Es müssen nicht immer das obligatorische Blütenmeer, die Strandbar mit Sand – daneben noch eine Figurine mit Surfboard unterm Arm – oder ein üppiger Blätterwald sein, um eine Geschichte im Schaufenster zu erzählen. Es geht auch einfacher. Zum Beispiel mit Comic-Art. In den Fenstern bei Hettlage Fashion in Recklinghausen kann man zurzeit schon von weitem erkennen, wie das aussieht. Großflächige Comic-Diastreifen, die im Stil des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Roy Fox Lichtenstein gestaltet wurden, zieren die Rückwände der Schaufenster. So werden Botschaften wie „Du, die haben jetzt auch Cambio-Hosen im Sortiment“ oder „Ja, Schatz! Und ich bekomme immer 3% Sofort-Rabatt“ plakativ und charmant verpackt.

„Wir wollten einfach nicht so kleinteilig in den Schaufenstern werden, sondern etwas präsentieren, das die Kunden auch schon von weitem sehen können", sagt Heidi Adam von Hettlage. Auf die Idee des im 50er Jahre Stil angehauchten Comics sei man aufgrund der vielen Farben im Sortiment gekommen. „Dieser Farbexplosion auf der Fläche wollten wir gerecht werden. Die Rückwände im Pop-Art-Comic-Stil als Bühne für die Kollektionen erschienen uns da genau richtig“, so Adam. Positives Feedback gab es bei Hettlage vor allen Dingen von den Kunden. Auch bei Harrods ist Pop-Art ein Thema. In einem Schaufenster sieht man wie eine Marilyn-Figur den berühmten Siebdruck mit dem Konterfei der Hollywood-Legende von Andy Warhol, betrachtet.

Juliette und Louis — so heißen die Protagonisten von „The Hugo Boss Love Story“, die bis vor kurzem noch in den Schaufenstern des Pariser Flagship-Stores von Hugo Boss zu sehen waren. Vom ersten Treffen über das erste Rendezvous bis hin zu gemeinsamen Spaziergängen durch die Cité de l'amour. Umgesetzt und realisiert wurde das Kommunikationskonzept von der Stuttgarter Marken-Kommunikationsagentur Liganova. Selfridges in London geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Comic-Figuren sind nicht auf der Rückwand aufgezeichnet, sondern stehen als Pappfiguren mitten in den Schaufenstern.

Ob nun aufgesprüht, aufgestellt oder aufgemalt. Comics im Schaufenster wirken wie Magnete. Ulrike Schmelz von der Agentur für Markenkommunikation dfrost in Stuttgart weiß warum: „Comics wecken Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit mit bunten Bildwelten in einer modernen Welt. Zudem ist die Sehnsucht nach plakativer Einfachheit in einer Welt mit ständiger Reizüberflutung groß.“ Auch eines der wichtigsten Themen in der Mode, Farbe, entspräche dem Comicstil und könne grafisch einfach umgesetzt werden. Weitere Vorteile von Comic-Art in den Schaufenstern sind nach Schmelz die „direkte Ansprache des Konsumenten mit Text, kurzen Sätzen“ sowie die relativ „günstige Produktion“.