Was genau hat ihn eigentlich ausgelöst, den Hype, um die Buchstaben? Möglicherweise waren es die Porzellan-Becher des 2009 gegründeten dänischen Labels Design Letters, die dem Trend zum Durchbruch verholfen haben. Auf den schlicht weißen, henkellosen Tassen prangen ausschließlich große Buchstaben in einer Schrift, die der dänische Kult-Designer Arne Jacobsen 1937 für das Rathaus von Aarhus entworfen hat. Von A-Z. Vielleicht aber auch die Rückbesinnung auf das gute alte Poesiealbum und seine Sinnsprüche, die plötzlich als Wandtattoos eine neue Modernität erhielten. Fest steht, aus dem Interior Design ist Typografie als schmückendes Element mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Ob als Poster, Garderobenhaken, Skulptur oder Zahnputzbecher.

Inzwischen gibt es ganze Stores, deren Sortiment aus nichts anderem besteht als mehr oder weniger typografischen Objekten. Siehe Type Hype in Berlin. Ein Laden, der wie eine alte Setzerei gestaltet ist und ausschließlich Produkte wie Kissen, Papierware und Home-Accessoires anbietet, die immer mit Ziffern oder Buchstaben bedruckt sind. Oder Playtype in Kopenhagen, ein kleiner Concept Store, ursprünglich als Testlabor einer Design-Agentur gegründet, inzwischen etabliert als Fundgrube für alle Fans typografischen Designs.

Der Blick in die neuen Läden und aktuellen Schaufenster zeigt, dass die Begeisterung für Buchstaben inzwischen auch im Store Design angekommen ist. Wirkungsvoll eingesetzt, sollen sie dem Kunden helfen, sich im Sortiment zurecht zu finden, so wie bei Sport Luck in Oberhof und Nike in Berlin, wo in schon von weitem sichtbaren, großen Lettern geschrieben steht, was auf den Warenpräsentern zu finden ist. Zur Wegeführung ist Typografie ein sowieso schon probates Mittel, das inzwischen aber mehr plakativ und schmückend als nur informierend eingesetzt wird. Zum Beispiel auf den Treppenstufen bei Uniqlo in Berlin und wie ein großes Bild in der neuen Urban Outfitters-Filiale in Stuttgart.

Besonders wirkungsvoll ist Leuchtschrift. Nicht so schrill und bunt wie die gute, alte Neonreklame. Eher schlicht weiß und zurückhaltend, in Schreibmaschinenschrift (Jigsaw) oder mit Hashtags (Fendi). Selbst auf dem Boden ist Schrift zu finden. So animiert der britische Filialist Jigsaw mit einem Zitat des berühmten US-amerikanischen Architekten und Designers Charles Eames zum genaueren Hinschauen und Lesen. „The details are not the details. They make the design.“