Haute Couture Architektur. Schon von außen ist klar: Die Eröffnung dieses Stores war alles andere als ein Schnellschuss. Vor vier Jahren begann der renommierte Architekt und Pritzker-Preisträger Christian de Portzamparc (er hat unter anderem die französische Botschaft in Berlin entworfen) mit der Planung des Dior-Stores in Seoul. Im eleganten, wohlhabenden Stadtteil Gangnam-Gu hat er für die französische Marke ein wahres Architektur-Denkmal geschaffen.

Was auf den ersten flüchtigen Blick ein wenig wie ein überdimensionaler Zahn wirkt, soll vielmehr an die Falten einer Haute Couture-Kreation erinnern, an riesige Stoffbahnen, die gekonnt miteinander vernäht wurden. Dargestellt werden sie durch zwölf strahlend weiße, zwanzig Meter hohe Kunstharzelemente, durch die der Kunde das Haus betritt. „Ich habe an die Bewegung der Stoffe, an die Schussfäden der Gewebe gedacht und eine Fassade kreiert, die mit diesen Elementen spielt“, erklärt Portzamparc. Alle Elemente wurden vor Ort in Seoul gefertigt, allein der Transport und das Aufstellen waren schon eine logistische Meisterleistung. Entstanden ist so ein monumentales Kleid.

Aber auch das Innere des sechsgeschossigen Gebäudes ist sehenswert. Der amerikanische Star-Architekt Peter Marino hat das dazu passende luxuriös-elegante Ambiente entworfen. Viel Holz, Lack, Leder und Chrom empfangen den Besucher. Blickfang ist die geschwungene Treppe, die sich wie ein Band durch die Geschosse windet. Von den Prêt-à-Porter Kollektionen für Damen, zu den Lederwaren und Schuhen, zu Schmuck, Uhren und Parfums sowie zur Männermode und zu einer Art Galerie mit einem Séparée für VIPs. Alles gespickt mit Kunstobjekten: zum Beispiel Skulpturen der französischen Künstlerin Claude Lalanne, der Koreanerin Lee Bul, Möbel von Hubert le Gall und Hélène de Saint Lager und Tischlampen von Véronique Rivemale.

Wer nicht nur auf Augen-, sondern auch auf Gaumenschmaus aus ist, der sollte auf jeden Fall nach ganz oben, in die sechste Etage gehen. Dort befindet sich das Rooftop-Café Dior von Patissier Pierre Hermé, der unter anderem für seine Macarons berühmt ist. Ein Leckerbissen, auch der architektonischen Art. Die geschwungenen Formen der Fassade finden sich hier überall wieder, vom Plüschsesselchen bis zur Decke.