Was wollen die Kunden? Um eine Antwort auf diese Grundsatzfrage zu bekommen, hat der Verlag Bastei Lübbe im vergangenen Jahr einen ganz ungewöhnlichen Weg eingeschlagen. Das Kölner Traditionshaus, das vor allem mit Groschenheftchen à la Perry Rhodan groß geworden ist, eröffnete im Belgischen Viertel einen Concept-Store.

Die Voraussetzungen, alles andere als perfekt: 3b-Lage, Souterrain, 250m² Verkaufsfläche verteilt auf fünf kleine, verschachtelte Räume. Im Angebot - neben den obligatorischen Groschenromanen - Bücher, Wohnaccessoires, Geschenkartikel und Mode von Marimekko. Diese werden in sieben Themenwelten präsentiert - begehbares Schaufenster, Designwelt, Erlesenes und Erhabenes, Büdchen, Kreativ-Raum, Spielzimmer und Laufsteg, die wiederum ganz individuell gestaltet sind. Von diesen Themenwelten leitet sich auch der Name ab: Siebter Himmel.

Ein Jahr nach der Eröffnung zieht der verantwortliche Vorstand Klaus Kluge ein positives Fazit: „Am meisten freut uns die lange Verweildauer unserer Kunden im Laden und die durchweg positiven Reaktionen. Der Tenor ist: was für ein schöner, ungewöhnlicher Laden, was gibt es hier Spannendes zu entdecken." Die Spannung hoch zu halten, das ist für Kluge und sein Team mit die wichtigste Aufgabe. Dabei zahlt sich aus, dass der Verlag den Siebten Himmel als Testlabor versteht und auch Verluste mit einkalkuliert hat. So schloss das erste Jahr noch mit einem Verlust ab, auch das erste Quartal 2014 gestaltete sich schwierig, doch mittlerweile scheint das Sortiment seine treuen Fans gefunden zu haben. „Unsere Kunden suchen gezielt das, was sie bei der Filial-Buchhandlung um die Ecke auf den ersten Blick nicht finden", sagt Kluge. Das sind vor allem ausgesuchte Design-Bücher vom Hermann Schmidt-Verlag. Das Angebot von Bastei-Lübbe selbst rangiert hingegen nur im Mittelfeld.

"Trial and Error" scheint das Unternehmensmotto zu sein. Das alte Telefon mit dem sich die Kunden ein Getränk im Café nebenan bestellen konnten. Abgeschaltet. Die Spiegel-Bestseller-Liste als zusätzlicher Appetizer. Wieder abgehängt. Die Bücherstapel auf die andere Buchhandlungen setzen. Wieder weggeräumt. Anderes, was seit dem Start im September 2013 dazu gekommen ist, ist geblieben. Das Sortiment der finnischen Modemarke Marimekko, das der Siebte Himmel in Köln exklusiv vertreibt, hat sich als Frequenz- und Umsatzbringer etabliert. Die Artikel vom Geschenkartikelanbieter Raeder, an dem Bastei Lübbe auch eine Beteiligung hält, treiben den Durchschnittsbon nach oben. Und zum Topseller hat sich ein Buch gemausert, dessen Auflage deutlich unter denen der Bestseller von Bastei Lübbe liegt. „Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen." Für den Siebten Himmel aber irgendwie sehr passend.