Drucke, Neonfarben, Camouflage-Prints, Batikelemente, Blümchenmuster – die Modemessen in Berlin haben gezeigt, wohin es modisch im Frühjahr/Sommer 2013 geht. Jetzt sind die Visual Merchandiser gefordert. Sie müssen passend zu diesen Trends Präsentationskonzepte entwickeln. Keine leichte Aufgabe in dieser Saison.

Drucke sind das vorherrschende Thema – gerne auch allover. Dabei bedienen sich die Designer munter bei ganz verschiedenen Stilrichtungen. Camouflage trifft auf Leo- und Zebra-Prints, klassische Muster werden verfremdet und neu gemischt. Blümchen, grafische Muster oder auch mal einzelne Figuren finden sich auf Blusen, Kleidern, Jacken und Hosen. Und auch das Farbthema läuft weiter. Neon ist noch lange nicht durch, und die jetzt im Herbst vorherrschenden Gewürztöne werden im Frühjahr von Sorbetfarben und Eispastellen abgelöst.

Das Sortiment, das sich angesichts der vielen Muster, Farben und Kombinationen abzeichnet, hat also alles andere als eine einheitliche Linie. Dementsprechend wird die Warenpräsentation im Frühjahr/Sommer 2013 eine große Herausforderung. Wie gehen Visual Merchandiser die Saison an?

Kirsten Grundmann, C&A

„Muster sind prinzipiell schwierig zu präsentieren. Um so wilder die Mode wird, um so ruhiger muss die Fenstergestaltung sein. Es soll ja kein Suchbild entstehen. Wir werden also eine eher neutrale Bühne schaffen, auf der dann die Looks im Vordergrund stehen. Bei Mustern kann man natürlich so weit gehen, dass man etwa das Muster einer Hose in der Tapete an der Rückwand aufgreift. Dieser Camouflage-Effekt bietet sich allerdings nur bei sehr wenig Ware im Fenster an.

Nadine Frommer, dfrost

„Muster-Mix soll Spaß machen! Das heißt die Ware und der Muster-Mix sollen für sich selbst sprechen, das geht am besten, wenn die Schaufenster klar und einfach gehalten sind. So lässt sich das Trendthema am Look betonen. Der Kunde soll schnell und einfach über den Trend informiert werden und die Kombinationen sofort verstehen. Die Zeiten von verspielten, dekorierten Schaufenstern und Warenpräsentationen sind vorbei! Auf den Schauen in London, Mailand und Paris kann man sehr gut Trends und Tendenzen nicht nur in der Mode, sondern auch für Schaufenster und Warenpräsentation sehen."

Ramona Ficht-Broermann, Comma

„Bei uns steht Frühjahr/Sommer 2013 unter dem Motto "Colour meets Print". Ich finde die neuen Modetrends haben auch viel mit Kunst zu tun. Wir vom Visual Merchandising verstehen uns als Übersetzer der Künstler. Für das, was sich die Designer bei der Entwicklung der Kollektion gedacht haben, schaffen wir für unsere Kundin eine Bühne, auf der wir durch unser VM verschiedene Varianten präsentieren. Die Warenpräsentation muss klar und deutlich sein, der Kunde muss die Looks und Trends verstehen. Frühjahr/Sommer 2013 ist dabei etwas schwieriger als andere Saisons. Das Warenbild ist schon allein so abwechslungsreich, dass das Auge kaum mal ruht. Die Schaufenster werden wir deswegen eher grafisch gestalten, allerdings immer mit einer femininen Note. Bei den vielen Prints bieten sich Spiegeleffekte und der Einsatz von Glas an. Das ist ein starker Gegensatz zum bisherigen Wild-Romantic-Look. Das Thema Cross-dressing, das sich auch in den Kollektionen zeigt, werden wir auch in der Schaufenstergestaltung durch Material-Mix aufgreifen."

Aline Käfer, Liganova

Der richtige Umgang mit dem Muster-Mix ist die Königsdisziplin des Stylings. Verschiedene Prints und Fabrics zu kombinieren heißt, für den Visual Merchandiser vor allem stilsicher und mit geschultem Auge zu arbeiten. Die Herausforderung besteht hier sicher darin, durch eine gute Mischung vieler unterschiedlicher Elemente, deren Styles, Formen und Farben einen neuen, in sich stimmigen Look zu schaffen. Helles Gelb, Grüntöne wie Jade und Olive werden mit kräftigem Rot, Peony und Ink kombiniert. Auf Nude-Töne in sämtlichen Facetten dürfen wir uns auch 2013 wieder freuen.
Wichtig bei der Entwicklung eines Schaufensterkonzeptes ist aber auch, sich von bestehenden Trend-Styles und modischen Richtlinien zu lösen und ein Schaufensterdesign zu gestalten, welches relativ unabhängig von der Modeentwicklung ist, aber dennoch der Marke und dem Kunden entsprechend inszeniert wird. Die aktuelle Entwicklung zum Muster-, Farben- und Stilmix wird natürlich, trotz jeglicher kreativer Freiheit, in die Kreation einbezogen und ist eine Herausforderung, die ich 2013 gerne annehme.