Und noch ein Pop up-Store, könnte man jetzt schnaubend feststellen. Gefühlt der Hundertste. Wahrscheinlich sind es tatsächlich hunderte. Während der Fashion Week in Berlin sind temporäre Läden aus dem Boden geschossen wie Pilze. Klar, die besonderen Locations sind da, das besondere Publikum auch. Mehr Marketing geht nicht. Während die meisten Eindrücke schnell verpuffen, bleibt uns ein Store gut in Erinnerung.

Das Züricher Taschenlabel Qwstion ist für zwei Monate in eine ehemalige Bäckerei gezogen. Ein historisches Gebäude von 1878, eine architektonische Perle, in der zwischenzeitlich eine HNO-Praxis beherbergt war. Mit einfachen Mitteln hat das Schweizer Designstudio Aeberhard/Kaegi (Aekae) in Zusammenarbeit mit Art Direktor Matthias Graf und dem Fotografen Urs Bigler das 70m² große Ladenlokal transformiert. Teilweise geflieste Flächen, unverputzte Wände und Durchbrüche bilden die Bühne für atmosphärische Bildwelten. Das Interieur spielt ebenfalls mit dem Reiz des Vergänglichen. Schlichte Rahmen-Module wurden mit schwarzem Textilband eingepackt und bilden so eine zurückgenommene Präsentationsfläche für Produkte. Für flexible und multioptionale Warenpräsentationen kommen die Systeme Cage und Autopole des POS-Spezialisten Alu zum Einsatz.

Neben dem Ladendesign besticht das Konzept mit kreativer Sortimentspolitik: Unter dem Motto „Qwstion invites…“ werden nicht nur die Taschen der Schweizer gezeigt, sondern auch Produkte befreundeter, gleichgesinnter Brands, darunter Schuhe des Berliner Labels Velt, das mit seiner Debüt-Kollektion im vergangenen Jahr den Eidgenössischen Preis für Design 2013 gewann. Auch die Möbel der ebenfalls aus Berlin stammenden Designschmiede Mykilos und die aerodynamischen Schirme von Senz6 werden in dem Pop up-Store gezeigt sowie die zeitlose Mens- und Womenswear des Berliner Labels Frisur.

Damit liegt Qwstion voll im Trend. Monolabel-Stores nehmen vermehrt Fremdmarken mit ins Sortiment, um Kunden mit einem kuratierten Angebot zu locken: Cos (Superga), Hollister (Keds), Oysho (Adidas Neo), &other Sories (Nike), Opening Ceremony (Aesop), Closed (Officine Creative). Inspiration und Überraschung. Quality Time und ein auf die Zielgruppe ausgerichtetes Sortiment statt Hardselling und Marketing-Mania. Von diesen Konzepten könnte es mehr geben. Auch hunderte.