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Wormland: Rückzug aus E-Commerce


Der Männermode-Filialist Wormland hat seinen Online-Shop geschlossen. „Wir richten unsere Strategie ab diesem Jahr verstärkt auf unsere Kernkompetenz – den stationären Handel. Deshalb ziehen wir uns aus dem Online-Geschäft zurück“, teilte das Hannoveraner Unternehmen auf Anfrage mit.

Der progressive Männermodespezialist hatte seinen Online-Shop erst im Januar 2015 gestartet. Dieser umfasste zwar sämtliche Segmente, zum Beispiel Anzüge, Hosen, Hemden, Jacken, Sakkos, Schuhe, Taschen und Krawatten. Nicht aber das komplette Sortiment und Marken-Portfolio. Im Gegenzug wollte Wormland ausgewählte Produkte exklusiv über den Online-Shop anbieten.

Gerade im Bereich Men’s Fashion sei es „besonders wichtig, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden einzugehen“. In diesem Sinne biete Wormland in seinen Geschäften „Shoppen in entspannter Atmosphäre“, 14 Tage Umtausch gegen Bargeld, Änderungsservice und eine Espresso-Bar. Zudem spiegele die „moderne und avantgardistische Architektur“ der Filialen den Anspruch des Wormland-Kunden wider und biete „Stil auf allerhöchstem Niveau“. „Die Kompetenz unserer Mitarbeiter auf der Fläche liegt in der persönlichen, aktiven Beratung unserer Kunden“, ergänzt Wormland-Geschäftsführer Oliver Beuthien.

Das Problem dabei: Das Filialnetz von Wormland ist alles andere als flächendeckend, so dass viele männliche Modekunden nicht in den Genuss der Architektur und der zahlreichen Store-Services kommen können. Der Modehändler, der seit Mai 2015 zur börsennotierten Münchner Ludwig Beck AG gehört, betreibt lediglich 15 Stores in elf Städten: Berlin, Bremen, Bochum, Dortmund, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Ludwigshafen, München, Oberhausen und Oldenburg. In Bremen, Bochum, Dortmund, Hannover, Ludwigshafen und Oberhausen gibt es neben einem Wormland-Store auch einen Laden der auf Jeans- und Casualwear spezialisten Tochter Theo. In Ludwigshafen ist Wormland nur mit Theo vertreten.

Mit dem Rückzug aus dem Online-Modehandel agiert Wormland gegen den allgemeinen Markttrend. Immer mehr Modefilialisten und größere Modehäuser, sogenannte Platzhirsche, steigen in das nach wie vor wachsende Business ein und setzen dabei vor allem auf den sogenannten Multichannel-Ansatz: der Verzahnung von Online- und Stationärhandel. So ist es etwa möglich, online bestellte Artikel im Store umzutauschen und im Laden das Online-Sortiment zu checken, zum Beispiel um vergriffene Artikel direkt nach Hause zu bestellen. Nach Expertenmeinung sind das große Vorteile im Konkurrenzkampf mit großen Online-Pure Playern wie Amazon und Zalando.

So fürchtet etwa der E-Commerce-Forscher Professor Gerrit Heinemann von der Hochschuhe Niederrhein, dass bei Wormland „der Schuss auf kurz oder lang wohl eher nach hinten losgeht“: „Alle Studien der letzten Zeit und von allen namhaften Instituten zeigen, dass der Kunde hybrid einkaufen möchte. Deswegen werden hybride Handelsformen die Gewinner sein, nicht die reinen Offliner“, sagt der Wissenschaftler. Seiner Einschätzung nach hat ein Händler, der nur auf reine Offline-Kunden setzt, früher oder später ein Kundenproblem. Schließlich handele es sich bei konsequenten Stationärkunden in der Regel um „ganz alte Zielgruppen, Ewiggestrige und Verweigerer“, die lediglich rund 20% der Bevölkerung ab 14 Jahren darstellten.
21.01.2016Redakteur: Bert Rösch
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