Sie sollen faszinieren, überraschen und Kunden anziehen – Schaufensterfiguren sind längst mehr als nur reglose Kleiderständer. In Zeiten immer stärker werdender Online-Konkurrenz sollen sie Emotionen wecken und den Spirit eines Unternehmens ins Schaufenster und auf die Fläche bringen. Die gleiche Figur wie der Nachbar in der Fußgänger-Zone? Das ist inzwischen der Gau im Modehandel. Individualisierung und Customizing sind deshalb für die Anbieter von Display Mannequins das Gebot der Stunde. Das zeigte sich auch in der Figuren-Halle 4 auf der diesjährigen EuroShop. Bei aller Individualisierung zeichnen sich aber auch einige massentaugliche Trend-Themen ab.

Die neuen Display Mannequins sind nicht mehr ganz so schlicht und cool wie in der Vergangenheit. Schlanke, grazile Formen haben Konjunktur, dynamische – fast schon bewegte – Posen spielen eine große Rolle, und es ist wieder mehr Haare und aufwendiges Make-up zu sehen. Am auffälligsten ist die Vielfalt der Oberflächengestaltungen: Holz, Stoff, Leder und allen voran Metallics. Das sind die Trendthemen, die sich auf der Messe entpuppt haben.

Gallery: Metallisch



Metallisch. Kupfer kommt. Das rötlich glänzende Metall ist schon im vergangenen Jahr zum Top-Trend im Bereich Interior Design avanciert. Jetzt kommt die Trendfarbe der 70er Jahre auch bei den Schaufensterfiguren. Sowohl hochglänzend als auch matt, allover oder nur am Kopf. Aber auch Finishes in Gold, Messing, Silber und Nickel waren an vielen Ständen zu sehen. Gerne in Kombination mit Display Mannequins im Stil der Roaring Twenties, die sowohl Genesis als auch Hans Boodt und CNL Mannequins gezeigt haben.

Gallery: Bewegt



Bewegt. Vom stramm stehenden, stummen Verkäufer haben die modernen Schaufensterfiguren nicht mehr viel. Sitzend, tanzend, knieend, sich umarmend – die Zahl der Posen scheint unendlich. Sie sind vor allem eines: ausdrucksstark. Bewegung zieht Blicke an. Das ist zwar eine alte Weisheit, aber ihre Bedeutung steigt wieder.

Gallery: Mit Haar und Make-up



Mit Haar und Make-up. Man muss schon zweimal hinschauen, so natürlich wirken manche Display Mannequins. Bei der liebevoll gestalteten Kinderfiguren-Serie bei Hans Boodt und den rockigen Ladys bei Genesis stimmt jedes Detail – von der Sommersprosse bis zur schwarzen Langhaar-Mähne. Aber auch abstraktere Typen machen mit Haaren und Make-up eine gute Figur. Die grazilen Models mit den großen Kulleraugen von Hans Boodt erinnern an Manga-Figuren oder Porzellanpuppen. La Rosa hat eine  anmutige Figurenserie mit Make-up und Perücke entwickelt, die ganz in der Tradition kühler Hollywood-Schönheiten vergangener Zeiten steht.

Gallery: Grazil



Grazil. Die durchschnittliche weibliche Schaufensterfigur trägt Größe 36, zumindest in Deutschland. Auf der Messe waren aber auch noch deutlich graziler wirkende Figuren zu sehen. Diese zeichnen sich nicht nur durch ihre schlanken Silhouetten aus, sondern auch durch ihre zum Teil überlangen, Hälse und filigranen Gliedmaßen.

Gallery: Neue Oberflächen



Neue Oberflächen. Bei den Oberflächen tut sich was. Dass es bei der Figurengestaltung deutlich mehr als nur Weiß, Schwarz und Hautfarbe gibt, haben die Aussteller auf der diesjährigen EuroShop eindrucksvoll uner Beweis gestellt. Neben Metall sind Vintage-Oberflächen aus kernigem Stoff wie bei Eurodisplay und Genesis ein Thema mit Potenzial. Die bei IDW gezeigten Beton- und Pappmaché-Optiken eignen sich vor allem für junge Sortimente. Das wohl ungewöhnlichste Material verwendet Moch für eine mit Baumrinde bezogene Figur. Rindentuch ist bereits in der Möbelindustrie im Einsatz, kommt aus Afrika und wird im Rahmen eines Unesco-Projektes gefördert.