Jeder kennt das Bild. Alljährlich zu Weihnachten bilden sich Menschentrauben vor den Schaufenstern der großen Warenhäuser. Puppentheater und Eisenbahn-Miniaturwelten sind es, die die Massen anziehen. Nicht nur wegen der detailreichen, liebevollen Inszenierung, sondern vor allem deshalb, weil sich hier etwas bewegt. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Sich bewegende Elemente sind gerade in diesem Frühjahr auffällig häufig in den Schaufenstern zu sehen, vor allem bei den großen internationalen Department Stores. Ein neuer Trend?

Michael Scheithauer, Geschäftsführer des Visual Merchandising-Spezialisten Barthelmess in Fürth, fasst es noch weiter: „Bewegung ist viel mehr als nur ein Trend. Sie ist eine Notwendigkeit, um Aufmerksamkeit zu wecken.“ Und darum dreht sich letztlich alles im Visual Merchandising. Laut einer aktuellen Befragung der GfK im Auftrag der TextilWirtschaft holen sich 39% der Männer und Frauen Inspirationen für den Bekleidungskauf aus dem Schaufenster. Noch wichtiger für die Entscheidungsfindung ist nur das Durchsehen des Angebots in den Geschäften (50%).

Bewegung analog. Das Glücksrad bei Fenwick setzt Accessoires aufmerksamkeitsstark in Szene.

Warum das Thema Bewegung nicht noch häufiger in den Fenstern umgesetzt wird, liegt für Scheithauer auf der Hand. „Bewegung kostet Geld.“ Geld, über das in erster Linie die großen Vorzeige-Häuser mit ihren dicken Marketing-Budgets verfügen können. Siehe Printemps in Paris. Zum Saisonauftakt im Frühjahr gab es dort z.B. ein Schaufenster in Kooperation mit Louboutin zu sehen, durch das Beine in High-Heels mit den berühmten roten Sohlen durchs Schaufenster marschieren. Fazit: absolut aufmerksamkeitsstark. Das unterstreicht auch Michael Scheithauer: „Wir hatten sogar Kundenanfragen für eine solche Deko.“ Bewegung muss aus seiner Sicht dabei nicht zwangsläufig mit dem ganz großen (finanziellen) Aufwand verbunden sein. Ideen gebe es viele: eine sich drehende Holzscheibe an der Rückwand, gestaltet wie ein Lollipop, eine Schneemaschine, um nur einige zu nennen. „Es geht auch simpel und trotzdem effektvoll“, sagt Scheithauer. Clevere Ideen, könnten auch einen tollen Effekt hervorrufen.

Bewegung digital. Die Digital Art-Wall von Leffers ist der Eyecatcher im Schaufenster.

Ein Thema, das im Visual Merchandising viel diskutiert, bislang aber eher verhalten eingesetzt wird, ist Digitalisierung. Letztlich geht es aber auch dabei unter anderem um Bewegung. Wenngleich mit vergleichsweise hohem Aufwand bei der Umsetzung. Das hat auch Nicole Legantke, Leitung Visuelles Marketing bei Leffers in Oldenburg, festgestellt. Sie hat im Schaufenster des Hauses erstmals eine Digital Art-Wall installiert. Vier Monitore in unterschiedlichen Formaten bilden eine Video-Wand, auf der zu sehen ist, wie nacheinander farbige Tropfen ins Wasser fallen und sich zu einem bunten Wasser-Wirbel vermengen, perfekt abgestimmt auf das im Vordergrund gezeigte Outfit. „Ein künstlerisches Erlebnis in digitaler Form, das bei den Kunden sehr gut ankommt“, sagt Legantke. Drei Monate soll die Installation im Schaufenster bleiben und immer wieder an die gezeigte Ware angepasst werden. Danach ziehen die Monitore um ins Haus, auf die Fläche.

Läden, Schaufenster oder Online-Shop? Wo holen sich Verbraucher Anregungen für den Modekauf? Lesen Sie die ausführlichen Ergebnisse der TW-Studie in der TW 19 vom 7. Mai 2015. Die digitale Ausgabe steht bereits am 6. Mai 2015 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.