Wohl jeder kennt ihn, den Wow-Effekt, der sich bei einem Blick nach oben in hohen Hallen, Schlössern und Kirchen einstellt, häufig verstärkt durch große Kristalllüster und andere Beleuchtungsobjekte. Ein Effekt, der zunehmend auch im Storedesign genutzt wird, um die Kunden neugierig auf die oberen Etagen zu machen. Unabhängig von Größe, Genre oder Sortiment gibt es dabei einen Trend zur immer aufwändigeren Gestaltung des Treppenaufgangs bzw. -auges. Das zeigen die Neueröffnungen dieses Jahres, im In- wie im Ausland.

Ein immer wiederkehrendes Gestaltungselement sind auffällige Leuchten und Lichtobjekte, die in Zusammenarbeit mit Künstlern entstanden sind. So lenkt im Pariser Store von Azzedine Alaïa ein gigantischer 14 Meter hoher, aus Metallteilen zusammengesetzter Lüster des amerikanischen Bildhauers Kris Ruhs den Blick fast unweigerlich nach oben. Nicht weniger spektakulär ist die monumentale beleuchte Säule aus bunten Glaselementen an der geschwungenen Treppe im umgebauten Fendi-Store in Paris. Sie wurde von dem in Japan lebenden französischen Architekten Gwenaël Nicolas entworfen, der auch das Konzept für das Louis Vuitton Townhouse bei Selfridges entwickelt hat. Aber es müsssen nicht immer gleich Design- oder Kunstobjekte sein, auch die im Treppenauge des Wiener Tally Weijl-Stores an Ketten herunterhängenden verschiedenen Kronleuchter entfalten ihre Wirkung.

Skulpturen, allerdings nicht leuchtend, sondern zum Schmunzeln anregend, hat Breuninger im Lichthof seines neuen Hauses in Düsseldorf platziert. Engagiert haben die Stuttgarter dafür Jaques Tilly, den Wagenbaumeister des Düsseldorfer Rosenmontagszuges. Im goldenen Käfig schwebt über den Köpfen der Besucher etwa die Klischee-Kö-Besucherin, mit Champagnerglas in der einen und der Leine des Schoßhündchens in der anderen Hand. Das eine neugierig machende, interessante Gestaltung des Treppenaufgangs keine Frage des Genres oder des Sortiments ist, stellt der Outdoor-Laden Adco in Freiburg unter Beweis. Die Treppe ins erste Geschoss ist dort wie ein geheimnisvoller Naturpfad inszeniert, indem sie durch einen Wald aus echten Birkenstämmen führt.

Aber auch die Wände des Treppenaufgangs selbst werden gerne als Eyecatcher genutzt. Bei Gant und Tom Tailor in München sind es gerahmte Fotografien wie an einer Bilderwand im heimischen Wohnzimmer, die zum Hinschauen einladen. Bei Tommy Hilfiger in Düsseldorf bringen kleine bunte Flugzeugmodelle die Kunden zum Durchstarten ins obere Geschoss. Mission erfüllt.