Eigentlich sind Modenschauen mittlerweile unnötig. Das dachte sich zumindest Tom Ford, der in diesem Jahr zum ersten Mal auf eine Catwalk-Show verzichtete und stattdessen ein Video der Kollektion auf seiner Homepage zeigte. Doch irgendwie war es trotzdem nicht dasselbe. Keine Promis in der Front Row, keine Selfies, keine Streetlooks. Obwohl ja jeder die Kollektion sehen konnte.

Mehr Aufmerksamkeit hatte da schon die Show von Chanel. Ein ganzer Flughafen und die Chanel Airlines wurden erschaffen, im Netz unzählige Posts, Likes, Kommentare. „Er ist ein Genie!!!“ hieß es da oder auch „Great!!! I love Karl!!!". Vielleicht ein bisschen abgehoben, so ein Aufriss für wenige Minuten. Doch die Presse war ihm sicher. Nicht nur deswegen haben Schauen ihre Berechtigung. Es geht um mehr als nur um Kleidung. Das zeigen auch ganz deutlich andere Präsentationen. Von Moschino bis Thom Browne – das waren die fünf besten Inszenierungen der internationalen Schauenrunde:

Gallery: Moschino

Moschino. Während andere Designer sich Inspiration aus der Kunst oder Architektur holen, schlägt Jeremy Scotts Herz für ganz Banales. McDonalds, Spongebob, Barbie. Irgendwann hat er wohl auch mal sein Auto gewaschen. Und er hatte bestimmt Spaß dabei. Denn die aktuelle Inszenierung stand ganz unter dem Motto „Car Wash“. Auf dem Laufsteg war eine komplette Auto-Waschanlage aufgebaut, unter der die Models hindurchspazierten. Dazu lief – wie sollte es auch anders sein – der Song Car Wash. Dazu: Verkehrsschilder, Pylone, Absperrgitter, Leuchtschrift. Aus der Waschanlage kamen Seifenblasen statt Wasser. Die Models trugen Kleider im Absperrband-Style, oder Verkehrsschilder-Look. Die Accessoires waren Putzmittel-Sprühflaschen und Waschmittel-Taschen. Eine Präsentation, die sich gewaschen hat.

Gallery: Chalayan

Chalayan. Es begann zunächst ganz unspektakulär. Models liefen wie auf jeder anderen Show über den Laufsteg. Einzige Besonderheit: In der Mitte standen zwei Frauen mit weißen Papiermänteln unter einem Baldachin, die aber zunächst unbeachtet blieben. Inmitten der Show rieselte plötzlich Wasser aus dem Baldachin herab. Die Models fingen an, sich zu verwandeln. Das Wasser löste das Papier auf und zum Vorschein kamen zwei Kleider, die sich erst mit Wirkung des Wassers voll entfalteten. Die Models traten dann heraus und zogen auf ihrem Walk eine tropfnasse Spur hinter sich her. Das Publikum hielt die Luft an, als die nachfolgenden Models mit Highheels über den klitschnassen Boden stolzierten.

Gallery: Chanel

Chanel. Karl hat mal wieder den Vogel abgeschossen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn für die Chanel- Show kreierte er eine eigene Airline. Die Fluglinie mit Namen „Chanel Airlines“ bildete die Kulisse für die Models, die als Passagiere mit Rollkoffern über das Chanel-Flughafengelände liefen. An der Gepäckabfertigung saß das Bodenpersonal in Chanel-Uniform, sogar eine Chanel-Anzeigentafel gab es. Als Highlight kam Karl am Ende der Show durch das Gate N° 5 gelaufen und wurde von Cara Delevingne und einem kleinen Jungen herzlich in Empfang genommen.

Gallery: Thom Browne

Thow Browne. Er ist ein Meister der Inszenierung – das hat Browne zuletzt in seinen Läden und Pop-ups weltweit unter Beweis gestellt. Und auch in seiner Show zeigt er, wie er die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Das Set seiner Präsentation bestand aus einem hölzernen Haus, das unverkennbar an ein japanisches Teehaus erinnert. Die Models drehten zunächst eine Runde um das Holzgestell, ehe sie im Innern auf Stühlen Platz nahmen. Die Kulisse unterstrich perfekt die Kollektion, die ebenfalls unzählige japanische Motive von der Kirschblüte bis zum Mount Fuji, schmückten.

Gallery: Rick Owens

Rick Owens. Ein kahles, graues Gebäude. Nur Stahl und Beton. Die Kulisse der diesjährigen Rick Owens-Show war eher durchschnittlich. Trotzdem zählt seine Präsentation zu den Highlights in Sachen Inszenierung in dieser Saison. Denn was Owens da über den Laufsteg schickte, sorgte durchweg für Kontroversen. Weibliche Models trugen andere Models mit einer Vorrichtung aus Bändern um sich geschnallt. Menschliche Rucksäcke sozusagen. Manche sahen darin die Degradierung der Frau als Accessoire. Andere werteten den Auftritt als Hommage an die Stärke des weiblichen Geschlechts. Spindeldünne Models jedenfalls suchte man vergeblich, hatten die Damen doch einiges zu schultern. Begleitet wurde alles von dramatischer Musik, live gesungen von der britischen Sängerin Eska. Eine Show, die sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird.