Mit königlichem Pomp und Prunk wird knapp zwei Monate vor dem internationalen Großereignis Olympische Spiele vom 2. bis 5. Juni das 60. Thronjubiläum von Elizabeth II. begangen. Es wird eines der größten Spektakel sein, die in London je veranstaltet wurden, und die ganze Nation feiert mit.

Harrods
Harrods
Den Briten wird ein langes Jubilee-Wochenende beschert, denn der Feiertag von Ende Mai wurde auf Montag, den 4. Juni, verlegt und für Dienstag, den 5. Juni, gibt es einen zusätzlichen Jubiläums-Feiertag. Im Jahr ihres diamantenen Jubiläums erlebt die Queen einen regelrechten Popularitätsschub.  Nach einer jüngsten Umfrage sind 80% der Briten für die Beibehaltung der Monarchie. Eine Rekordquote, die das Umfrageinstitut Ipsos Mori auch in Zusammenhang mit der Berichterstattung zur königlichen Hochzeit im vergangenen Jahr und zum Thronjubiläum in diesem Jahr sieht. Im ganzen Land sind über das Wochenende mehr als 10.000 Straßen-Partys geplant, immerhin doppelt so viele wie zur Hochzeit von William und Kate im vergangenen Jahr. „40% unserer Kunden wollen das Jubiläum der Queen auf eine besondere Art und Weise feiern,“ so Marc Bolland, Chief Executive von Marks & Spencer. Das habe eine Umfrage des Unternehmens, das rd. 21 Millionen Kunden pro Woche in seinen Stores zählt, ergeben.

Oxford Street zeigt Flagge

Einen Vorgeschmack darauf bekommt man in London schon seit Wochen. Die Oxford Street im Londoner West End zeigt Flagge. Die weltberühmte Einkaufsstraße, die  von mehr als 100 Millionen Kunden aus über 200 Ländern besucht wird und über 2 Mrd. Pfund jährlich zur britischen Wirtschaft beiträgt, hat 147 Union Jack-Flaggen gehisst. Harold Tillman, Chairman des British Fashion Council, gab zusammen mit Model Jasmine Guinness grünes Licht für das Display, mit dem auch die Mode und das Handwerk des Landes gefeiert werden sollen.

147mal Union Jack an der Oxford Street. Foto: Neil Hurley
147mal Union Jack an der Oxford Street. Foto: Neil Hurley
Das Flaggen-Meer setzt sich nicht nur in Regent Street, Bond Street und Piccadilly fort, sondern auch in  unzähligen Schaufenstern und Läden. Der Einzelhandel, der angesichts der Konjunkturflaute wenig zu lachen hat, hofft auf Nachfrageimpulse. Vor allem darauf, dass die Konsumenten  an den Feiertagen, an denen die Läden durchweg zwischen 10 und 18 Uhr öffnen, auch noch Lust aufs Shoppen haben. Anreize dazu gibt es in Hülle und Fülle. Abgesehen von den mehr oder weniger geschmackvollen Merchandise-Produkten und billigen Massenartikeln, die es an jeder Straßenecke gibt, feiern die großen Department Stores das royale Jubiläum mit spektakulären Aktionen und Schaufensterdekorationen, die ihresgleichen suchen.

Harvey Nichols wird zur Highstreet

Im schicken Einkaufsviertel Knightsbridge fühlt man sich in die fünfziger Jahre versetzt. Der feine, kleine Department Store Harvey Nichols hat seine Fassade in Erinnerung an 60 Jahre erfolgreichen britischen Einzelhandel in eine klassische High Street verwandelt. Eine  ambitionierte Installation mit Shops und Boutiquen, wie man sie während der Regentschaft der Queen gesehen hat. Und alle Shops mit dem Charme der guten alten Zeit sind gefüllt mit den Must-haves dieser Saison.

Harvey Nichols/ Foto: Neil Hurley
Harvey Nichols/ Foto: Neil Hurley


„Wir wollten unseren Fenstern ein Vintage-Feeling als Tribut an die Ära der Krönung der Queen geben“, so Janet Wardley, Head of Visual Display bei Harvey Nichols. Die Inspiration für die Shops kam von den Trends  dieser Saison: Pastells für den Bonbon-Laden, Florales für den Blumenladen, Früchte- und Gemüseprints für den Gemüseladen und schuppenartige Pailletten und Spitzendetails für das Fischgeschäft.

Kronen bei Harrods

Einige hundert Meter weiter sind die Schaufenster des Luxus-Kaufhauses Harrods der Publikums-Magnet. Passanten drücken sich die Nasen platt an den Fenstern, in denen 31 Kronen präsentiert werden, die von 31 führenden Designermarken dieser Welt entworfen wurden. Sir Paul Smith, bekannt für seinen Witz und Humor, hat seiner Krone auch noch einen Corgi aufgesetzt, eine Reminiszenz an die Lieblingshunde der Queen.

Paul Smith bei Harrods/ Foto: Neil Hurley
Paul Smith bei Harrods/ Foto: Neil Hurley


Daneben großer Auftritt für Abendroben von Designern wie Erdem, Marchesa, Valentino, Nina Ricci, Jenny Packham, Elie Saab, Carolina Herrera, Ralph & Russo und Roberto Cavalli. Marigay McKee, Harrods’ Chief Merchant, verrät denn auch, dass sie zur Jubiläums-Party in ihrem Haus ein rot-weiß-blaues Kleid von Marc by Marc Jacobs tragen wird, zu dem sie eine Union Jack Clutch hat. Klar, dass sich ihre Gäste zum feierlichen Lunch schick anziehen. Auswahl dafür gibt es reichlich in Harrods’ Designer-Abteilung.

Big Bang bei Selfridges

Unter dem Motto „The Big British Bang“ hat Selfridges am 4. Mai das wohl größte Display von Retail-Theater und In-Store Entertainment in seiner 103-jährigen Geschichte gelauncht, das vom Thronjubiläum in Olympia übergeht und bis Ende August läuft. Generalstabmäßig sind die vielen Aktivitäten geplant, die die Kunden gar nicht mehr aus dem Staunen herauskommen lassen. Eingestimmt wird mit Szenen in den Fenstern, die mit einer guten Portion Humor gewürzt sind. Royalty trifft auf Rebellion, Bauarbeiter bei der Tea-Party, die britische High Street in Miniaturausgabe. Im Store gibt es nicht nur einen Tiara Shop mit Diademen zwischen 14,99 Pfund (H&M) und 52.000 Pfund (Tiffany), sondern auch einen Queen Shop mit Produkten im authentischen Look der Königin – der Launer Handtasche, dem Fulton Schirm und den Handschuhen von Dents.

Selfridges/ Foto: Neil Hurley
Selfridges/ Foto: Neil Hurley


Mode der fünfziger Jahre findet der Besucher in der Ultralounge. In der Ausstellung Britannica 1951-1953 wirft Kuratorin Judith Clark ein Licht auf die Mode der Nachkriegsjahre. Und wer noch unschlüssig ist, wie er das Jubiläum feiert, kann sich bei Selfridges im Erdgeschoss Anregungen holen. Dort biegt sich in einer imaginären Elizabeth Street eine lange Tafel mit allem, was man für ein fröhliches Fest so braucht.

Wildes bei Liberty

„Wild Nature“ ist das Thema der Kollaboration zwischen Liberty und Dr. Martens, bei der sich die Stile beider Marken mischen und Liberty Prints auf traditionellen Boots blühen.

Liberty/ Foto: Neil Hurley
Liberty/ Foto: Neil Hurley


Die Händler in der Metropole hoffen jedenfalls, dass sich ihr patriotisches Engagement für sie auszahlt. Ob das Jubiläum ähnliche Impulse gibt wie die königliche Hochzeit im vergangenen Jahr, muss sich erst noch zeigen. Die soll dem Handel 527 Mill. Pfund in die Kassen gespült haben. Die Marktforscher von Mintel schätzen zudem, dass der Kate-Effekt der britischen Wirtschaft zusätzliche Einnahmen von 1 Mrd. Pfund alleine im vergangenen Jahr gebracht hat. Die Illusion, sich ein kleines Stück märchenhaften Lebensstil zu kaufen, habe in kargen Zeiten einen besonderen Reiz.