Wo sind Schuhe zuhause? Im Schuhschrank? Oder im Regal? Wenn sie die Wahl hätten, dann sicher bei Madam Bonbon, einem kleinen aber feinen Schuhladen in der Altstadt von Riga. Denn in diesem Schuhladen werden Schuhe geliebt, das merkt man sofort, wenn man einen Fuß über die Schwelle des Geschäftes setzt. Der Laden in einem Jugendstilgebäude in Rigas Innenstadt sieht eigentlich gar nicht aus wie ein Schuhgeschäft. Wer ihn betritt, wähnt sich zunächst in einer kleinen, gemütlichen Wohnung. Ausgewählte Vintage-Möbel, alle in Weiß, bilden das Interieur. Es gibt ein Bad, eine Küche, ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer. Es gibt ein Klavier, ein großes weißes Bett, einen Esstisch mit vier Stühlen und einen alten Küchenofen.

Doch all diese Einrichtungsgegenstände bilden nur den Rahmen für luxuriöse Damenschuhe, vom High Heel bis zum Winterboot. So wurde ein rosa Ballerina aufs Kopfkissen gebettet. Ein Pumps mit Leopardenmuster hat seinen Platz auf einem Bücherstapel gefunden. Und auf dem alten Küchenofen stehen statt Töpfen schicke Sandaletten. Hier spürt man die Liebe zum Detail, die Qualität eines stationären Ladens. Die vielbeschworene Emotionalisierung ist geglückt. Jeder Schuh scheint eine Geschichte zu haben. Fast fühlt man sich, als ob man zu Besuch bei einer guten Freundin wäre, die ihre schönsten Schuhe zum Begutachten in ihrer Wohnung drapiert hat. Im Bad warten die ganz besonders exklusiven Modelle zwischen Puderdosen und Retro-Fön. Da wird die Toilette kurzerhand zur Sitzgelegenheit zum Schuhe-Anprobieren. Wenn sich dann noch eine der Inhaberinnen mit einem Glas Champagner oder einer warmen Tasse Tee dazusetzt, scheint das Shoppingerlebnis perfekt.

Die  Probleme, die Schuhhändler bei der Präsentation von Schuhen üblicherweise plagen, kommen hier gar nicht erst auf. Die Frage: Wie bekomme ich die Produkte auf Augenhöhe der Kunden, beantwortet sich bei all den Tischen, Regalen und anderen Möbeln ganz von selbst. Die Zutaten für einen gelungenen Laden scheinen einfach. Allerdings schafft dieses Geschäft, was sich jeder Merchandiser wünscht: dem Kunden das Produkt emotional näher zu bringen. Und so findet der Schuh ganz schnell ein schönes neues Zuhause.