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Zara schließt fünf Filialen


Bei Zara startet offenbar die größte Bereinigungswelle seit dem Start in Deutschland im Herbst 1999: In der ersten Jahrehälfte 2016 sollen fünf Filialen geschlossen werden. Betroffen sind in Köln die Filialen Hohe Straße (31. Juli) und Ehrenstraße, in Hamburg Altona die Filiale Ottenser Hauptstraße (30. Juni), in Berlin der Store in den Potsdamer Platz Arkaden (31. März) und in Chemnitz die Filiale in der Straße der Nationen (1. Halbjahr).

Aus der Deutschland-Zentrale kommt zu den einzelnen Schließungen und den genauen Hintergründen kein Kommentar. „Zum Erfolgskonzept von Zara zählt, konsequent dort zu sein, wo unsere Kunden uns erwarten und unser Verkaufsangebot annehmen”, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Zara sei es gelungen „in den vergangenen über 16 Jahren deutschlandweit ein Netz von 80 Filialen in mehr als 50 Städten aufzubauen”. Durch diese Strategie ergäben sich „laufend neue Standortchancen, in seltenen Fällen aber auch nachträgliche Ortskorrekturen und -wechsel, um unsere Positionierung zu verbessern.“ 

Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Konzern vor, die betroffenen 180 Beschäftigten loswerden zu wollen, um Personalkosten zu sparen. So werde insbesondere „den langjährige Mitarbeitern in Köln, trotz ihrer Bereitschaft, in der neuen Filiale in der Schildergasse anzufangen, keine gleichwertigen Arbeitsplätze angeboten. Stattdessen bietet man ihnen unzulängliche Abfindungen oder Arbeitsplätze an, die weit entfernt sind, und noch dazu Verträge mit reduzierter Stundenzahl“, erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretär Cosimo-Damiano Quinto. Er kritisierte zudem, dass Zara in der neuen Filiale in Köln keinen einzigen Vollzeitarbeitsplatz mehr anbiete. Den Beschäftigten der Hamburger Filiale in Altona seien bisher gar keine Ersatzarbeitsplätze angeboten worden, obwohl Zara für andere Filialen im Hamburger Stadtgebiet Personal suche. Verdi fordert Zara auf, allen Beschäftigten adäquate Ersatzarbeitsplätze anzubieten, die keine Verschlechterungen beinhalten. 

Die Unternehmenssprecherin aus Hamburg versichert dagegen, dass im Falle von Standortverlagerungen jedem Mitarbeiter eine Weiterbeschäftigung und die Übernahme in andere Filialen angeboten werde – nach Möglichkeit am gleichen Standort oder in der unmittelbaren Umgebung. Der Konzern verweist zudem auf die Neueröffnungen: „Im vergangenen Jahr haben wir zwei neue Stores in Bochum und Neu-Ulm eröffnet und die Mietverträge unserer Filialen in Leipzig und Lübeck verlängert. Damit sind 90 neue Arbeitsplätze geschaffen und über 60 erhalten worden – womit wir eine Gesamtzahl von 4300 Mitarbeitern erreichen, die für Zara in Deutschland arbeiten.“ Weitere Eröffnungen, unter anderem in Pforzheim, seien „in naher Zukunft“ geplant.

Umsatzrückgänge können jedenfalls nicht der Grund für die Bereinigung sein: Auch 2015 hat die Inditex-Gruppe wieder deutlich zugelegt. Für das Gesamtjahr liegen zwar noch keine Zahlen vor, aber für die ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015/16 (Stichtag: 31.10.) hatte der spanische Modekonzern, zu dem die Filialketten Zara und Massimo Dutti gehören, ein Plus von 16% auf 14,74 Mrd. Euro und einen Gewinnsprung von 20% gemeldet. Unterm Strich standen demnach 2 Mrd. Euro. Für den deutschen Markt werden keine separaten Zahlen genannt.
15.02.2016Redakteur: Kirsten Reinhold
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