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Terroranschläge: Brüssel sucht Normalität


Sicherheitskräfte vor dem Hauptbahnhof Brüssel (Foto: dpa picture alliance)
Sicherheitskräfte vor dem Hauptbahnhof Brüssel (Foto: dpa picture alliance)
Nach der Anschlagserie in Brüssel ist die Verunsicherung in der belgischen Landeshauptstadt weiterhin groß. Die Regierung hat die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen, viele Bürger sind offensichtlich zu Hause geblieben.

Nach Informationen der ARD herrscht in der Innenstadt Brüssels dennoch ein „heilloses Verkehrschaos“, auch wenn deutlich weniger Menschen unterwegs seien: Die Metro fahre bereits wieder, in Teilabschnitten auch auf der Linie, die vom Anschlag betroffen war. An den Eingängen würden Polizisten und Soldaten jede Tasche, jeden Rucksack kontrollieren. Bei den Anschlägen am Dienstag in der Abflughalle des Brüsseler Flughafens und in der U-Bahn waren mindestens 31 Menschen getötet und etwa 260 verletzt worden.

Der Tourismus und der damit einhergehende Einzelhandel am Flughafen sind unmittelbar betroffen. Wann Brüssel-Zaventem wieder für den Flugverkehr öffnet, ist noch unklar.

Die Folgen für den Einzelhandel in der Stadt lassen sich derzeit noch nicht abschätzen. Die belgische Kaufhauskette Galeria Inno soll einem Pressebericht zufolge ihre vier Filialen im Großraum Brüssel am Dienstag geschlossen haben, während ihre übrigen zwölf belgischen Häuser unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geöffnet blieben. Viele Händler und Hersteller waren auf TW-Anfrage zunächst nicht erreichbar.

Unmittelbar betroffen ist der belgische Lifestyle-Filialist Veritas. Nach Angaben einer Sprecherin sind direkt nach den Anschlägen ein halbes Dutzend Läden im Großraum Brüssel geschlossen worden. Der Betrieb soll jetzt wieder anlaufen, allerdings sei die Warenversorgung der Filialen aufgrund starker Verkehrskontrollen in Brüssel derzeit nur begrenzt möglich. „In Brüssel ging gestern nichts mehr. Kaufhäuser und Einkaufszentren wurden zum Teil evakuiert, das Handy-Netz war überlastet“, sagt eine Sprecherin. Im Rest des Landes, Veritas hat seinen Hauptsitz in der Nähe von Antwerpen, habe es keine Beeinträchtigungen im Geschäftsleben gegeben, allerdings sei die Frequenz deutlich schwächer als sonst. Veritas betreibt insgesamt knapp 130 Filialen. Seit vergangenem Jahr ist das Unternehmen auch in Deutschland vertreten, unter anderem im Einkaufszentrum Aquis Plaza im grenznahen Aachen. „Dort lief zumindest gestern alles normal. Im Gegenteil, die Umsätze waren sogar richtig gut.“

Unterdessen hat der Gesamtverband Textil + Mode die ursprünglich für Dienstagabend angesetzte feierliche Eröffnung des neuen Verbandsbüros in Brüssel abgesagt.

Auswirkungen dürften die Anschläge auch auf den Tourismus haben. Das US-Außenministerium warnt amerikanische Staatsbürger aktuell in einem „Travel Alert“ vor Touristenreisen nach Europa. „Terrorgruppen planen in der nahen Zukunft weitere Anschläge in Europa”, heißt es, wobei zu den ausgewiesenen Zielen u.a. Sportveranstaltungen, Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Transportmittel gehören. Die Warnung gilt bis zum 20. Juni. 

Nach den Anschlägen auf den Internationalen Flughafen und die Metro von Brüssel kamen „Fragen über Investitionen in die Sicherheit unserer Städte und weshalb Sicherheitssysteme umgangen werden konnten” auf, erklärt das Beratungsunternehmen Frost & Sullivan. Es sei wichtig festzustellen, dass Regierungen in die Stärkung von Sicherheit investieren. Belgien selbst habe versprochen, mehr als 450 Mill. Euro in Maßnahmen gegen Radikalisierung und Extremismus zu investieren. Premierminster Michel sei mitgeteilt worden, dass die Polizei derzeit unterbesetzt sei. Derzeit seien landesweit 300.000 Überwachungskameras installiert.

Ausgaben mit ähnlicher Intention seien in der gesamten EU getätigt worden. In Großbritannien gibt es laut Frost & Sullivan 15% mehr Sicherheitspersonal; 2,4 Mrd. Euro wurden durch die sogennante Strategische Verteidigungs-Prüfung bereitgestellt und es gab die Entscheidung, keine Kürzugen beim Polizeipersonal vorzunehmen. Frankreich hat heute fast 2000 mehr Nachrichtendienstmitarbeiter und legt den Schwerpunkt auf Grenzsicherheit sowie nationale Infrastruktur mit zusätzlichen Polizisten und Gendarmen.    

Der Anschlag auf den Flughafen ereignete sich innerhalb des Terminals am Check-in, der in den meisten europäischen Ländern öffentlich zugänglich ist. Die Unternehmensberatung weist darauf hin, dass eine engere Kooperation zwischen den Sicherheitsservices notwendig sei. Regierungen müssten alles in ihrer Macht stehende tun, um eine Zusammenarbeit zu vereinfachen und einen leichteren und effizienteren Austausch zwischen den Sicherheitsdiensten zu ermöglichen.
23.03.2016Redakteur: TextilWirtschaft online
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