Mehr Frauen, weniger Schauen. So sah, es ganz banal gesprochen bei den zurückliegenden Menswear-Schauen in Mailand aus. Mit ganz anderen Problemen hatten die Menswear-Designer in Paris zu kämpfen. Parallel zur Fußball-EM stattfindend, war die Sicherheit der Besucher ein großes Thema. Schauenorte wurden erst gar nicht veröffentlicht. Und in der Berichterstattung der Publikumsmedien rückte man etwas in den Hintergrund.

Dabei gab es auch in diesem Jahr neben den stark von Sport, Freizeit und Reisen inspirierten Looks wieder ausgesprochen anziehende Inszenierungen. In ganz großem Stil mit architektonisch bis technischen Aufbauten wie bei Prada und Dior oder künstlerisch, edgy wie bei Carven. Dafür, dass auch der Spaß nicht zu kurz kam, sorgte Thom Browne für Moncler Gamme Bleu. Fünf Inszenierungen, die von der Menswear-Schauenrunde für Frühjahr/Sommer 2017 in Erinnerung bleiben.



1. Prada. Sehr psychedelisch. Fast wie in Trance lässt Prada ultramoderne Globetrotter mit Rucksäcken auf den Rücken über einen Catwalk aus Metallgittern laufen. Garantiert nichts für Models mit Höhenangst, aber sehr beeindruckend anzusehen. AMO, das zum Architekturbüro von Rem Kolhaas gehörende Designstudio, hat das Setting in den Räumlichkeiten der Fondazione Prada in Mailand kreiert. Über schier endlos wirkende schiefe Ebenen schrauben sich die Model gemessenen Schrittes nach oben. Die farbige Unterleuchtung schafft es, in die ansonsten cleane, nüchterne Atmosphäre ein bisschen Disco-Glamour zu bringen.





2. Etro. Sehnen wir uns in politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht alle nach ein wenig Harmonie und heiler Welt? Etro bringt eine Show auf den Catwalk, die nicht unbedingt spektakulär ist, aber bei den Zuschauern definitiv für good Vibrations sorgt. Unter den Models: Junge, Alte, der Ehemann von Womenswear-Designerin Veronica Etro, zwei ihrer Neffen – und ein Hund. „Es ist wie ein Treffen von Freunden, wir wollten sie mit all ihren kleinen Unzulänglichkeiten zeigen und, dass sie sich wohl fühlen, in dem, was sie tragen, sagte Menswear-Chef Kean Etro vor der Show. Eine riesige Projektion von Meer und Strandszenen unterstreichen den Anspruch: Tag am Meer.





3. Moncler Gamme Bleu.
Thom Browne ist schon so etwas wie der Meister der Inszenierung unter den internationalen Designern, egal ob für seine eigene Linie oder für Moncler Gamme Bleu. Er polarisiert zweifelsohne stark, aber wer einmal eine seiner sorgfältig choreografierten Schauen gesehen hat, vergisst sie nicht. In diesem Jahr bringt der US-Amerikaner für Moncler Gamme Bleu nicht nur in die Kollektion, sondern auch in die Inszenierung, die fast schon einem kleinen Theaterstück gleicht, eine gehörige Portion Americana und Witz. Das Setting: Rasen, ein Tannenwald und viele kleine weiße Zelte. Zwei als Bären ver- und wie Boyscouts bekleidete Models laufen auf und ab, löschen Feuer und befreien schließlich die Models aus ihren riesigen schlafsackartigen Anoraks, die sich dann in Bewegung setzen. Eine perfekt auf die Kollektion abgestimmte Inszenierung.





4. Carven. Tänzer statt Models. Carvens Creative Director Barnabé Hardy wählt für seine Schau in Paris, die eher an eine Tanz Performance als an eine traditionelle Fashion Show erinnert, einen ungewöhnlichen Ansatz. Das Künstlerduo „I could never be a  dancer“ hat eine Choreografie entwickelt, die sich rund um eine Installation aus stretchigen Textilbändern abspielt. Die Zuschauer stehen ganz nah dran, sind fast schon Teil des Geschehens.





5. Dior. Inspiration Rummelplatz. Man muss schon den Background von Menswear-Designer Kris Van Assche kennen, um die Kulisse zu verstehen, die er für seine Schau aufgebaut hat. Spektakulär ist sie allemal. Die Models laufen um eine Installation aus Kurven, Loopings und bunten Lichtern, die an eine Achterbahn erinnert. Es ist die Atmosphäre des Sinksenfoor Jahrmarkts in Antwerpen, die der gebürtige Belgier in seiner Schau vermitteln will. Nichts wurde dabei dem Zufall überlassen. Das Licht soll die Abenddämmerung auf dem Rummelplatz vermitteln, Electro-Beats ertönen aus verschiedenen Richtungen und prallen aufeinander. Mittendrin: die Gäste, so als hätten sie sich wie Teenager-Gruppen spontan getroffen.