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Vroom & Dreesmann wird abgewickelt

Übernahme ist geplatzt - 8000 Mitarbeiter und zahlreiche Lieferanten betroffen


V&D-Filiale
V&D-Filiale
Das Hoffen und Bangen für die 8000 Mitarbeiter der niederländischen Kaufhauskette V&D, vormals Vroom & Dreesmann, hat ein Ende – allerdings kein gutes. Wie am Dienstagabend bekannt wurde, wird der niederländische Retailer Cool Investments das insolvente Unternehmen nun doch nicht übernehmen. Und die Insolvenzverwaltung konnte auch keinen anderen Käufer finden. Es sei bedauernswerterweise nicht gelungen, das komplizierte „Puzzle zwischen potenziellen Käufer(n), Vermietern und Finanzierung(en) zu lösen“, teilten die Insolvenzverwalter mit - und kündigten die Abwicklung des Unternehmens in den kommenden Wochen an. So werden nur die zum Konzern gehörenden und Ende Januar an die niederländische Supermarkt-Kette Jumbo verkauften Standalone-Stores der Restaurant-Sparte La Place weiter bestehen.
 
Auch Cool Investments, der letzte verbliebene, exklusive Übernahme-Interessent, meldete sich am Abend zu Wort: Man habe in den vergangenen Wochen hart an einem Relaunch von V&D mit einem inspirierten Lifestyle-Konzept gearbeitet. „Wir müssen leider feststellen, dass wir nicht die Interessen aller Beteiligten auf einen Nenner bringen konnten“, teilten CEO Roland Kahn und CFO Jaco Scheffers mit und bedauern das Scheitern insbesondere wegen der betroffenen Mitarbeiter, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren.

Dass der Deal nun doch geplatzt ist, kommt überraschend. Denn seit fast zwei Wochen führte die von Roland Kahn gegründete Fashion-Gruppe, zu deren Portfolio die Retail- und Wholesale-Konzepte Sapph, America Today, MS Mode und Cool Cat sowie einige Handelsimmobilien und Investments gehören, exklusive Gespräche und hatte vor, 40 bis 48 der verbliebenen 62 Warenhäuser fortzuführen. Während in der niederländischen Presse immer wieder die Rede davon war, der kanadische Einzelhandelskonzern Hudson’s Bay Company (HBC)  verhandle ebenfalls mit den V&D-Vermietern, wurde die Insolvenzverwaltung nicht müde zu betonen, dass die Gespräche mit Cool Investments kurz vor Abschluss stünden, dass sich der Fashion-Retailer mit den Vermietern einig sei und die Bank bereits grünes Licht signalisiert habe.

Womöglich ist nun aber doch HBC in die Verhandlungen gegrätscht. Denn – auch das war in den holländischen Zeitungen zu lesen – die Muttergesellschaft von Galeria Kaufhof habe fest vor, 60 Läden in den Niederlanden zu eröffnen. Und zwar mit den Konzepten Galeria Inno und Saks Off 5th. Demnach soll HBC bereits mit etlichen V&D-Vermietern in Kontakt stehen. Allerdings betonte die Insolvenzverwaltung auf Nachfrage der TW, dass die Filet-Stücke in den größten Städten der Niederlande zum Deal mit Cool Investments gehörten und daher nicht mehr zur Verfügung stünden.

Ob auf V&D nun Galeria Inno- und Saks Off 5th-Stores folgen, ist unklar. HBC äußert sich bislang nicht zu den Markteintritts-Plänen.

Indes betrifft nicht nur die 8000 Mitarbeiter der Warenhaus-Kette das Aus, sondern auch die Lieferanten. Auch aus Deutschland. Schon beim Bekanntwerden des Insolvenzverfahrens meinte S.Oliver-Geschäftsführer Mathias Eckert: „Vroom & Dreesman steht für ein bedeutendes Umsatzvolumen, die wegfallenden Umsätze wären zu 0,0 Prozent kompensierbar.“ S. Oliver ist in 42 der 62 verbliebenen Filialen mit insgesamt über 100 Flächen vertreten – und nur einer von vielen betroffenen Lieferanten aus Deutschland.
16.02.2016Redakteur: Janine Damm
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