Wer auf der Suche nach Inspirationsquellen für die Ladengestaltung ist, sollte auch mal den Blick über den Tellerrand wagen. Ob Motorrad-Showroom, Google-Hauptquartier oder Blumengeschäft – andere Branchen liefern frische Ideen fürs Storedesign. Denn eines ist überall gleich: Läden sollen Kunden anziehen, sie fesseln und die Markenbotschaft transportieren. Die vielzitierte Emotionalisierung ist dabei der Schlüsselbegriff.

FAHRRAD-XXL MEINHÖVEL, BOCHUM. Rennräder, Mountainbikes und Citybikes, bei der Gestaltung des zweiten Fahrrad-Ladens der Familie Meinhövel mussten unterschiedliche Ansprüche unter ein Dach gebracht werden. Auf 3000m² Verkaufsfläche hat das Unternehmen im Bochumer Hannibal-Einkaufszentrum neu eröffnet und dabei eine komplette Fahrrad-Welt geschaffen. Angefangen vom Zubehör wie Bekleidung, Helme und Sättel bis hin zur Präsentation der Fahrräder im 1. Obergeschoss auf 2000m² Verkaufsfläche. Dafür hat sich das Hamburger Planungsbüro Nette+Hartmann einiges einfallen lassen (Ladenbau: Schlegel Concepts, Bietigheim-Bissingen; Licht: Larsen Global Light, Oststeinbek). Dreh- und Angelpunkt ist dort eine Indoor-Teststrecke, die auch über eine Brücke führt. Flankiert wird sie von einem Gebirgsschlucht-Panorama und Himmelsmotiven. Diese großen Bilder zeigen den Kunden auf einen Blick in welcher Radfahrwelt – Tour, Mountainbike oder Stadt – sie sich gerade befinden und machen Lust auf Entdeckungstouren. Sie erzeugen das Gefühl von Freiheit, Sportlichkeit und Abenteuer – und das für ganz unterschiedliche Geschmäcker. Passend dazu dient etwa den Moutainbikes ein angesägter Baumstamm als Fahrradständer, während die Rennräder auf einem Laufsteg mit Straßenmotiven im Hintergrund präsentiert werden.



GOOGLE-HAUPTVERRWALTUNG, LONDON. Wer etwas über den Umgang mit Farben, Mustern und Materialien in der Raumgestaltung lernen will, kommt am Google-Hauptquartier in London nicht vorbei. Das Inneneinrichtungs- und Architektur-Studio Penson hat den neuen Europasitz des Internetgiganten als bunte Spielwiese gestaltet. Neun Etagen mit einer Gesamtfläche von 15000m² belegt Google am Central Saint Giles. Dabei sieht kein Raum aus wie der andere. Im Gegensatz zur Gestaltung des Google-Hauptsitzes in Victoria, die unter dem Motto Raumschiff stand, gibt es in London kein übergreifendes Thema. Und so ist ein Gebäude entstanden, das Angestellten und Besuchern ganz besondere visuelle Anreize bietet. Geheime Nischen auf der Dachterrasse, kleine Alkoven mit dick gepolsterten Wänden sowie Aufenthalts- und Bibliotheksräume, die eher an ein Wohnzimmer oder eine Spielwiese erinnern, schaffen eine ganz ungewöhnliche Arbeitsatmosphäre. Die Gestalter setzen dabei auf kräftige Farben und Muster, ergänzt durch Möbelklassiker und Mustertapeten.



PANTONE, SAINT TROPEZ. Wie gestaltet man einen Laden, in dem nur ein Produkt, dieses aber in ganz unterschiedlichen Farben präsentiert wird? Indem das Produkt zur Ladengestaltung an sich wird. Bestes Beispiel dafür ist der Pantone Beachwear-Store in St. Tropez. In dem flächenmäßig sehr kleinen Laden stapeln sich die bunten Badeshorts in hohen weißen Regalen. Sortiert nach Modellen und Farben sind sie die eigentlichen Hingucker. Der Ladenbau, einfache weiße Holzregale, tritt hinter der Farbpalette zurück. Gleichzeitig dient der Laden so auch als Aushängeschild für das Unternehmen Pantone, einen der weltweit größten Anbieter für Farbkarten.



BMW SCHAURÄUME, NEW YORK UND ROM. Dynamik und Freiheitsgedanken – das sollen auch die Showrooms, in denen BMW seine Motorräder präsentiert, vermitteln. So stand die Neugestaltung der weltweiten Schauräume unter dem Motto „Unstoppable". Neben den aktuellen Motorrad-Modellen wurden Präsentationsmöbel und -flächen für Zubehör, Ausrüstung und Bekleidung entwickelt. Dabei setzt die Becc Agency aus München, die für das Konzept verantwortlich zeichnet, auf einen Materialmix: rauhe Betonwände, ein rustikaler Holzboden und weißlackierte Warenträger (System: Visplay). Großflächige Abbildungen machen die Dynamik des Motorradfahrens zusätzlich sichtbar.



SPAR, SALZBURG. Das kontrastreiche Spiel von hell und dunkel lässt sich besonders schön bei Spar in Salzburg beobachten. Der moderne Supermarkt hat im Hauptbahnhof eröffnet. Bei der Gestaltung setzten die Planer von Interstore Design in Naturns vor allem auf Kontraste. Glänzendes Weiß steht im Kontrast zu einer dunklen Deckenhülle, wellenförmige Deckensegel und eine Mittelinsel mit indirekten Beleuchtungsakzenten sorgen für Modernität, und es entsteht eine besondere Raumtiefe. Interessant ist der Laden aber auch wegen der Anordnung der Sortimente. Highlight-Punkte werden so durch glänzendes Weiß und helle Strahler zusätzlich in den Fokus gerückt (Ladenbau: Schweitzer AG, Naturns).



ZOMERS, ROTTERDAM. Der Blick schweift von einer Ecke in die nächste, nur um dann gleich wieder von etwas anderem abgelenkt zu werden. Der Blumenladen Zomers in Rotterdam ist so ein Laden, in dem der Blick des Besuchers niemals zur Ruhe kommt. Der kleine Wohnwagen im Eingangsbereich lädt zur kurzen Pause ein, in einfachen Holzregalen, deren Rückwände mit Spielkarten beklebt sind, werden Vasen und Kerzen präsentiert. Alte Möbel werden zu Warenträgern umfunktioniert. Ein lebendiger Marktplatz, an dem der Kunde, der hinein gekommen ist, um Blumen zu kaufen, bestimmt auch etwas anderes mitnimmt.



DEPOT, ROTTERDAM. Die Ware wird zur eigentlichen Einrichtung. Bei einem Möbelgeschäft wie Depot in Rotterdam ist das natürlich einfacher als bei einem Modegeschäft. Doch trotzdem bietet der Laden viele Anregungen auch für den Modeverkauf. Wände, Boden und Decke sind fast alle Weiß gehalten, einzig eine Wand zeigt ein Schwarz/Weiß-Foto von drei spielenden Mädchen. Ansonsten setzt die Ware Akzente.