Zumindest was die Schaufenstergestaltung angeht, liegen New York, Paris, London, München und Berlin in diesem Jahr gar nicht so weit auseinander. Die Visual Merchandiser sind sich einig: Farbe zieht an.

FARBRAUSCH: Während die einen auf monochrome Farbflächen setzen, geht es bei anderen wirklich kunterbunt zu. Bei Harvey Nichols in London ziehen sich neonfarbene Leuchtstoffröhren durch die Fenster. Eickhoff in Düsseldorf setzt ganz plakativ auf eine Knallfarbe pro Fenster. Das KaDeWe in Berlin zeigt ausschließlich Taschen und dies vor blitzblauen, sonnengelben oder knallroten Rückwänden. Häufig zu sehen ist auch ein Mix aus Blüten und knalligen Farben, so umgesetzt bei Gaubatz in Neu-Isenburg oder Ciolina in Bern.

CLEAN CHIC: Trotz des ganzen Farbrauschs werden im Schaufenster auch leisere Töne angeschlagen. Schlichte und trotzdem wirkunsvolle Fenster präsentiert Zara. Vor einer hellen Rückwand stehen vereinzelt Schaufensterfiguren, deren Silhouette  im Hintergrund von einem metallenen Rahmen aufgenommen wird.

Ebenfalls reduziert läutet auch Peek&Cloppenburg Düsseldorf die neue Saison ein. Aktuelle Motive der Kampagne „Key Looks, Top Marken!” vor einem hellen Hintergrund dienen als Bühne für die Modetrends. Außer den Figuren in dynamischen Posen befindet sich nichts in den Fenstern. Ähnlich sieht es bei Bergdorf Goodman in New York aus. Eine Rückwand mit hunderten, unbeschriebenen weißen DIN A4-Seiten behängt, dient als Kulisse für die farbenfrohe Frühjahrsmode.

STORYTELLING: Und noch eine weitere, ganz andere Gestaltungsrichtung ist in diesem Frühjahr bei vielen Modehändlern beliebt. Das Fenster wird wieder verstärkt als Theaterbühne verstanden, nicht nur für die Inszenierung der neuesten Mode, sondern ganzer Geschichten. Beispiel Konen: In den Schaufenstern des Münchner Modehauses scheinen die Schaufensterfiguren einen perfekten Sommertag zu verleben, inklusive Pool- und Barbesuch.

Nicht nur modisch den richtigen Riecher hatte das Quartier 206 in Berlin bei der Wahl seiner Dekoration anlässlich der Berlinale. Der Film „The Artist”, der von einem Star aus der Stummfilm-Ära handelt, hat in diesem Jahr die meisten Oscars abgeräumt. Und ist auch als Schaufenster-Installation ein gelungener Hingucker. Genauso wie die Dekoration bei Anya Hindmarch in London, in deren Mittelpunkt – inspiriert durch den Film „The Iron Lady” – die frühere britische Premierminsterin Margaret Thatcher steht.