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Sammelklage gegen Vroom & Dreesmann


Der Schock war groß, als Mitte Februar bekannt wurde, dass die Übernahmeverhandlung mit dem letzten Interessenten gescheitert war und die insolvente niederländischen Kaufhauskette Vroom & Dreesmann (V&D) abgewickelt wird. Denn mit der Pleite des 62 Filialen umfassenden Warenhaus-Konzerns ist für viele Mode- und Accessoires-Hersteller, auch aus Deutschland, einer der größten Abnehmer in Holland weggebrochen.

Mittlerweile dominiert auf Lieferantenseite der Unmut – und die Wut. Nicht nur über die mangelhafte Kommunikation der Insolvenzverwaltung während des Insolvenzverfahrens und nach Bekanntgabe des endgültigen Aus, sondern vor allem über den Umgang mit den aktuellen Frühjahr/Sommerkollektionen, die noch in den mittlerweile geschlossenen Filialen hängen. Der niederländische Verband für Mode, Raumausstattung und Textil (Modint) hat betroffene Lieferanten zu einer Versammlung eingeladen, um im Beisein von Anwälten mögliche rechtliche Schritte zu prüfen. Ergebnis: Modint ist laut Vertriebsleiter und Syndikusanwalt Wolfgang May gerade dabei, zwei Sammelklagen in die Wege zu leiten. Mit dem Ziel, mögliche Pflichtverletzungen aufzudecken und daraus resultierende Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Eine der Klagen beschäftigt sich mit der Waren-Rückführung. Da die Hersteller unter Eigentumsvorbehalt geliefert haben, was bedeutet, dass die Ware bis zum Verkauf im Laden Eigentum des Lieferanten war, müsste nach dem Aus die Ware an sie zurückgeschickt werden. „Doch die Konkursverwaltung will die Ware nicht retournieren, sondern sie in die Insolvenzmasse einfließen lassen“, sagt May.

Das heißt für die Lieferanten, dass der entstehende Schaden noch größer ist. Denn der Anteil, den die Hersteller aus der Insolvenzmasse zu erwarten haben, dürfte deutlich unter dem Warenwert liegen. Zumal sich die aktuelle Ware derzeit noch in anderen Vertriebskanälen verkaufen ließe. Doch die Insolvenzverwaltung begründet: Im Lieferantenvertrag sei festgelegt, dass die Ware mit der Auslieferung zum Eigentum von V&D werde. 24 Hersteller aus den Niederlanden und dem Ausland (u.a. Dänemark und Türkei) bereiten derzeit eine Klage gegen die Konkursverwaltung wegen Eigentumsverletzung vor, berichtet May.

Modint will auch gegen die Geschäftsführung und den V&D-Eigentümer Sun European Partners, eine Tochtergesellschaft des US-Finanzinvestors Sun Capital, rechtlich vorgehen. Dieser Klage wegen Pflichtverletzung haben sich bislang 74 Lieferanten angeschlossen.

Über die deutsche Modint GmbH als unabhängig agierender Dienstleister für die Fashion- und Schuhindustrie können sich auch deutsche V&D-Lieferanten noch bis Ende dieser Woche melden und an den Prozessen beteiligen. Wie viele und welche deutsche Lieferanten bislang unter den rund 100 Klägern sind, wollte May nicht bekanntgeben. Nur so viel: Die GmbH betreue bereits namhafte Unternehmen bei der Abwicklung des V&D-Konkurses nach niederländischem Recht und dabei konnten schon u.a. verlorene Eigentumsrechte durch das in Deutschland unbekannte Institut des „Recht van Reclame“ wieder zurück erlangt werden, so May.
07.03.2016Redakteur: Janine Damm

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