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Textilbündnis: Primark-Beitritt polarisiert


Der Beitritt des irischen Mode-Discounters Primark zum Bündnis für nachhaltige Textilien des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) hat hohe Wellen geschlagen. Dass neben nachweislich bereits nachhaltig agierenden Unternehmen wie Vaude oder Trigema auch Billiganbieter wie Kik, Aldi, Lidl, Takko und nun Primark Mitglieder sind, sorgt bei einigen im Markt für Empörung.

Für Michael Pfister, Geschäftsführer der Immenstadter MDC Sportswear GmbH, hat der Primark-Beitritt nun das Fass zum Überlaufen gebracht. In einem Brief an den Initiator des Bündnisses, Minister Gerd Müller, erklärt er, dass die Ziele von Kik, Tchibo, Primark und Co unvereinbar mit den eigenen seien, weshalb er seine Mitgliedschaft im Bündnis kündige. „Der Beitritt von Primark, einem Unternehmen, welches mit seiner Wegwerfmode das Gegenteil dessen macht, wofür wir stehen, macht es uns unmöglich, noch länger dem Bündnis anzugehören“, so Pfister. Die Initiative besteht seit Oktober 2014. „Seitdem hat sich gar nichts getan“, kritisiert er.

Andere Unternehmen begrüßen dagegen grundsätzlich die Beteiligung von solchen Branchengrößen. „Der Anspruch des Bündnisses war von Beginn an, ein Zeichen zu setzen und die gesamte Branche zu bewegen. Mit ihrem Beitritt zum Bündnis verpflichten sich alle Unternehmen zur Einhaltung bzw. Umsetzung genau definierter Standards. An diesen Vorgaben, die gerade erarbeitet werden, wird sich jedes Unternehmen messen lassen“, erklärt denn auch Hessnatur-Chef Vivek Batra. Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz sieht Primarks Mitgliedschaft ebenfalls positiv: „Die niedrige Eintrittsschwelle wurde bewusst gewählt, um auch die Großen mit ins Boot zu nehmen. Ich verstehe das Textilbündnis als Teamsport, es kann nur funktionieren, wenn wir alle zusammenarbeiten. Es wird sich anhand der Review-Prozesse zeigen, inwieweit Unternehmen wie Primark bereit sind, die ambitionierten Ziele, die vom Bündnis angestrebt werden, einzuhalten.“

Eine Sprecherin des Ministeriums erklärt: „Das Textilbündnis steht grundsätzlich allen Unternehmen offen, die sich den sozialen und ökologischen Bündniszielen verpflichten. Dies hat Primark mit dem Beitritt getan. Je mehr Unternehmen sich auf den Weg machen, desto besser für die Herkunftsländer und die Menschen am Anfang der Produktionskette.“
Ziel der Initiative ist es, soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textillieferkette zu erreichen. In welchem Zeitraum und wie die Schritte kontrolliert werden, steht noch nicht fest. Das Textilbündnis wolle bis 2017 mindestens 75% des deutschen Einzelhandelsmarktes für Textilien und Bekleidung abdecken, so eine Sprecherin des BMZ. Aktuell – mit 175 Mitgliedern – sind es 55%. Derzeit würde noch bis Oktober der Review-Prozess als Kontrollverfahren eingeleitet, so die Sprecherin weiter. Bis Dezember sollen die Mitglieder individuelle Maßnahmenpläne erstellen, auch als Grundlage, um später die Verbesserungen in den Unternehmen messen zu können.

Mit dem Beitritt von Primark komme zudem die Internationalisierung des Bündnisses weiter auf den Weg, heißt es weiter vom BMZ. Aufgrund der Internationalität des Textil- und Bekleidungssektors stehe das Bündnis in engem Austausch mit anderen europäischen Initiativen und der Europäischen Kommission. „Konkret unterstützen wir den für den 25. April geplanten Start einer EU Garment-Initiative. Deutschland engagiert sich auf EU-Ebene für ein abgestimmtes Vorgehen aller Mitgliedstaaten besonders in Bezug auf Umsetzungsmaßnahmen in Produktionsländern“, so die Ministeriumssprecherin weiter.

Man begrüße zudem den neuen Fairtrade-Textil-Standard, der ähnliche Ziele wie das Bündnis verfolgt, diese nur schneller umsetzen will. Das BMZ habe die Entwicklung des Standards mit 100.000 Euro unterstützt. „Der Fairtrade Textil-Standard wird voraussichtlich einen – durchaus wichtigen – Nischenmarkt für fair gehandelte Produkte bedienen. Mit dem Textilbündnis verfolgen wir hingegen ausdrücklich einen breitenwirksamen Ansatz, mit dem wir kontinuierlich soziale und ökologische Verbesserungen im Massenmarkt erreichen wollen“, so das BMZ.

Mehr zum Bündnisbeitritt Primarks und zum neuen Fairtrade-Standard lesen Sie in der aktuellen TextilWirtschaft an diesem Mittwoch ab 18 Uhr auf dem iPad oder ab Donnerstag in der Printausgabe.
23.03.2016Redakteur: Anja Probe

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