäfts mit Textil-Eigenmarken vor. Außerdem soll die Logistiksparte weiter bestehen bleiben und künftig auch für Fremdfirmen arbeiten.

Nach Angaben von Verdi hat Sun Capital auch die Zusage zurückgezogen, für die Umstellung auf ein reines Marktplatzmodell 25 Mill. Euro bereitzustellen. „Es wäre sichergestellt gewesen, dass dieses Geld nicht in die Abfindungen fließt“, sagt Bernhard Schiederig, Fachbereichsleiter Handel bei Verdi Hessen. Dennoch habe Sun Capital den Geldhahn zugedreht. Verdi-Funktionär und Neckermann-Aufsichtsrat Wolfgang Thurner bezeichnete die Entscheidung als „irrational“ und „typisch für ein Private Equity-Unternehmen“.
18.07.2012Redakteur: Bert Rösch
 Drucken