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V&D-Insolvenz: Deutsche Lieferanten betroffen


Dass die niederländische Kaufhaus-Kette Vroom & Dreesmann (V&D) nach der gescheiterten Übernahme durch den niederländischen Fashion-Retailer Cool Investments abgewickelt wird, hat in der vergangenen Woche nicht nur die rund 8000 Mitarbeiter schockiert. Mit Besorgnis hat auch die deutsche Bekleidungsindustrie die Rettungsversuche verfolgt. Der Industrieverband GermanFashion kann zwar nicht beziffern, welchen Anteil V&D am Ausfuhrwert hat und wie viele deutsche Lieferanten nach der Insolvenz ihren wichtigsten Absatzkanal im Nachbarland verlieren. „Ich höre aber von Mitgliedern aus allen Segmenten, dass sie betroffen sind“, sagt Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer von GermanFashion. Mit einem Volumen von 1,6 Mrd. Euro ist das Land nach Österreich für die deutsche Bekleidungsindustrie 2015 der zweitstärkste Exportmarkt.

„Ein Auffangen von Umsätzen großer Kunden dürfte in jedem Land gleich schwierig sein“, sagt Thomas Rasch, „die Erfahrungen mit ähnlichen Vorgängen in Deutschland lehren uns jedenfalls, dass die Umsätze erst mal bis auf weiteres weggebrochen sind.“ Trotz des angestaubten Images und der längst überfälligen Modernisierung der Filialen war die Marktbedeutung der Warenhauskette in den Niederlanden groß. Mit 62 Filialen ist das Amsterdamer Unternehmen einer der größten Kaufhaus-Filialisten des Landes und mit dem Vollsortiment in mittlerer Preislage nicht nur in den größten Städten des Landes wie Amsterdam, Rotterdam und Den Haag vertreten, sondern auch in Mittelstädten wie Doetinchem und Den Helder.

Mit „zu 0,0 Prozent kompensierbaren“ Umsatz-Wegbrüchen rechnet daher S.Oliver-Geschäftsführer Mathias Eckert. In 42 der zuletzt 62 V&D-Filialen waren die Rottendorfer mit über 100 Flächen vertreten. Das Umsatzvolumen sei bedeutend gewesen.

Esprit ist mit 31 Shops bei dem Warenhaus-Filialisten vertreten. „Immer, wenn wir einen Handels-Partner wegen einer Schließung verlieren, sind das keine gute Nachrichten“, heißt es aus der Zentrale in Ratingen, und im Falle von V&D sei das ein besonders unglücklicher Fall in den Niederlanden. „Die Niederlande bleiben aber sicherlich einer unserer Kernmärkte“, sagte ein Sprecher. Um weiter zu wachsen, wird das Unternehmen den eigenen Retail vorantreiben und optimieren – aktuell führt Esprit 54 Stores in Eigenregie – sowie nach alternativen Kanälen suchen.

Die wegfallenden Umsätze über Monomarken-Stores aufzufangen, ist auch einer der Schritte, über die Tom Tailor gerade nachdenkt. Neue Franchise-Stores könnten eine Strategie sein. Tragisch, aber nicht bedrohlich – so beurteilt der Casualwear-Anbieter die Lage nach der Insolvenz von V&D.

Auch der Schweizer Wäschekonzern Triumph geht davon aus, „dass wir das Ausscheiden dieses Marktteilnehmers durchaus spüren werden“, so ein Sprecher. Das Geschäft mit V&D stehe für knapp 10% des Gesamtumsatzes in den Niederlanden. Das Unternehmen hofft aber, dass sich die V&D-Erlöse von Triumph und Sloggi auf andere Vertriebskanäle verteilen: den Wäschefachhandel, die acht eigenen Stores, den eigenen Webshop, dessen Umsatz in den Niederlanden 2015 um 60% gestiegen sei, und auf die Kaufhaus-Kette De Bijenkorf, mit der die bestehende Partnerschaft ausgebaut werden soll. Und auch ein anderer strategischer Partner werde profitieren: der niederländische Wäsche-Filialist Livera mit mehr als 100 Filialen.

Bei der Falke-Gruppe ist der niederländische Markt „ein äußerst wichtiger Markt“, sagt Jan van der Hagen, Head of Global Sales. Der prozentuale Umsatzanteil von V&D sei aber minimal. Und weil der Strumpf-Spezialist kontinuierlich in neue Vertriebswege, insbesondere in E-Commerce-Plattformen, investiert habe, könnten Rückgänge in klassischen Kanälen ausgeglichen werden.

Schiesser-Vorstand Rudolf Bündgen rechnet damit, dass der Vertriebsniederlassung in den Niederlanden wohl 20% des Umsatzes verloren gehen. Aufgefangen werden sollen die Einbußen über eine stärkere Zusammenarbeit mit anderen Handelspartnern. Bitter – aber: „Die Strukturveränderung in den Märkten schreitet eben weiter fort. Und trotzdem wachsen wir 2016. Voraussichtlich jetzt nur 8% statt 8,9%“, so Bündgen.

Mehr dazu lesen Sie in der an diesem Donnerstag erschienen TextilWirtschaft.
25.02.2016Redakteur: Janine Damm

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