Lassen Sie uns das Jahr Revue passieren. Update, Umbau allerorten. Von Aachen über Montreal und Seoul bis Zürich. In nur zwölf Monaten: hunderte neue Läden, von stringenten Monoprodukt-Konzepten bis zu experimentellen Mischformen. Mitunter Hybride zwischen Fashion-Store und Café, Galerie, Community-Space oder Nachtclub. Läden, die zum neuen Geschmack der Kunden passen.
Das sind die Top 10:

Atelier New Regime, Montreal. Orangene Revolution. In der Ukraine gescheitert, in Montreal allerdings ist sie Wirklichkeit – zumindest im übertragenen Sinne. Denn der erste Laden des kanadischen Streetwear-Labels Atelier New Regime ist definitiv revolutionär. Nur eine einzige Farbe prägt die Gestaltung: Knallorange. Kurzerhand haben die Macher einfach alles in ihre Firmenfarbe, ein Bauarbeiterwesten-Orange, getaucht: Decken, Wände, Boden, Warenträger, selbst die Kleiderbügel erstrahlen in Signalfarbe. Alle Möbel von der Verkaufstheke über Tische bis hin zu den Kleiderstangen hat das lokale Designbüro Consult entworfen. Sie alle sind aus robustem, orange angestrichenen Stahl. Selbst den Steckdosen und den Lüftungsausgängen haben die Macher einen Anstrich verpasst. Als i-Tüpfelchen wurden sogar die Frontschaufenster mit dem Farbton bemalt, so dass der Betrachter dem Orange nirgends entkommen kann.

Chanel, Saint Tropez. Chanel, Vorreiter, wenn es um temporäre Stores geht, hat in Saint-Tropez Quartier bezogen. In den Räumlichkeiten des Hotels La Mistralée. Mosaik-Böden und schwarz/weiße Wände mit punktuellen Goldspritzern bilden die Basis des Store-Designs. Ein Counter aus oxidiertem Kupfer und Vintage-Kronleuchter gehören zu den Highlights. Das Gartenzimmer lädt Kunden zum Relaxen ein, während das Pool-Haus dieses Jahr der Schuh-Kollektion gewidmet ist.

Eytys, Stockholm. Die Landhäuser des spanischen Bildhauers Xavier Corbero sind eine architektonische Spielwiese sondergleichen. Ineinander verschachtelte Bogengänge aus rohem Beton, Treppen, die ins Nichts führen, alles aus Glas und Zement. Roh, aber alles andere als kalt oder seelenlos. Ein Paradebeispiel für den Baustil des Brutalismus. Diese Häuser hatten der Eytys-Kreativdirektor Max Schiller und der Innenarchitekt Axel Wannberg im Kopf, als sie im Januar 2016 mit der Planung des neuen Eytys-Ladens begannen. Die Struktur Corberos' Bogengäge greifen sie in den Wandstrukturen auf. Hier bilden Vertiefungen in den Wänden Platz für die Präsentation der Ware. Auch ein Sitzmöbel hat diese Bogenstruktur. Kuramatas Acrylglas findet sich in den schwebenden Regalen aus Glas im Schaufenster wieder.

Gnomo, Valencia. Der Interior-Anbieter hat in Valencia einen neuen Laden eröffnet, der die 80er Jahre feiert. Bunt, verspielt, exentrisch, ohne schrill zu sein. Als unerschöpfliche Inspirationsquelle: Memphis, der Stil der Mailänder Gruppe von Möbel-, Textil und Keramikdesignern rund um Ettore Sottsass. Sie interpretierten Alltagsformen positiv, lustvoll und phantasievoll. So ist auch Unbekümmertheit das Gestaltungs-Credo bei Gnomo. Am offensichtlichsten über Farben: Royalblau, Quietschgelb und Pastelle. Oft großflächig eingesetzt. Weiß als Bühne und Ruhepol, schwarze Gitter als Rahmen. Elementare Formen wie Kegeln, Kugeln, Pyramiden, Bögen und Kuben sorgen für ein geordnetes Chaos.

Homme Plissé Issey Miyake, Tokio. In Tokios exklusivem Stadtteil Daikanyama hat Issey Miyake den ersten Stand-alone-Store für seine neue Menswear-Linie Homme Plissé eröffnet. Der trapezförmige Betonkubus beherbergt zwei Etagen mit einer Verkaufsfläche von je rund 50m². Der in Tokio ansässige Produktdesigner und Innenarchitekt Naoto Fukasawa spielt dort mit dem statischen Baumaterial ganz im Sinne von Issey Miyake. So ließ er dünne, schwarze Stahlbalken unter der offenen Betondecke einziehen. Hingucker zum einen, zum anderen wird an ihnen hängend der Großteil der Kollektion präsentiert. Es soll der Eindruck entstehen, die Kleider würden im Raum schweben.

Maison Kitsuné, Tokio. Es ist die Hoch-Zeit von Slow Retail. Auch der neue Store des Pariser Mode- und Plattenlabels Maison Kitsuné in Tokio gibt sich betont ruhig. Gründer Gildas Loaëc und Masaya Kuroki wollten einen Ruhepol schaffen, ein traditionelles japanisches Haus. Abgeschottet von den lauten Straßen des aufstrebenden Tokioter Daikanyama-Viertels. Entstanden ist eine Symbiose aus Tradition und Moderne. Draußen, hinter dem Haus, ist ein verwunschener Bambuswald angelegt – Balsam für die Augen. Drinnen: funktionale Ästhetik in Perfektion. Zen als Leitidee.  Eine raumfüllende Holzkonstruktion und traditionelle Shoji, aus Bambus gefertigte Gitter, die mit weißem Japanpapier beklebt sind, dominieren die Fläche. Wohlfühl-Charakter wird vor allem durch das natürliche Material Holz geschaffen, das im Store-Design die Hauptrolle spielt: von den Balken im Spitzdach über den hellen Parkettboden, verlegt im Schachbrettmuster, bis zu den Wandvertäfelungen und Lampen. Kleiderständer aus Messing stehen im spannenden Kontrast dazu.

Moschino, Mailand. Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft – wer erinnert sich nicht an die skurrilen Szenen aus dem 80er-Jahre Kultfilm. Dieses Gefühl live erleben kann man seit Juni 2016 auch im neuen Moschino Flaggschiff auf der Mailänder Via Sant' Andrea. Hier hat sich Kreativchef Jeremy Scott ausgelebt und ikonische Moschino-Teile in übergroße Deko-Elemente verwandelt. Hier fällt zuerst ein riesiger Moschino-Schriftzug in 3D ins Auge. Wie ein Zwerg fühlt sich, wer etwas anprobieren möchte. Denn der Eingang zu den Umkleiden ist einer weißen Biker-Lederjacke nachempfunden, durch deren geöffneten Zipper man hindurchgehen kann und so zu den Kabinen gelangt. Zwei riesige schwarze Lederpumps sind Warendisplay und Sitzgelegenheit zugleich. Und die Taschen sowie Teile der Bekleidung werden in übergroßen Moschino-Shoppern präsentiert.

No21, Mailand. Was ist echt? Was bloß eine Spiegelung? Schwer zu sagen im neuen Womenswear-Store des italienischen Luxus-Labels No 21. Er gleicht einem Spiegelkabinett, gar einem verspiegelten Irrgarten, wie man ihn vom Jahrmarkt kennt. Durch die Anordnung der Spiegel vervielfältigen sich die Räume, die Kleiderstangen und Regale ins Unendliche. Gleichermaßen eine anregende Erfahrung für die Kunden sowie eine geschickte Lösung, die kleine Fläche von gerade mal 120m² optisch zu vergrößern.

Red Valentino, Rom. Die junge Valentino-Linie hat in Rom sein neues Ladendesign vorgestellt. Im Flaggschiff im Künstlerviertel Campo Marzio ist eine Mädchenwelt par excellence entstanden. Rosétönen und runde Formen prägen die Fläche, unterstrichen von Marmor- und Messing-Elementen. Der auffällige Terrazzofußboden mit beigen und roséfarbenen runden Marmorintarsien ist der Blickfänger der Fläche. Eine Wand, verkleidet mit hochglänzenden rosa Kacheln, markiert der Eingang zu den Umkleiden. Ein Durchgangszimmer ist komplett mit hellrosa Wandbespannung verziert. Entworfen hat das Design die Pariser Architektin India Mahdavi.

The Storey, München. Die KaDeWe Group lancierte Ende Oktober mit The Storey ein überraschendes Urbanwear-Konzept bei Oberpollinger in München. Ein gesteuerter Clash der Kulturen: Auf 2000m² ist ein Concept-Store mit einem eigenen Namen entstanden, der sich im Sortiment und im Auftritt vom Rest des Münchener Traditionshauses deutlich absetzt. Der Raum: dunkel, clean, industriell. Unverputzte Betonsäulen und freigelegte Rohre an der Decke. Ein bisschen wie in einem hippen Nachtclub. Im Mittelpunkt: die große, verspiegelte Schuh- und Sneaker-Area.