Jahrzehntelang galt die Tapete als spießig und altbacken. Auf die Wand kam höchstens Vlies- oder Glasfasertapete, am besten gar nichts. Gestrichen wurde alles ganz in Weiß. Nüchterne, kühle Sachlichkeit regierte in den designorientierten deutschen Wohn- und Schlafzimmern. Das ist seit einigen Jahren vorbei: Die Tapete ist wieder da. Mit Macht. „Seit 10 Jahren wachsen die Absatzzahlen in der Tapeten-Industrie wieder“, beobachtet das Deutsche Tapeten Institut in Düsseldorf. Und wie so oft geben die Trends im Interior Design auch die Richtung in den Schaufenstern vor. Es ist vielleicht noch keine Musterflut, bestimmt aber eine sanfte Musterwelle, die sich zur Zeit an den Rückwänden der Modehändler abzeichnet.

Da gibt es einerseits die Klassiker: großflächige Blumen und kleine Streublümchen, Streifen, Tupfen und Tiere. Andererseits kommt auch Experimentelleres an die Wand: Louis Vuitton spielt in seiner aktuellen Dekoration ein Thema, das von einem megaauffälligen Druck dominiert wird: Lippenstifte, Lidschatten, Nagellack, Kopfhörer und andere Accessoires werden zu einer Art Wimmelbild zusammengesetzt. Besonders konsequent setzt Etro in London den Tapeten-Trend in diesem Frühjahr um. Das ganze Schaufenster ist mit dem gleichen Print ausgekleidet, von Boden über Wände bis zur Decke. So entsteht ein auffälliger, schachtelartiger Effekt, dem sich der Betrachter nur schwer entziehen kann.