Die Schuhabteilung von Saks Fifth Avenue in New York ist groß. So groß, dass sie von der Post sogar eine eigene Postleitzahl erhalten hat. 10022 Shoe, das bedeutete 100.000 Paar Schuhe auf 850m². Eine kleine Sensation 2007. Und längst schon wieder Schnee von gestern. Denn Saks hat jetzt eine neue Schuhabteilung der Superlative eröffnet. Die bestehende Fläche wurde umgebaut und um 1000m² auf rund 3000m² vergrößert.

Das unterstreicht einmal mehr, was derzeit den Handel im In- und Ausland umtreibt: Schuhe und Accessoires sind für die großen Department-Stores, aber auch für viele Modehändler inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil fürs Sortiment. Jüngstes Beispiel Breuninger in Stuttgart. Einen großen Schuh-Salon auf 2000m² und mit 250 Marken hat das Unternehmen dort eröffnet. „Mit der neuen Breuninger Schuhwelt haben wir ein in Deutschland einzigartiges Ambiente geschaffen und setzen damit neue Maßstäbe“, sagt Willy Oergel, Mitglied der Breuninger Unternehmensleitung. Das Berliner KaDeWe steht Breuninger dabei allerdings in nichts nach.  Am 25. September wird „The Loft“ eröffnet, eine 6000m² große Abteilung für Accessoires, Lingerie, Taschen – und 2000m² nur für Schuhe.

Wie aber sehen Sie aus, die neuen Schuhgeschäfte und –abteilungen? Schuhe stellen an die Präsentation ganz andere Anforderungen als Bekleidung. Sie brauchen einerseits große Lagerflächen, andererseits aber auch viel Raum im Laden, um wirken zu können. Derzeit kristallisieren sich zwei Haupt-Trends bei der Gestaltung heraus.

Jeder Schuh ein Kunstwerk: Präsentation bei Nicholas Kirkwood in New York.
Jeder Schuh ein Kunstwerk: Präsentation bei Nicholas Kirkwood in New York.


DIE CLEANEN. Fast schon museal mutet diese Form der Präsentation an. Die Schuhe werden wie Ausstellungsstücke in Nischen, Vitrinen und auf Podesten gezeigt. Die Schuh- und Accessoires-Designerin Alina Schürfeld hat in Hamburg einen Laden gestaltet, in dem 27 in die Seitenwände eingelassene helle Aussparungen Hingucker und Präsentationsfläche zugleich sind. Der New Yorker Store des Schuhdesigners Nicholas Kirkwood erinnert an eine intime, kleine Galerie. Jeder Schuh kann wie ein Kunstwerk auf versetzten Säulen, in kleinen Nischen und Ecken für sich wirken. Davon soll nichts ablenken, auch keine Farbe. Die Einrichtung ist deshalb schlicht weiß. Dass clean nicht immer nur weiß sein muss, zeigt der umgebaute rund 700m² große Prange-Store an der Düsseldorfer Kö. Architekt Rudi Sauermann hat bei der Gestaltung auf wertige Materialien gesetzt. Als Wand- und Deckenverkleidung wurden speziell behandelte Lederplatten eingesetzt. Die Schuhe davor können in schlichten Messing-Regalen für sich wirken. Verschiedene Bodenbeläge von seidigem Teppich über massives Eichenparkett bis zu handbrünierten Messingplatten kennzeichnen die unterschiedlichen Verkaufsbereiche.

Einen eigenen Platz für jeden Schuh hat Camper in New York geschaffen.
Einen eigenen Platz für jeden Schuh hat Camper in New York geschaffen.


Aber nicht nur im Designer-Genre, auch für sportivere Labels lässt sich die Präsentation mit Museums-Charakter umsetzen. Beispiel Camper. Im neuen New Yorker Store des spanischen Schuh-Labels hat der japanische Architekt Shigeru Ban schmale, in Facetten versetzte Regale entworfen, so dass je nach Blickwinkel entweder das Camper-Logo oder die Ware zu sehen ist. Jeder Schuh erhält so seinen eigenen Platz.

Zwar etwas verspielter, aber auch mit musealem Touch wird die Ware im neuen Stiefelkönig-Store in der Mariahilfer Straße in Wien präsentiert. Podeste und Nischen, verspiegelte Schaukästen und Regale, auf denen jeder Schuh einzeln wie ein Ausstellungsstück steht, spielen eine große Rolle im Store-Design. Unterstützt wird die Gestaltung durch ein ausgefeiltes Lichtkonzept, das die Ware mystisch inszeniert und wie Preziosen in den Mittelpunkt setzt.

Wie eine alte Schuhmacherei wirkt der Zeha-Store in Berlin.
Wie eine alte Schuhmacherei wirkt der Zeha-Store in Berlin.


DIE RAUHEN. Werkstattcharakter und Vintage sind hier die Schlüsselwörter. Alles wirkt roh, gebraucht und ursprünglich. Das Berliner Schuhlabel Zeha spielt in seinem Store in der Berliner Friesenstraße mit seinen bis ins Jahr 1897 zurückreichenden Wurzeln als Schuh- und Ledermanufaktur. Industrieleuchten, rohe Wände und gebrauchte Möbel versprühen Werkstattambiente. Die Schuhe werden in Regalen präsentiert, die ebenso gut in einer alten Schuhmacherei aus den Fünfziger Jahren stehen könnten.

Der Schuster in seiner Werkstatt heißt die Gestaltungsidee bei Frye in New York.
Der Schuster in seiner Werkstatt heißt die Gestaltungsidee bei Frye in New York.


„Der Schuster in seiner Werkstatt“ – so beschreibt das New Yorker Architektur-Büro Avroko die Inspiration für den weltweit ersten Store des US-Schuhlabels Frye im New Yorker Szenestadtteil Soho. Stützende Pfeiler und Deko-Elemente wie Bandspulen aus Holz, Werkzeug, Industrie-Lampen, antike Spiegel und alte Fotos aus dem ehemaligen Headquarter von Frye sollen die Kunden in vergangen Zeiten zurückversetzen. Bei all dem Fokus auf die Vergangenheit wurde moderne Flexibilität jedoch nicht vergessen. So lassen sich die Displays aus geschwärztem Stahl auf Schienen leicht bewegen und ermöglichen eine flexible Gestaltung des Ladens.