Jetzt geht's los. Die ersten großen Häuser enthüllen feierlich ihre Weihnachts-Schaufenster. Vor allem in New York und in Paris sind das alle Jahre wieder große Events mit entsprechendem Promi-Auflauf und medialer Aufmerksamkeit. Märchen und Mystik haben es den Visual Merchandisern in dieser Saison dabei ganz besonders angetan.

Verzauberte Glitzerwälder, verschneite Landschaften und märchenhafte Reisen. Klassische Weihnachtsbäume? Auf sie kann zwar nicht ganz verzichtet werden, sie spielen als schmückendes Beiwerk aber eher eine Statistenrolle bei der großen Weihnachtsinszenierung. Vielmehr steht Storytelling im Mittelpunkt der bislang gezeigten Dekorationen. Dafür haben die großen Department Stores nicht nur ein Jahr lang geplant, sondern auch monatelang an der Umsetzung gearbeitet. Mit beeindruckenden Ergebnissen. Wir lüften den Vorhang und zeigen die ersten großen Dekorationen aus dem Ausland.

Gallery: Harvey Nichols, London



HARVEY NICHOLS, LONDON. Zauberhaft. Ein bisschen Glamour, ein bisschen Mystik. Harvey Nichols hat in seinen Schaufenstern einen Zauberwald geschaffen, inklusive magischer Kreaturen und fantastischer Lichteffekte. Die Schaufensterfiguren gruppieren sich um speziell für die Dekoration angefertigte und handbemalte Baumstämme. Gezeigt wird Mode von Alexander McQueen, Lanvin, Erdem, Ann Demeulemeester und Maison Martin Margiela. Sei Juli hat das VM-Team an der Dekoration gearbeitet. Alleine für die Ausstattung der 67 mystischen Waldkreaturen in allen Harvey Nichols-Filialen wurden mehr als 6000 Meter Pfeifenputzer verwendet. Rund 2000 Tannenzapfen und 1000 Eicheln aus Metall schmücken die Fenster des Filialisten.

Gallery: Le Printemps, Paris



LE PRINTEMPS, PARIS. Kooperationen mit renommierten internationalen Designhäusern haben bei Le Printemps zur Weihnachtszeit Tradition. Nach Dior und Prada ist in diesem Jahr Burberry dran. In den Fenstern am Boulevard Haussmann wird die zauberhafte Reise eines kleinen Jungen erzählt, der London verlässt, um in Paris Weihnachten zu feiern. Gekleidet ist er selbstverständlich in Trenchcoat und Schal von Burberry. In jedem Fenster wird liebevoll  eine andere Station seiner Reise dargestelllt. Besonders die zahlreichen, originellen Details laden zum genaueren Hinschauen ein. Da fährt zum Beispiel ein Zug durch Tunnels, die aus Burberry-Taschen gestaltet wurden, und der Junge schippert auf einem umgedrehten Regenschirm über den Ärmelkanal.

Gallery: Selfridges, London



SELFRIDGES, LONDON. Immer ein bisschen früher dran als die anderen. Das gilt bei Selfridges nicht nur in Sachen Modetrends, sondern auch wenn es um die Vermarktung von Weihnachten geht. Bereits Ende Oktober wurde das Haus zur „Destination Christmas“. 32.000 Stunden wurde seit Juni 2014 an der Dekoration gearbeitet. Beeindruckend. Das gilt auch für die Schaufenster. Sie gehören wieder einmal zum besten, was der Modehandel in Sachen Storytelling zu bieten hat. In diesem Jahr dreht sich alles um die 25 bezauberndsten Märchen. In den Fenstern, im Store und im Online-Shop. Vor allem die bekannten alten Volksmärchen haben es den Machern als Inspirationsquelle angetan. So sind in den Schaufenstern an der Oxford Street unter anderem Hänsel und Gretel, Rapunzel, Dornröschen, Rumpelstilzchen und die goldene Gans zu Gast. Immer umgesetzt mit einem frechen, Selfridges-eigenen Twist. So trägt etwa Rapunzel sein langes Haar rosa, und Dornröschen spinnt ein Netz, in dem sich Schuhe, Taschen und andere Begehrlichkeiten verfangen. Das sind Tradition und Romantik, modern umgesetzt.

Gallery: Bergdorf Goodman, New York



BERGDORF GOODMAN, NEW YORK. In New York ist Thanksgiving (in diesem Jahr am 27.11.) immer noch das magische Datum für den Beginn des Weihnachtsgeschäfts. Davor werden zwar schon erste festliche Fenster dekoriert, aber der ganz große Weihnachts-Hype bricht erst danach aus. Beispiel: Bergdorf Goodman. An der Fifth Avenue sind zur Zeit noch die fantasievollen Fenster mit Skulpturen des amerikanischen Künstlers Mark Gagnon zu sehen. Auch der eine oder andere Kürbis ist da noch dabei. Sehr festlich muten dagegen jetzt schon die Schaufenster an der 58th Street an. Luxusmode wird in einer minimalistischen Schneelandschaft gezeigt. Feinste Pelzkreationen liegen im Schnee oder sitzen auf den Zweigen bizarrer weißer Bäume aus Pappmaschee. Die verwunschene Landschaft ist vorwiegend in Weiß gehalten, so dass sich die farbenfrohe Wintermode perfekt abhebt.

Gallery: Lord&Taylor, New York



LORD&TAYLOR, NEW YORK. Klassisch märchenhaft. Das zum kanadischen Retail-Konzern Hudson’s Bay gehörende New Yorker Warenhaus Lord&Taylor spielt in seinen aktuellen Weihnachtsfenstern mit Elementen einer verwunschenen Villa, in deren herrschaftlichen Zimmern und Bibliotheken Feen, Zauberer und belesene Mäuse leben. Die Reise führt vom verschneiten Dickicht im Garten in die einzelnen Zimmer wie „The Heritage Gallery“ und die „Hall of Wisdom“. Ware? Fehlanzeige.

Texte: Ulrike Howe und Anja Haak

Die schönsten Weihnachtsfenster aus dem In- und Ausland werden in der TW 49 vom 4. Dezember 2014 zu sehen sein. Die digitale Ausgabe steht bereits am 3. Dezember 2014 ab 18 Uhr als Download im iTunes-Store zur Verfügung.