Licht lockt Leute. Das stellte die Luminale in Frankfurt am Main in der vergangenen Woche wieder eindrucksvoll unter Beweis. Rund eine Viertel Million Besucher kamen, um die 182 Installationen rund ums Licht in Augenschein zu nehmen. Die „Biennale der Lichtkultur“ findet, wie der Name schon sagt, alle zwei Jahre parallel zur Messe Light+Building statt. Bereits zum siebten Mal bot sie den Besuchern wieder ein Füllhorn an Ideen zum Umgang mit Licht. Ob ganz technisch oder romantisch, ob auf Fassaden oder in alten Fabrikhallen, im Mittelpunkt stand fast immer die Interaktion. So kamen nicht nur Laien, die sich einfach an der Schönheit der Lichtinstallationen erfreuen wollten, auf ihre Kosten, sondern auch Beleuchtungsexperten, die jede Menge Inspirationen für den innovativen und künstlerischen Umgang mit Licht erhielten. Und auch fürs Schaufenster oder die professionelle Fassadenbeleuchtung war die eine oder andere Anregung dabei. Eine Auswahl der interessantesten Ideen:



TRANSFORMATION. Ein bisschen wie im Bauch eines Walfisches wirkte die Installation Cornea Ti des Bachelor Studiengangs Innenarchitektur der FH Mainz auf einem Container-Boot in der Nähe der Untermainbrücke. 1600 videofähige LED-Fassadenleuchten der Firma Zumtobel erweckten die Installation zum Leben und sorgten für ein interaktives Raumerlebnis. Dazu wurden die LED-Pixel über einen Computer angesteuert und als ein auf Bewegung im Raum reagierendes System animiert. Das interaktive Licht begleitete den Besucher auf seinem Weg durch die Buchstabenwelt, so dass der Raum individuell erlebbar wurde. Besonderes Highlight: die musikalische Untermalung des Ensemble Modern der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt.



POESIE PUR. Kleine Idee, ganz große Wirkung. Mit ihrer poetischen Kraft begeisterte die Installation Lagrimas de Sao Pedro des brasilianischen Künstlers Vincius Silva de Almeida bereits die Brasilianer. Anlässlich der Luminale hat er im Haus Rosenbrunn im Palmengarten tausende, mit Wasser gefüllte Glühbirnen ohne Fassung an transparenten Fäden aufgehängt. Durch die Lichtbrechungen entstanden wunderbare stimmungsvolle Effekte. Wie ein innehaltender tropischer Regenschauer, betrachtet durch ein Brennglas.



LEUCHTMODE. Mode, ganz mystisch inszeniert, zeigten Studenten der Studiengänge Modedesign und Intermedia Design der Hochschule Trier. Eine Upcycling-Kollektion aus alten Militärstoffen traf auf integrierte Elektrolumineszenz. Durch den Raum gespannte, sich mehrfach überlagernde transparente Klarsichtfolien wurden mit Hilfe von Projektoren angeleuchtet und sorgten so für sich ständig wandelnde Lichtstrukturen.



LICHTGRAFFITI. Virtuell bemalt wurde die Fassade des Literaturhauses. Prof. Jürgen Scheible von der Stuttgarter Hochschule der Medien hat eigens dafür eine Software names Mobispray entwickelt. So haben Studenten der Hochschule zum Literaturhaus passende Motive mit dem entsprechend programmierten Handy per Handbewegung in die Luft gemalt. Diese wurden von der Software registriert und an den Computer weitergeleitet und dann mit Hilfe eines Beamers in Echtzeit auf die Fläche projiziert. Das Smartphone als Spraydose.



INTERAKTIVE KUNST. Mit Licht malen konnten die Besucher der Naxos Hallen. Splash-Lights, eine sechs Quadratmeter große Wand mit rund 30.000 LEDs, wurde in den ehemaligen Industriehallen durch den Kontakt mit Wasser zum Leuchten gebracht. Statt mit Pinsel und Farbe wurde mit Schwämmen und Waserpistolen gemalt. Sobald die LED-Leuchten mit Wasser in Kontakt kamen, leuchteten sie. Entwickelt wurde die Installation von Studenten der TU Ilmenau.



SCHATTENSPIELE. Bewegte Fassadenkunst zeigte der Nextower am Thurn-und-Taxis-Platz. Wie im Schattentheater zeichneten Schattenspieler mit ihren Händen Umrisse von Tierfiguren an den 135 Meter hohen Büroturm. Sie wurden in einen weißen Projektionskreis übertragen und schwebten wie ein geheimnisvoller Märchen-Mond über der Frankfurter Innenstadt.



SCHWARMBILDUNG. Einen interaktiven Schwarm aus mehr als 200 Origami-Blüten mit 750 bunt leuchtenden LEDs hat die Künstlergruppe „Die Luminauten“ auf den kleinen Weiher im Palmengarten gezaubert. Kleinere Blüten scharten sich schützend um eine große Königinnen-Blüte. Fühlten sie sich zum Beispiel durch die Blitzlichter der Fotografen gestört, schützen sie den Hofstaat durch ein Leucht-Gewitter, um sich anschließend in der Dunkelheit zu verstecken.