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Steilmann: Geschäfte laufen zunächst weiter

Insolvenzantrag nur für die Obergesellschaft Steilmann SE


Die Geschäfte der Steilmann-Gesellschaften können auch nach dem Insolvenzantrag der Obergesellschaft Steilmann SE zunächst weiterlaufen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus erklärte am Ostermontag, es seien „erste Maßnahmen zur Stabilisierung des Geschäfts” eingeleitet worden. 
 
Kebekus (Kanzlei Kebekus et Zimmermann Rechtsanwälte, Düsseldorf) war am vergangenen Donnerstag vom Amtsgericht Dortmund zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Steilmann SE und deren ebenfalls insolventer Hauptaktionärin Steilmann Holding AG bestellt worden. „Oberste Priorität hat derzeit, die operativen Geschäfte der Gruppengesellschaften zu stabilisieren”, stellte er nach einer ersten Analyse zur Situation der Gruppe fest. Erste Maßnahmen seien dazu bereits eingeleitet worden, „denen sehr zügig Gespräche mit Handelskunden, Lieferanten und anderen Geschäftspartnern folgen werden”. Erst wenn dies gelungen sei, könne es darum gehen, Zukunftsoptionen für Steilmann auszuloten.
 
Kebekus äußerte sich gleichzeitig zuversichtlich, eine Lösung für das Unternehmen zu finden: „Der Name Steilmann steht für ein Stück deutscher Modegeschichte und hat nach wie vor einen guten Ruf im Markt. Dies wird sicherlich hilfreich bei unserem Bemühen sein, eine Zukunftsperspektive zu finden.”

Wie es in der Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters weiter heißt, wird für die rund 370 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Steilmann SE und die 66 Mitarbeiter der Steilmann Holding AG das Insolvenzausfallgeld von ihm zunächst vorfinanziert. Das Insolvenzausfallgeld wird entsprechend der gesetzlichen Regelungen drei Monate lang von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt.
 
Insolvenzantrag wurde ausschließlich für die Obergesellschaft Steilmann SE gestellt, die zwölf Boecker Multi-Label-Modehäuser betreibt. Nicht betroffen ist die Adler Modemärkte AG, Haibach, an der die Steilmann SE zusammen mit dem Investor Equinox mehrheitlich beteiligt ist. Adler hatte am Donnerstag erklärt, das Unternehmen erwartet von der Pleite des Großaktionärs keine „nennenswerten” Auswirkungen auf das operative Geschäft und die Ertragslage. Über die Mehrheitsbeteiligung (52,81%) der S&E Kapital sei Adler zwar mittelbar mit Steilmann verbunden, es bestehe aber kein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag.
 
Weniger zuversichtlich als der vorläufige Insolvenzverwalter hatten sich kurz nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags der Steilmann SE und der Steilmann Holding AG Aktonärsvertreter geäußert. Sie müssten „mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Totalverlust” rechnen, erklärte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete die Insolvenz als eine „pure Katastrophe” für die betroffenen Anleger und kündigte eine strafrechtliche Prüfung an.
 
Der Aktienkurs der Steilmann SE, die im November 2015 an die Börse gebracht wurde, war am vergangenen Donnerstag um fast 90% eingebrochen. Die Aktie der Adler Modemärkte AG verlor 5% an Wert. Betroffen seien bei Steilmann sowohl Aktionäre wie auch Anleihebesitzer, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW. Steilmann hatte in den vergangenen Jahren drei Mittelstandsanleihen mit einem Gesamtvolumen von 88 Mill. Euro begeben. „Die DSW wird den Fall sehr intensiv analysieren. Aufgrund der kurzfristigen Abfolge der Ereignisse werden wir uns wohl leider auch mit der strafrechtlichen Relevanz auseinandersetzen müssen. Es ist schließlich nur schwer vorstellbar, dass die Steilmann-Führungsspitze vor fünf Monaten noch nicht geahnt hat, dass die Lage des Unternehmens derart prekär ist“, sagt Tüngler.
 
Zur gesamten Bergkamener Steilmann-Gruppe, die sich auf die Zielgruppe der über 45-Jährigen konzentriert, gehören neben Steilmann auch die Labels Apanage und Kapalua sowie die Boecker-Modehäuser. 2014 setzte der Konzern, einschließlich der mittelbaren gemeinschaftlichen Mehrheitsbeteiligung an den Adler Modemärkten, nach eigenen Angaben mit 8300 Mitarbeitern in 18 Ländern 896 Mill. Euro um. 58% der Beschäftigten sind in Deutschland für die Gruppe tätig. Beliefert würden 1300 Point of Sale in 18 Ländern.

Mitte Dezember hatten sowohl Steilmann als auch Adler ihre Prognosen für die Umsatz- und Ertragsentwicklung im laufenden Geschäftsjahr heruntergeschraubt. Begründet wurde dies mit den schwachen Geschäften wegen des milden Winterwetters. Steilmann peilte demnach 2015 für die gesamte Gruppe Verkaufserlöse von rund 890 Mill. Euro und ein Betriebsergebnis von 40 bis 45 Mill. Euro an.
 
Die Adler Modemärkte haben mit 177 Filialen (davon 153 in Deutschland) und 4200 Mitarbeitern laut Mitte März veröffentlichtem Geschäftsbericht im vergangenen Geschäftsjahr 566 Mill. Euro umgesetzt, 5,8% mehr als im Vorjahr, der Nettogewinn brach allerdings um 44% auf 7,9 Mill. Euro ein.

29.03.2016Redakteur: Manfred Gerzymisch
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