Mode ist Show. Vor allem im Top-Genre. Entsprechend theatralisch setzen die internationalen Designer ihre Kollektionen in Szene. Leben die Catwalks von New York und Mailand häufig von ihren interessanten Locations, vom Loft über den Kinosaal bis hin zum Palazzo, so finden sich vor allem beim Schauen-Finale in Paris meisterhafte, bühnenbildähnliche Inszenierungen.

Unvergessen wird wohl die Louis Vuitton-Show für Herbst/Winter 2012 bleiben, als Marc Jacobs eine alte Dampflokomotive samt Personenwagen in das Cour Carrée du Louvre einfahren ließ.  Aus den Wagen stiegen feine Damen mit langen Gehröcken über knöchellangen Röcken. Taschen und Gepäck wurden vom eigenen Kofferträger befördert. Alles wirkte wie Reisen aus einer anderen Zeit − und war nur der Anfang eines werblichen Gesamtkunstwerks. Denn für den Louis Vuitton-Express war das Carrée du Louvre längst noch nicht Endstation. Im Juli schickte das französische Modehaus den Zug mit Fotograf und Blogger Todd Selby im Gepäck auf große Fahrt von Paris nach Shanghai. Gepflegtes, entschleunigtes Reisen steht im Mittelpunkt der aktuell auch in den Print-Medien zu sehenden Kampagne.

Ganz so opulent ging es jetzt bei den Schauen für Frühjahr/Sommer 2013 nicht zu. Die meisten Shows fanden in schlichten, ganz in Schwarz oder Weiß gehaltenen Räumlichkeiten statt. Die Präsentationen waren cleaner, schnörkelloser. Auch in Paris. Kein Griff mehr in die romantische Trickkiste. Denn auch in der Mode propagieren die Designer fürs nächste Jahr einen neuen Minimalismus. Die Themen, die in Krisenzeiten einfach besser passen, sind erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit und Natur. Zum Ausdruck kam dies vor allem in den Präsentationen der Inszenierungs-Meister Karl Lagerfeld für Chanel und Marc Jacobs für Louis Vuitton.

Bei Chanel liefen die Models durch einen Windpark. Foto: Martin Veit
Bei Chanel liefen die Models durch einen Windpark. Foto: Martin Veit
CHANEL. Im Pariser Grand Palais hat Lagerfeld für seine Chanel-Show 13 riesige Windturbinen aufstellen lassen. Passend dazu defilierten die Models über einen 200 Meter langen Laufsteg, der an Solarzellplatten erinnerte. Die gitterartigen Muster des Catwalks fanden sich genauso in der Kollektion wieder wie Applikationen, die an Windräder erinnerten.



Streng und geometrisch: Die Showtreppe bei Louis Vuittton. Foto: Martin Veit
Streng und geometrisch: Die Showtreppe bei Louis Vuittton. Foto: Martin Veit
LOUIS VUITTON. Nach der romantischen Zug-Kulisse der vergangenen Saison setzte Marc Jacobs für Louis Vuitton diesmal auf Strenge und Geometrie. Vier riesige Rolltreppen bildeten die Kulisse für die Fashion-Show. Die Models fuhren auf und ab, um dann über einen schachbrettartig gemusterten, hochglänzenden Boden in Gelb/Weiß zu gehen.



Regenwald auf dem Runway: Akris zeigt Mode in grüner Kulisse. Foto: Martin Veit
Regenwald auf dem Runway: Akris zeigt Mode in grüner Kulisse. Foto: Martin Veit
AKRIS. Mit einer spektakulären Inszenierung feierte Albert Kriemler das 90-jährige Bestehen seines Labels Akris. Der Schweizer mit dem Faible für Architektur und zeitgenössische Kunst, das auch immer wieder in seinen Kollektionen sichtbar wird, ließ am Kopf des Runways im Palais de Chaillot eine Art tropischen Regenwald schaffen. Inspiration hierfür sei der brasilianische Gartenarchitekt Roberto Burle Marx gewesen, der als Begründer der modernen Gartenarchitektur gilt. Die organischen, geschwungenen Formen, durch die sich seine Gärten auszeichnen, finden sich auch in der Kollektion.



Discofever bei Jean Paul Gaultier. Foto: Martin Veit
Discofever bei Jean Paul Gaultier. Foto: Martin Veit
JEAN PAUL GAULTIER. Disko-Stimmung in Reinkultur verbreitete Jean Paul Gaultier in seiner Show. Lichteffekte mit der guten alten Disko-Kugel und bunten Strahlern versetzten die Zuschauer direkt zurück in die 80er Jahre. Die Lookalikes großer Eighties-Stars von Grace Jones über Annie Lennox und Madonna bis zu Boy George taten ihr Übriges dazu.