Immobilienmakler geraten ins Schwärmen, wenn sie ihn in ihren Wohnungen anpreisen, und potenzielle Mieter sind begeistert. Zumindest wenn sie Altbau-Fans sind. Stuck ist seit einiger Zeit wieder angesagt. Das zeigt nicht nur der Blick in die Wohnblogs wie z.B. „Freunde von Freunden“, auch im Storedesign spielen die typischen Leisten und Rosetten an Wand und Decke inzwischen eine schmückende Rolle. Denn Stuck hat zwar keine praktische Funktion, verleiht aber jedem noch so kargen Raum wohnliches Altbau- oder opulentes Schloss-Ambiente und passt damit perfekt zum Trend, Läden wie Wohnungen zu gestalten.

Stuck war schon in der Antike ein beliebtes Gestaltungselement, seine Blütezeit war das Barock, aber auch im Jugendstil wurden Bauwerke gerne damit verziert. Danach ging es steil bergab mit den aus einem Kalk-Gips-Zement-Gemisch hergestellten Ornamenten. So sehr, dass sie in der 1950er und 60er Jahren sogar zugespachtelt und überstrichen wurden. Sie passten einfach nicht mehr zur nüchternen Zweckarchitektur der Nachkriegsmoderne. Langsam wieder beliebter wurde der Stuck in den 90er Jahren und ist es seitdem geblieben. Wo alter Stuck fehlt, wird – auch wenn viele Architektur-Puristen das als Frevel betrachten – schon mal neuer, leichterer Stuck aus Kunststoff angebracht.

Stuck kommt. In Lüneburg (Roy Robson, links) wie in London (Alexander McQueen).
Stuck kommt. In Lüneburg (Roy Robson, links) wie in London (Alexander McQueen).


Der Reiz des Stucks liegt dabei im Kontrast. Das gilt für Wohnungen wie für Läden. Das zeigen nicht zuletzt die Neueröffnungen der vergangenen Wochen von Roy Robson in Lüneburg bis Alexander McQueen in London. In Kombination mit schlichten, geradlinigen Warenträgern, ergänzt um Klassiker aus dem Interior-Design, wie die Pendel-Leuchtenserie „Beat Light“ von Tom Dixon und Stuhlklassiker von Charles und Ray Eames, Ludwig Mies van der Rohe oder Arne Jacobsen, wirkt Stuck kein bisschen angestaubt, sondern modern und einladend. Auch wenn er Patina hat, so wie im gerade eröffneten 14 oz.-Store am Berliner Kudamm. Auf die Spitze getrieben wird der Stuck-Trend aber im neuen Menswear-Store von Alexander McQueen in der Londoner Savile Row. Allerdings mal nicht an der Decke, sondern an den Wänden, die komplett mit stuckähnlichen, verschnörkelten Reliefs aus Gipsplatten verkleidet wurden. Für die gewisse Wohnzimmer-Atmosphäre sorgt hier unter anderem eine gerahmte Fotografie, die den verstorbenen Designer Lee Alexander McQueen im rot karierten Kilt zeigt.