Was soll ein Schaufenster nicht alles können. Es soll so gestaltet sein, dass Passanten stehen bleiben, näher treten und am besten auch gleich den Laden betreten. Es soll die neuesten Trends so präsentieren, dass mit einem Blick klar ist, was den Passanten noch im Kleiderschrank fehlt, und suggerieren, dass sie es jetzt unbedingt brauchen. Es soll zeigen, für welches Sortiment der Laden steht. Letztlich soll es aber vor allem eines: verzaubern. Immer mehr Händler entdecken das Thema Visual Merchandising und damit auch die Schaufenstergestaltung wieder für sich. Zwar sind die Vorreiter noch immer vor allem in New York und London zu finden, doch auch hierzulande brauchen sich die Händler nicht zu verstecken. Es werden mehr Manpower und höhere Budgets investiert, um den Passanten ganz besondere Momente zu schenken. Fünf Häusern ist das unserer Meinung nach in diesem Jahr ganz besonders gut gelungen.

Bergdorf Goodman in New York. Wer zum Start der diesjährigen Herbstsaison an den Schaufenstern des New Yorker Department Stores vorbeilief, hätte das Gefühl bekommen können, in das Laboratorium eines Ornithologen zu schauen. Vögel waren das Thema von Bergdorf Goodman, das konsequent in den Schaufenstern umgesetzt wurde. Die Herbstmode trat da zwischen überdimensionalen Raben und schwarz-weißer Vogelprinttapete schon in den Hintergrund. Highlight der Fensterserie: ein Panoptikum von weiß-rosa Vogelfiguren vor einer blauen Rückwand mit weißen Wolken. Zart und filigran zugleich, perfekt abgestimmt auf das weiße Federkleid im Vordergrund.
Bergdorf Goodman, New York/ Foto: Ulrike Howe
Bergdorf Goodman, New York/ Foto: Ulrike Howe


Harvey Nichols in London. Die Schaufenster von Harvey Nichols gehören seit Jahren zu den Eyecatchern schlecht hin. Keine Storecheck-Tour in London ohne Blick in die Fenster des Modehauses. Und auch zur diesjährigen Weihnachtszeit hat sich der wieder gelohnt. Detailreich und farbenfroh wie immer präsentierten sich die Weihnachtsfenster. Das Thema in diesem Jahr: Asien. Aufgeklappte Fächer, leuchtende Lampions, filigrane Holzschnitzeren, Pfauen mit glitzerndem Gefieder transportieren den Asia-Look an die Themse. Die Opulenz der Schaufenster unterstreicht die glitzernden Abendkleider. Dass sie Meister der Schaufenstergestaltung sind, zeigen die Visual Merchandiser von Harvey Nichols vor allem auch beim Umgang mit den Schaufensterfiguren. Die naturalistischen Figuren werden in lebendigen Posen, aber auch schon mal schwebend in der Mitte des Schaufensters eingesetzt.
Harvey Nichols, London/ Foto: Neil Hurley
Harvey Nichols, London/ Foto: Neil Hurley


Ludwig Beck in München. Marokko war in diesem Jahr eines der Themen in der Mode und damit auch in der Schaufenstergestaltung. Besonders kreativ wurde es von Ludwig Beck zum Start in die Sommersaison umgesetzt. Mit einfachsten Mitteln – braunen Pappkartons mit weißer Bemalung – entstand so vor den Augen der Passanten die Ansicht einer marokkanischen Stadt. Ein lebensgroßes Pappkamel vervollständigt die Kulisse. Das Schöne an der Gestaltung, sie funktionierte sowohl für HAKA-, als auch DOB- und KOB-Themen.
Ludwig Beck, München
Ludwig Beck, München


Loeb in Bern. Einfache Mittel, große Wirkung. Bei Loeb in Bern passt das ebenfalls auf die Schaufenstergestaltung. Sehr eindrucksvoll zeigte sich das in diesem Sommer. Man nehme eine kräftiges Blau, grobe Holzbohlen, einige Schaufensterfiguren, ein paar Metall-Bottiche, grünes Kunstgras, gelbe Gummistiefel und die neuesten Bikini- und Badeanzugmodelle. Zur Vervollständigung noch ein paar Accessoires wie Sonnenbrillen und -hüte. Fertig sind Schaufenster, die sommerliche Atmosphäre pur verbreiten. Und den Passanten Lust auf einen Tag am See machen.
Loeb, Bern
Loeb, Bern


Kastner&Öhler in Graz. Für stimmungsvolle Atmosphäre sorgte auch Kastner&Öhler mit seinen Fenstern zum Start der Herbstsaison. In einer vollendeten Waldkulisse wurde die neue Herbstmode präsentiert. Die Schaufenster wurden mit Hilfe von Kunstgras, überdimensionalen Pilzen und einer Unmenge an echten Holzstämmen in einen Wald verwandelt. Eine Fototapete mit aufgedruckten Bäumen verstärkte die Tiefenwirkung der Schaufenster noch. Trotz der Mischung aus realistischen und künstlichen Dekoelementen entstand ein stimmiges Bild, und gab den Passanten fast das Gefühl, mitten im Wald zu stehen.
Kastner&Öhler, Graz
Kastner&Öhler, Graz