Fast jede Woche ist es das gleiche Bild: Der Footfall-Index zeigt nach unten. Immer weniger Besucher sind im deutschen Einzelhandel unterwegs. Weniger Besucher muss zwar nicht zwangsläufig weniger Umsatz bedeuten, doch trotzdem lassen sich die Händler einiges einfallen, um die Frequenz zu steigern. Mailings, Einladungen zu Late-Night-Shopping und Modenschauen, Rabattaktionen oder die Teilnahme an verkaufsoffenen Sonntagen nutzen die Händler, um mehr Besucher in ihre Läden zu locken. Dabei präsentieren die Händler immer wieder neue Ideen:

Atelierluft schnuppern in den Galeries Lafayette

Im April animiert das Thema „Made in Mode“ das Pariser Warenhaus: In den Fenstern zeigen Fotos bekannte Designer beim Arbeiten in ihren  Ateliers, drinnen treffen Kunden auf Kreative und Handwerker der Modewelt  (Handschuhmacher, Sticker etc). Man kann seine Initialen auf einen Parfüm-Flakon von Guerlain gravieren, sich in der Ego-Box der Marke Maje fotografieren oder vor Ort eine freche „Fliege“, ein originelles Schmuckstück oder auch ein süßes Macaron konfektionieren lassen. Für die Aktion wirbt unter anderem Jean Paul Galutier.

Frequenz mit Autogrammen

Der Modehändler Ramelow in Heide lockte die Kunden mit einem Promi in seine Filiale in Heide. Gemeinsam mit dem Lieferanten Gelco und dessen Testimonial Barbara Wussow wurde eine Modenschau mit anschließender Autogramm-Stunde veranstaltet. 400 Gäste kamen, um die aktuelle Gelco-Kollektion zu sehen. Geschäftsführer Marc Ramelow nennt die Resonanz „sehr gut“. Lieferantenaktionen seien eher die Ausnahme, stärker seien eigene Events wie Late Night Shoppings.

Gutschein für alte Badehose

Der Beachwear-Filialist Calzedonia hat ebenfalls eine, in diesem Fall europaweite, Rückgabe-Aktion gestartet. Vom 1. April bis zum 30. Juni bekommen Kunden jeweils Gutscheine im Wert von 5 Euro für die Abgabe eines alten Damen-Bikinis, 3 Euro für eine alte Herren-Badehose und 2 Euro für eine alte Kinder-Badehose. Abgewickelt wird das Recycling von der I:Collect AG, die auch bereits in Deutschland ähnliche Initiativen gemeinsam mit den Modefilialisten Adler, Minit und Vögele Shoes durchgeführt hat. Im vergangenen Herbst hatte das zum Calzedonia-Konzern gehörende Schwesterlabel Intimissimi bereits eine ähnliche Aktion durchgeführt, unter anderem auch in Polen und Österreich.

Der Laden als Spielwiese

Mit Instore Gaming holt Walmart Kunden in den USA in die Stores. Zum Start des neuen Mobile Entertaintment-Spiels „Angry Birds Space“ von Rovio Entertainment versorgt der Händler u.a. seine 13 Millionen Facebook-Fans mit Codes zur Freischaltung geheimer Levels. In den Stores sind zudem Merchandising-Artikel wie Angry Bird-Plüschtieren mit den Geheimhinweisen versehen.



Keds verschönert Sneaker bei Görtz 17

Die amerikanische Sneaker-Brand Keds startet am 7. April eine künstlerische Promotion-Aktion in vier ausgewählten Görtz 17 Filialen in den Städten Berlin, Hamburg, Köln und München. Bereits im vergangenen Jahr hat sich eine ähnliche Kampagne unter dem Motto „Urbane Kunst“ als Publikumsmagnet erwiesen. An dem können Görtz 17 Kunden ihre neu gekauften Keds von den Kreativen individuell mit Sprühdose und Marker gestalten lassen. Außerdem hat jeder der Künstler ein Sneaker-Unikat nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltet. Über die acht Designs kann ab dem 29. März auf der Görtz Facebook-Seite und der deutschen Keds Facebook Seite abgestimmt werden. Das Modell mit den meisten Stimmen gibt es zu gewinnen.

Kletterworkshop bei Globetrotter

Globetrotter hat zur Eröffnung einer eigenen Fläche für Kletter- und Bergsport gleich neben der Berliner Filiale am vergangenen Samstag einen Kletterworkshop veranstaltet. Kletterstar James Pearson beantwortete Fragen rund um den Sport und gab Interessierten einen Workshop. In Hamburg ist Globetrotter außerdem Hauptsponsor der jetzt eröffneten Nordwandhalle und zudem mit einem eigenen Shop in „Deutschlands mordernster Kletterhalle“ vertreten. Den Shop nutzt der Outdoor-Händler „als begehbares Schaufenster“. Über Werbemaßnahmen werden die Besucher aus der Kletterhalle auch über das Gesamtsortiment in den Filialen informiert.

Rote T-Shirts in Kaiserslautern

Mitte März fand in der Kaiserslauterner Innenstadt eine Guerilla-Marketing-Aktion statt. An meterlangen Wäscheleinen hingen dutzende rote T-Shirts mit der Aufschrift: „Nimm mich & tausch". Wem es gelang, eines der T-Shirts von der in vier Meter Höhe angebrachten Wäscheleine zu ziehen, konnte es in der Kaiserslauterner Filiale von Modepark Röther in ein T-Shirt seiner Wahl umtauschen. „Da einige unserer Häuser etwas außerhalb liegen, sollte die Kampagne einen Anreiz schaffen, den Weg von der Fußgängerzone bis zu uns in Kauf zu nehmen", sagt Danica Gnamm, Marektingleiterin bei Modepark Röther.

Modepark Röther
Modepark Röther

Kunst zwischen Cashmere

Mode und Kunst − mit dieser Kombination lockt Stefanel in Hamburg die Kunden. In Kooperation mit dem Online-Auktionshaus „Start Your Art" präsentiert das italienische Modelabel in seinem Laden die Kreationen von zwölf jungen Künstlern. Die Fotografien, Malereien, Skulpturen und Collagen können an Ort und Stelle gekauft werden. Über einen QR-Code am Objekt werden die Besucher auf die Homepage des Online-Auktionshauses geleitet. Davon profitiert auch Stefanel indirekt, denn wenn neue Kunstobjekte in die Ausstellung wandern, lockt das wiederum Kunstinteressierte und damit auch neue Kunden an.

Stefanel
Stefanel

Online als Frequenzbringer

Der Großteil der Händler macht die zunehmende Bedeutung des Online-Handels mit für die Frequenzprobleme verantwortlich. Wie groß der Einfluss des Online-Handels ist, lässt sich allerdings nur schwer beziffern. Dass Online-Aktionen aber auch dem stationären Handel Frequenz bringen können, zeigen diverse Aktionen, vor allem auf Facebook. H&M beispielsweise postete Anfang März auf seiner Facebook-Seite einen exklusiven Gutschein für Facebook-Fans. Für einen Artikel ihrer Wahl gewährte H&M 15% – allerdings nur in den Läden und nicht im Online-Shop.

Weitere Beispiele gibt es in der TW 13, die am 29. März erscheint