Es ist so etwas wie der Gegenentwurf zum durchgeplanten, top gestylten Laden. Bei Kosfeld in Herford ist Chaos erwünscht. Alte treffen auf neue Einrichtungsgegenstände. Vieles, was dort zusammengetragen wurde, kann der Kunde direkt kaufen. Dadurch verändert sich die Optik des Ladens ständig, wächst und entwickelt sich weiter. Fast wie eine gemütliche Wohnung, in der die Bewohner immer wieder Neues finden und zusammentragen, sich von Altem trennen und ihr so ein ständig neues Gesicht geben.

Überhaupt spielen Einrichtungsgegenstände, die eigentlich eher in die eigenen vier Wände gehören, im Ladenbau derzeit eine große Rolle. Sitzgelegenheiten haben nichts mehr mit den ungemütlichen Hockern vor den Umkleiden von früher zu tun. Denn wer länger bleibt, der kauft auch mehr – eine Formel, die sich die Ladengestalter in diesem Frühjahr offenbar ganz besonders zu Herzen genommen haben. Immer mehr, immer schönere Sitzgelegenheiten sind in den Läden zu finden. Liebevoll ausgesuchte Vintage-Möbel sind genauso dabei wie klassische Designstücke.

Topman in London
Topman in London


Die Verknüpfung zwischen Möbel- und Storedesign ist vor allem bei italienischen Modeanbietern häufig anzutreffen. So können sich  Prada-Kunden in den neuesten Läden des italienischen Luxus-Labels auf dem von Verner Panton entworfenen Sofa Clover Leaf lümmeln. Der Design-Klassiker aus den 70er Jahren wurde exklusiv für die Marke neu aufgelegt und mit grünem Samt bezogen. Die Lampen und Möbel im Diesel-Store können die Kunden nicht nur dort bewundern, sondern auch gleich kaufen. Der Denim-Spezialist kooperiert mit dem Leuchtenhersteller Foscarini und dem Möbelanbieter Moroso.

Desigual in Barcelona
Desigual in Barcelona


Ein Stückchen Zuhause bringen die Storedesigner zudem über Teppiche in die Läden. Dabei handelt es sich nicht um die obligatorische, strapazierfähige Auslegeware, sondern schöne, oft farbenfrohe Einzelstücke. Für ein authentisches Ambiente sorgen abgeschabte, wie schon gebraucht aussehende Teppiche. So sind bei Gegenüber in Darmstadt Orientteppiche zu sehen, die auseinandergeschnitten, entfärbt und dann wieder überfärbt wurden. Beliebt sind – je nach Genre – auch Kelims, Perser oder unifarbene Hochflor-Teppiche, auf denen man am liebsten barfuß gehen würde.