Die Schaufenster sind enthüllt, die Herbstware ist ins rechte Licht gerückt, die Arbeit der Visual Merchandiser ist zumindest konzeptionell für diesen Herbst abgeschlossen. Doch was waren ihre Ideen und wovon ließen sie sich zu den Herbstfenstern 2012 inspirieren?



Sarah McCullough, Concept and Windows Manager, Selfridges:„Dieser Sommer ist mit dem Thronjubiläum und den Olympischen Sommerspielen eine unglaubliche Zeit für Großbritannien und deshalb wollten wir in unseren Fenstern die Dinge zeigen, die groß und britisch sind. Unser Motto lautet so auch: Big British Bang. Wir haben eine Serie von Szenen gestaltet, die die britische Kultur auf humorvolle Art und Weise beschreiben. Von Royalty bis Rebellion, über Festivalbesuche bis hin zu High Tea. Selbst das regnerische britische Wetter ist mit viel Liebe beschrieben. Und unsere beliebtesten britischen Designer, angefangen von den etablierten wie Paul Smith und Burberry bis hin zu den jungen Talenten sind präsent. Die Big British Bang-Fenster sind bei uns seit dem 4. Mai zu sehen, durch neue Kollektionen wurden sie regelmäßig aufgefrischt."



Christian Mau, Director of Visual Merchandising, Quartier 206:„Ein Shot von Paolo Roversi hat mich inspiriert. Als ich die ungewöhnlichen Bilder sah, begann ich sofort im Kopf mit einem Kartenspiel. Und sehr schnell kam ich hier auf den Joker. Der bestimmt doch das eigentliche Spiel im Leben. Habe ich einen oder keinen? Und wie spiele und kommuniziere ich es. In jedem Fall sorgt er für eine Überraschung und fordert Humor, auch in diffizilen Situationen. Das Konzept ist die räumliche Darstellung einer Handvoll Spielkarten, die den Joker der neuen Herbst-/Winterkollektionen tragen. Dabei galt es in unseren Schaufenstern, den Blick des Betrachters zu fixieren, ohne geschlossene Backdrops zu verwenden. Ziel war es, die Konzentration des Looks mit der Einsicht in den Store zu verbinden. Statisches mit Bewegtem zu kombinieren. Dass ein gespiegelter Oberkörper und ein Rad voller Arme neue Herausforderungen an den Merchandiser für einen kurzfristigen Warenwechsel stellte, unterstreicht dabei den Spaß an unserer Arbeit."



Andrea Weber, Bereichsleitung Store Kommunikation, Ludwig Beck:„Unsere Herbstfenster stehen 2012 unter dem Motto ‚Abbey Road′. Inspiriert wurde die Dekoration von drei Hauptthemen: Den berühmten Abbey Road Studios in London, der Designerin Mary Quant und dem Modedesigner André Courrèges. Der wohl bekannteste Zebrastreifen der Welt befindet sich vor den Abbey Road Studios im Londoner Stadtteil Westminster. Das Motiv wurde zum Plattencover für das gleichnamige Album der Beatles und ist seither Kult und Pilgerstätte für Beatles-Fans. André Courrèges prägte in den 1960er Jahren die Mode mit seinen futuristischen, an die Raumfahrt angelehnten Designs. Den legendären „Courrèges-Stil“ charakterisieren konstruierte Schnitte und ein geometrischer Aufbau. Courrèges führte den Mini-Rock, den Mary Quant in London alltagstauglich gemacht hatte, in die Pariser Haute Couture ein. Quant benannte den Mini angeblich nach dem Auto. Das Model Twiggy machte den Mary Quant-Look Ende der 1960er Jahre zum Markenzeichen einer ganzen Generation. Passend zum Brit-Style der Herbstmode flossen diese drei Themen in die Gestaltung der Herbstdekoration ein. Auch der typische Londoner Regen wird in den Fenstern ikonisch durch übergroße Tropfen in Szene gesetzt. Durch abgestrichene geometrische Flächen und Linien entsteht ein verzerrter dynamischer Raum. Die Grundfarben sind Schwarz und Elfenbein.“



Domagoj Mrsic, Sayonara Visual Concepts, Düsseldorf:
„Zur aktuellen Schaufenstergestaltung bei More Jades haben mich QR-Codes inspiriert. Diese sind mittlerweile überall zu sehen und auch bei More Jades weisen sie auf den Schaufenstern auf die Homepage hin. Meine Idee war es, den QR-Code so groß in die Fenster zu bringen, dass man ihn theoretisch auch einlesen kann, wenn man im Auto oder in der Straßenbahn an den Fenstern vorbeifährt. Das funktioniert auch, allerdings nur wenn keine Schaufensterfiguren davor stehen. Ansonsten bildet der QR-Code einen interessanten Hintergrund für die Herbstmode. Manche Passanten erkennen nicht auf den ersten Blick, dass es ein QR-Code ist, sondern sehen vielmehr ein schwarz-weißes Labyrinth.“



Mark Briggs, Store Image Director, Harrods:
„Wir waren uns immer bewusst, was die Olympischen Sommerspiel für London bedeuten. Deshalb wollten wir ein spektakuläres Fensterdisplay als Hommage an unsere wunderbare Stadt planen, an dem auch unsere Kunden ihre Freude haben. Um die optimale visuelle Wirkung zu erzielen, haben wir Design-Ikonen wie Rolls Royce und die Londoner Tube eingebunden. Von Anfang August bis Mitte September widmen wir außerdem 16 separate Fenster unserer Zusammenarbeit mit Adidas.“



Janet Wardley, Head of Visual Display, Harvey Nichols: „Harvey Nichols feiert die Olympischen Spiele mit dynamischen und überschwänglich gestalteten Schaufenstern. Fantasie-Tiere preschen durch die Fenster, die Schaufensterfiguren sind in jedem Fenster positioniert, und es sieht so aus, als ob sie durch die Wucht einer Explosion durch die Luft geschleudert werden. Die Figuren haben tierähnliche Features wie Hufe, Mähnen und Krallen und stehen zwischen elektrischen Kabeln. Strahlende Farben sorgen für zusätzliche Dynamik. Diese Wirkung ist besonders im Vorbeifahren zu sehen.“