Volle Fußgängerzonen, ausgabefreudige Kunden – das Weihnachtsgeschäft bietet die idealen Bedingungen für klingelnde Kassen. Doch oft geht das Geschäft am stationären Bekleidungshandel vorbei. Die obligatorischen Socken und Unterhosen einmal ausgenommen. Laut einer Studie der GfK werden jährlich rund 13,7 Mrd. Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben. Nur 1,64 Mrd. Euro fließen dabei in die Kassen von Textiliten. Tendenz fallend. Stark ist die Konkurrenz durch Bücher, iPhones & Co. Dazu kommt der steigende Anteil an E-Commerce. Sicher will keiner der Bekleidungshändler auf diese Einnahmen verzichten. Doch was genau tun die Geschäfte, damit an Weihnachten auch Kleider unterm Baum liegen? Und welche Aktionen gibt es, um die Kunden in die Läden zu locken? Eine Auswahl:

Karstadt versucht mit einer Wunschzettel-Aktion Eltern und Kinder anzusprechen. Alle Kinder bis 16 Jahre können einen Wunschzettel schreiben und sich etwas aus dem Karstadt-Sortiment im Wert von bis zu 100 Euro wünschen. Unter allen Wunschzettel werden im Losverfahren 10 Wünsche ausgewählt und erfüllt. Der Clou: Die Wunschzettel muss in einer Karstadt-Filiale abgegeben werden. So kommen die Kinder zu Karstadt und bringen ihre Eltern gleich mit.

Mit einem Weihnachtsquiz will Modehaus Sallach’s by Testa in Trittau die Kunden zum Einkaufen animieren. In den Kalenderwochen 48, 49 und 50 wird an alle Stammkunden eine Postkarte mit einer Quizfrage verschickt. Die Antwort auf die Frage findet sich dann beispielsweise im Schaufenster des Geschäfts. Richtige Antworten werden mit Rabatten von bis zu 20% belohnt. „Solche Aktionen werden von unseren Kunden immer sehr gut angenommen“, so Sigrid Rötger, die die Werbeaktionen entwickelt. „Die Kunden kommen, um die Fragen beantworten zu können und lösen dann gleich ihren Rabatt ein.“

Ebenfalls auf Stammkunden setzt das Modehaus Tasbier in Gevelsberg. Seit vielen Jahren schon erhalten sie zu Weihnachten ein kleines Präsent. In diesem Jahr handelt es sich dabei um eine weihnachtliche Plätzchendose. „Bei uns geht die Rechnung seit Jahren auf. Die Kunden holen das Geschenk ab und kaufen sich dann noch was Schönes“, sagt Werner Tasbier. Dabei war es Tasbier immer wichtig, dass keine Kleidung verschenkt wird. Denn diese sollen die Kunden dort kaufen.

Weniger mit Geschenken, sondern mit karitativem Tun möchte Hallhuber Kunden zur Weihnachtszeit für sich gewinnen. Wer eine Hallhuber Geschenkebox erwirbt, um später seine Geschenke darin zu verpacken, spendet automatisch einen Teil des Kaufpreises an die Deutsche Brustkrebs-Aufklärung. Und ein Geschenk für die Box kaufen Hallhuber-Kunden dann womöglich gleich mit.

Bei Engelhorn in Mannheim wird ein Adventskalender an alle Kundenkarteninhaber verschickt. Hinter jedem Türchen verbergen sich Rabattaktionen oder Aktionspakete. Mal gibt es beim Kauf einer Tasche ein Tuch geschenkt, mal ein Set aus Mütze, Handschuhen und Schal zusammen für einen besonderen Preis. Stackmann hat ebenfalls eine Art Adventskalender im Programm, der in einer Auflage von 200.000 Stück der Tagespresse beiliegt. Darin geben die Buxtehuder 24 Geschenketipps vom Kaschmir-Pullover bis zur Herren-Hose – in der Hoffnung, dass diese dann auch bei ihnen gekauft werden.

Deutlich kreativer geht das Modehaus Wigner mit der Aktion „Häkel-WM“ an das Thema Frequenz-Steigerung. Inspiriert von den Myboshi-Mützen, lustigen Wollmützen, die von zwei jungen fränkischen Freeridern entwickelt wurden, hat das Modehaus dazu aufgerufen, die schönste Mütze zu häkeln. Das original Myboshi-Garn sowie die Stricknadeln und das Label zum Aufnähen gibt es bei Wigner zu kaufen. Wem die schönste Mütze häkelt, winkt eine Reise nach Köln oder ein iPad. Die Aktion wird auf allen firmeneigenen Kanälen promotet, aber auch die regionale Presse wird miteinbezogen. Zudem gibt es mehrere Events, wie Vorentscheide etc. „Generell ermöglichen uns solche Aktionen neben der Erhöhung der Frequenz natürlich auch, neue Kundenkreise anzusprechen“, ist Eberhard Wigner überzeugt. „Natürlich investieren wir da einiges an Geld und Arbeit, aber für uns lohnt es sich.“ Außerdem geplant: Waffelbacken, Häkelkurse und Autogrammstunden. Denn die Kunden wollen ja schließlich bei Laune gehalten werden. Besonders in der Adventszeit.