Adiletten und Mode? Geht gar nicht? Geht sogar sehr gut. Das zeigte die Show des jungen Designers Simon Porte Jaquemus. Dabei waren die gerne auch als der Deutschen liebste Urlaubs-Accessoires verhöhnten Badeschlappen nicht wirklich als modisches Statement zu verstehen. Vielmehr waren sie Teil der Gesamt-Inszenierung der zweiten Kollektion des Nachwuchsdesigners, die er in einem Pariser Hallenbad gezeigt hat. Gemütliche Schlappen, Kniestrümpfe, nasse Haare und kein Make-up – den Models dürfte der ungewöhnliche Schauenort zumindest unter Wohlfühlaspekten gefallen haben. Selbst die kritische Fashion-Crowd nahm ohne Murren auf harten, gekachelten Bänken am Beckenrand Platz und streifte die bewährten blauen Plastik-Überzieher über die High-Heels.

Models in Badeschlappen passten perfekt zur Jaquemus-Schau in einem Pariser Schwimmbad
Models in Badeschlappen passten perfekt zur Jaquemus-Schau in einem Pariser Schwimmbad


Ein Auftritt, der dem noch eher unbekannten Jaquemus in jedem Fall viel Aufmerksamkeit, auch in der internationalen Presse, beschert hat. Und das vermutlich zu vergleichsweise geringen Kosten. Mode will eben gekonnt und passend inszeniert sein. Das zeigten die internationalen Designerschauen von New York bis Paris auch in diesem Jahr. Von aufsehenerregenden, zum Teil befremdlichen Shows wie der von Thom Browne in New York bis zu monumentalen Auftritten wie Karl Lagerfelds Show für Chanel in Paris. Das sind die Defilees, bei denen sich das Hinschauen ganz besonders lohnte.

Ungewöhnliche Orte. Das Kontrastprogramm zur molligen, feuchten Wärme im Schwimmbad bot sich den Besuchern bei Kenzo. Der Schauplatz der Show: das seit 2005 leerstehende und entsprechend ungeheizte Kaufhaus La Samaritaine. Dass die Schau von vielen Besuchern als eine der schönsten Präsentationen der Pariser Fashion Week in diesem Frühjahr bezeichnet wird, ist sicher auch ein wenig dem besonderen Charme der Immobilie zu verdanken. Das 1869 errichtete und mehrfach erweiterte Gebäude mit seiner Mischung aus Jugendstil-Architektur und Art Déco steht unter Denkmalschutz und soll noch in diesem Jahr zu einem Hotel- und Einzelhandelskomplex umgebaut werden. Letzte Chance also, das geschichtsträchtige Haus für eine Schau zu nutzen. Und was liegt näher, wenn der Eigentümer der Immobilie der Luxuskonzern LVMH ist, zu dem auch Kenzo gehört?

Kenzo trifft Jugendstil im leerstehenden Kaufhaus La Samaritaine
Kenzo trifft Jugendstil im leerstehenden Kaufhaus La Samaritaine


Himmel und Erde. Das Thema Globalisierung stand bei Chanel im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt. Die Models defilierten im Pariser Grand Palais du Louvre um eine riesige, rotierende Weltkugel. Kleine Lämpchen mit Chanel-Fähnchen markierten auf dem Globus, wo es bereits Stores der Marke gibt. Für eine ganz ähnliche Inszenierung hat sich Diors neuer Designer Raf Simons entschieden. Bei ihm war es allerdings eher der Himmel als die Erde, in dem sich die Models bewegten.  In einer ganz in Himmelblau gehaltenen Kulisse schritten sie zwischen beeindruckend großen, silbernen Ballons auf und ab und um sie herum. Apropos Himmel. Auch die Sonne ging bei den diesjährigen Designerschauen auf, allerdings nicht in Paris, sondern in New York. Dort tauchte eine große gelbe Sonne am Ende des Laufstegs die Marc Jacobs-Show in wunderschönes, sanftes Licht.

Eine himmlische Inszenierung: die Dior Schau in Paris
Eine himmlische Inszenierung: die Dior Schau in Paris


Storytelling. Theatralische Inszenierungen waren in dieser Saison eher rar. Eine Ausnahme: Der New Yorker Designer Thom Browne, der für die Auswahl seiner ungewöhnlichen Schauen-Orte und -Themen bekannt ist. Unheimlich und morbide mutete das Setting der Schau seiner eigenen Kollektion in New York an. In einem kargen, verschneiten Wald lagen schöne Jünglinge festgeschnallt auf Feldbetten. Um sie herum liefen die Models und streichelten sie mit roten Rosen, so als wollten sie sie dadurch zum Leben erwecken. Passend dazu die Mode, die mit ihren eng taillierten Kleidern und Reifröcken irgendwie an Alice im Wunderland erinnerte. Seine Vorliebe für Dramatik hatte Thom Browne bereits bei den Männermode-Schauen in Mailand unter Beweis gestellt. Für Moncler Gamme Bleu zeigte er schottische Kilts inmitten eines Winterwaldes, in dem im Kampf besiegte Ritter in Rüstungen niedergestreckt herumlagen. Ein bisschen Braveheart in Mailand. Verstörend und auch ein wenig erschreckend, in jedem Fall aber ein ganz besonderer Hingucker und immer für eine Diskussion gut.

Ein Setting à la Braveheart sorgte bei Moncler Gamme Bleu für Diskussionsstoff
Ein Setting à la Braveheart sorgte bei Moncler Gamme Bleu für Diskussionsstoff


Menschen im Hotel waren das Thema der Schau von Louis Vuitton, die unweigerlich  Erinnerungen an den berühmten Roman von Vicki Baum aus den 20er Jahren wach werden ließ. In einem riesigen Zelt im Cour Carrée du Louvre hat Marc Jacobs eine Art Hotelflur mit weiß/blau gemusterter Tapete aufbauen lassen. Hinter 50 geschlossenen Türen, angeblich eine für jedes seiner Lebensjahre, warteten die Models auf ihren Auftritt, traten heraus, gingen den Flur entlang, um dann hinter einer der dunklen Holztüren zu verschwinden. Eine Szenerie mit viel Eleganz und einem ganz besonderen Flair, die genauso wie Jacobs' Kollektion für Louis Vuitton aus einem alten Hollywood-Film stammen könnte. Perfekt inszeniert, bis ins letzte Detail.

Menschen im Hotel bei Marc Jacobs' Schau für Louis Vuitton
Menschen im Hotel bei Marc Jacobs' Schau für Louis Vuitton