Wer sich auf die Suche nach außergewöhnlichen Fassadenlösungen im Retail begibt, landet zwangsläufig in Asien. Wenig bauliche Vorschriften, ein konsumfreudiges Publikum und der Hang zur Superlative in Megacities wie Shanghai oder Seoul sind der Nährboden für Stores, die einem schon von Weitem den Atem verschlagen.

Während sich die Luxusmarken in Europa längst die Palazzi und Herrenhäuser an den 1a-Lagen untereinander aufgeteilt haben, entstehen in Fernost immer wieder raumschiffartige Neubauten der Extraklasse. Zusammen mit angesagten Architekten werden Architekturprojekte entwickelt, die wahrscheinlich in keiner europäischen Innenstadt eine Genehmigung bekommen würden. Givenchy hat eines in Seoul bauen lassen, Miu Miu in Tokio und Ports 1961 in Shanghai. Sie alle nutzen die Fassade, um ihre Corporate Identity auf voller Breite zu spielen. Und um das kauffreudige asiatische Publikum zu beeindrucken. Das sind die Top 7 Fassaden:

1. Miu Miu, Tokio. Die Myuki Street ist keine besonders schöne Straße. Dennoch haben sich hier in den letzten Jahren etliche Luxubrands angesiedelt. Wo es nicht schön ist, muss man es sich eben schön machen – das ist wohl das Motto der Marken, die hier ihre Flaggschiffe errichten. Die Schweizer Architekten von Herzog & De Meuron haben vor kanpp 10 Jahren schon das Prada-Flaggschiff auf der gegenüberliegenden Straßenseite geplant. Der neue Miu Miu-Laden beeindruckt mit einer schlichten aber dennoch aufsehenerregenden Form, die an einen sich öffnenden Karton erinnert. Auf der markanten Stahlfassade ist kein Logo zu finden. Dennoch hat sich schnell herumgesprochen, wem dieses Gebäude als neues Zuhause dient.

2. Givenchy, Seoul. Das Asien-Flaggschiff der Mailänder Luxusmarke Givenchy soll italienisches Flair mit Seouls futuristischem Shopping District Gangnam-Gu vereinen. Dafür wählten die Architekten des italienischen Architekturbüros Piuarch eine Fassade aus anthrazitfarbenen Stahlplatten, die je nach Wetter und Lichteinfall changieren. Als Inspiration dienten die Werke des italienischen Künstlers Enrico Castellani, der sich mit ähnlichen Oberflächenformen beschäftigte. Außerdem ist die Außenhaut des Gebäudes von den Materialien der letzten Givenchy-Kollektion beeinflusst.

3. Ports 1961, Shanghai. Tausende Glaskuben formen das neue Ports 1961-Flaggschiff in Shanghai, das an einen Eisberg im Ozean erinnern soll. Die Kuben sind dreidimensional angeordnet und nachts beleuchtet. Das kanadische Architekturbüro Uffie hat das Gebäude entworfen, das die Möglichkeiten moderner Architektur ausloten und die Fortschrittlichkeit der Marke herausstellen soll.

4. Dior, Seoul. Haute Couture-Architektur: Vor vier Jahren begann der renommierte Architekt und Pritzker-Preisträger Christian de Portzamparc (er hat unter anderem die französische Botschaft in Berlin entworfen) mit der Planung des Dior-Stores in Seoul. Was auf den ersten flüchtigen Blick ein wenig wie ein überdimensionaler Zahn wirkt, soll vielmehr an die Falten einer Haute Couture-Kreation erinnern, an riesige Stoffbahnen, die gekonnt miteinander vernäht wurden. Dargestellt werden sie durch zwölf strahlend weiße, zwanzig Meter hohe Kunstharz-Elemente, durch die der Kunde das Haus betritt. Alle Elemente wurden vor Ort in Seoul gefertigt, allein der Transport und das Aufstellen waren schon eine logistische Meisterleistung. Entstanden ist so ein monumentales Kleid.

5. Burberry, Shanghai. Ein bisschen London in Shanghai – das ist das Flaggschiff, das die englische Luxusmarke im letzten Jahr im Jng An Kerry Center eröffnete. Die Glasfassade trägt das typische Burberry-Karo, das je nach Wetterlage und Tageszeit unterschiedlich leuchtet. Die auffällige Fassade gibt einen ersten Vorgeschmack, was Kunden im Innern erwartet, denn hier zeigt Burberry sein ganzen Können im Bereich Digitales – ähnlich wie im Heim-Flaggschiff an der Londoner Regent Street. Chinesische Kunden sind einiges an neuer Technik gewöhnt. Dieser Laden wurde deswegen besonders spektakulär gestaltet, um Burberrys Rolle im Luxussegment unmissverständlich klar zu machen.

6. Max Mara, Peking. Beleuchtete Glasbausteine formen die Fassade des bisher größten Max Mara Stores in Asien. Besonders nachts ist der darauf platzierte, riesige Max Mara-Schriftzug deutlich zu sehen. Fast golden schimmern dann die hinterleuchteten Glasbausteine. Ein mehrere Meter hoher Screen zeigt in Dauerschleife Filmmaterial vom Catwalk und soll Kunden zusätzlich anziehen. Gestaltet wurde der Store, inklusive Fassade, vom italienischen Architekturbüro Duccio Grassi.

7. Michael Kors, Shanghai. Der bisher größte Store in China sollte etwas ganz besonderes werden. Gemeinsam mit dem New Yorker Architekturbüro KPF wurde eine auffällige Front konzipiert, die aus schimmernden Plättchen mit lichtreflektierenden Partikeln besteht. Sie sind in ein Raster eingewoben und sollen an ein Paillettenkleid erinnern. Bei entsprechender Sonneneinstrahlung funkelt die Fassade im Licht und ist weithin sichtbar.