Der Kleiderkauf muss zum Erlebnis werden“ – wie oft hat man diesen Satz in den letzten Jahren gehört? Unzählige Male. Doch die Früchte lassen auf sich warten. Zumindest in Deutschland. Auf den Fußgängerzonen herrscht oft noch dröges Einerlei. Woran fehlt es? Mut? Geld? Inspiration?

Ganz anders sieht es da in Barcelona aus. Die katalanische Hauptstadt und Heimat das Architekten Gaudi, ist per se eine Erlebnisstadt. Farben überall – sei es durch die bunten Gaudi-Bauten, die Blumenstände auf der Rambla oder die aufgetürmten Früchte in den Markthallen der Stadt. Barcelona inspiriert. Das macht die Stadt zu einem idealen Ziel für die nächste Store-Expedition von Ladendramaturgie-Experte Christian Mikunda, der mit einer Gruppe von rund 15 Leuten die Stadt durchkämmte, immer auf der Suche nach besonderen Retail-Konzepten. Basierend auf seiner bekannten Theorie der sieben Hochgefühle in der Ladendramaturgie zeigt er, was Barcelona alles zu bieten hat. Von Glory, dem Hochgefühl der Erhabenheit, bis zu Desire, dem Hochgefühl des Begehrens, reicht die Bandbreite. Ausgerichtet wurde die Tour vom österreichischen Ladenbau-Konzern Umdasch.

Barcelona beeindruckt vor allem durch unzählige individuelle Konzepte. Die Läden sind mit viel Liebe zum Detail und Kreativität eingerichtet. Selbst vertikale Unternehmen wie H&M, Zara und auch die anderen Inditex-Formate setzen hier auf ganz besonderen Ladenbau. Das kann man gut im gotischen Viertel rund um die Av. Portal de l’Angel sehen. In den oft verschachtelten, reich geschmückten Altbauten bleibt ihnen auch nicht anderes übrig. Da kommt es schon mal vor, dass bei H&M in einem großzügigen Patio ein Springbrunnen beruhigend vor sich hinsprudelt.

Edler geht es dagegen am Passeig de Gràcia zu. Auf Barcelonas Nobelmeile sind alle großen Namen vertreten. Daneben gibt es aber auch hier außergewöhnliche, oft inhabergeführte Läden, wie Vinçon, Jaime Beriestain oder Santa Eulalia, die inspirieren. Im Viertel El Born ist es nicht weniger spannend. In den engen Gassen des gerade sehr hippen Stadtteils muss man allerdings Glück haben. Die Läden öffnen und schließen nach Lust und Laune. Doch ein Besuch lohnt in jedem Fall. Hier kann man echte Perlen entdecken. Bei diesen Läden lohnt sich ein Besuch:

Julie Sohn. Rote Backsteinwände, eine weiße geometrische Deckeninstallation, dazu Kies, rostiges Metall und minimalistische Kleidung – das ist der Store der koreanischstämmigen Designerin Julie Sohn auf der Carrer de la Diputació, gleich hinter dem Passeig de Gràcia. Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Materialien lässt den Laden wie eine Kunstgalerie erscheinen. Für Mikunda ist dieser Store ein klassisches Beispiel von „Rough Lux“ – ein Luxusstore, der über einen Schuss Rauheit geerdet wird. In jedem Fall ein herausragendes Beispiel von Ladenarchitektur.

Vinçon. Von außen relativ unscheinbar, erschließt sich hinter dem Eingang direkt neben Gaudis Casa Milà auf dem Passeig de Gràcia eine eigene Shopping-Welt. In dem alteingesessenen Geschäft, das sich über zwei Stockwerke einer herrschaftlichen Villa erstreckt, gibt es Designartikel für zuhause. Es ist ein wahres Labyrinth, in dem man hinter jeder Ecke etwas Neues entdecken kann. Hier macht Einkaufen und Stöbern Spaß, kein Raum gleicht dem anderen. Sogar wechselnde Kunstausstellungen gibt es, in einem eigens dafür eingerichteten Raum.

Pave Culture Cycliste. Radfahren ist eine Passion. Und wer eine Passion pflegt, der fährt dafür auch bis nach El Prat. Das liegt direkt hinter Barcelonas Flughafen und ist ein Mekka für alle Radsportfans. Grund dafür ist vor allem das außergewöhnliche Sortiment. Doch sicher trägt auch das Ladendesign dazu bei. In einer schmucklosen Fabrikhalle hat der Architekt Joan Sandoval ein minimalistisches Fahrrad-Paradies geschaffen. Grau und helles Lila sind die Erkennungsfarben, die sich überall im Laden wiederfinden – von der Wandfarbe über die Radaufhängung bis zur lila Glückskatze. Ein kleines Café durfte natürlich nicht fehlen. Schließlich freut man sich in diesem staubigen Industriegebiet besonders über ein kühles Getränk oder eine Tasse Kaffee.

Cortana. Luftig leichte Seidenkleider edel präsentieren. Wie das geht, sieht man im Store von Cortana am Passeig de Gràcia. Der Laden kommt fast ohne Warenträger und sonstige Möbel aus. Alles ist in Weiß gehalten. Nur ein großer weißer Stein und weiße Beistelltischchen dienen als Inneneinrichtung. Die Kleider hängen an Kleiderbügeln von der Decke. Beim Betreten hat man fast das Gefühl, als steige man hinab in einem Zauberwald, in dem feenartige Wesen schwerelos durch die Lüfte schweben.

Fàbrica Moritz. Die alteingesessene Bierbrauerei Moritz hat sich an der Ronda de Sant Antoni ein kleines Denkmal gesetzt. Der Komplex besteht aus einem Restaurant mit Bar, einer Bäckerei und einem Concept Store. In diesem gibt es alles rund um das Thema Barcelona zu kaufen. Das Sortiment ist aber auch ein Paradebeispiel dafür, wie man eigens gebrandete Produkte präsentieren und vermarkten kann. Das blaue M auf gelbem Grund ist allgegenwärtig. Das eigentliche Juwel des Ladens befindet sich im Untergeschoss. Dort sind hinter Glasscheiben die Braukessel in einem beeindruckenden Kellergewölbe zu sehen, das man auch für Veranstaltungen mieten kann.

Munich. Sneaker aus Barcelona gibt es im hippen Stadtteil El Born bei Munich zu kaufen. In diesem Laden hat man sich einen netten Kniff einfallen lassen, um die Leute über die Schwelle ins Geschäft zu holen. Der Eingang ist ein typisches „Glory-Tor“ , wie Mikunda es nennt. Es stellt sich ein Hochgefühl beim Durchschreiten der automatischen Türe ein. Dazu ertönt außerdem ein zischendes Geräusch, als ob man in ein Raumschiff einsteigen würde. Drinnen dominiert vor allem das rote Logo von Munich. Die Wand ist außerdem mit einer verspiegelten Installation gestaltet, die den Raum optisch vergrößtert.