Mit der Tür ins Haus fallen - so funktioniert das Visual Merchandising bei vielen spanischen Einzelhändlern. Schaufenster und Eingang ihrer Stores sind zumindest in Barcelona meist identisch. Das ist auf der Einkaufsmeile Rambla ebenso der Fall wie im gotischen Viertel, wo sich in den Erdgeschossen der vielen Altbauten noch kleine Boutiquen aneinanderreihen. Man zeigt gern, was man hat  - das gilt in den meisten kleineren, inhabergeführten Mode- und Schuhläden. Ins Schaufenster kommt - frei nach dem Motto: Hier ist für jeden was dabei - beispielsweise von jedem Schuh-Modell mindestens ein Exemplar in die Auslage.

Im völligen Kontrast zu den vollen Auslagen steht dagegen das Visual Merchandising bei Zara: nur wenige weiße Schaufensterfiguren vor einem weißen Hintergrund. Bei dieser cleanen Gestaltung stehen wenige Outfits im Blickpunkt. Die Stücke bekommen dafür im wahrsten Sinne des Wortes den perfekten Rahmen: Jede der drei Figuren ist von einem filigranen schwarzen Rahmen umgeben - und kommt so fast als Gemälde daher.

Verspielter dagegen die Auslage eines anderen Inditex-Formats: Bei Stradivarius wird das Schaufenster mit Bücherregalen, einem Tisch und einer Vase mit Blumen wie daheim dekoriert. Unter allen spanischen Marken und Labels gibt es eine, die fast an jeder Straßenecke zu finden ist: Desigual. Kein Wunder: Schließlich ist die Hauptstadt der Katalanen Unternehmenssitz der Marke. Ein einheitliches Visual Merchandising-Konzept für die Shirts, Hemden, Kleider und Accessoires mit den leuchtend bunten Drucken haben die 16 Stores in Barcelona aber nicht: Mal hängen im Schaufenster- und Eingangsbereich T-Shirts an einer Wäscheleine aufgehängt über den Köpfen der Figurinen und Kunden, mal läuft ein Video mit Werbekampagnen und Hinweis auf Rabattaktionen auf einem mehrere Meter breiten, schmalen Flatscreen.

Futuristisch, fast schon wie Kunst die Schaufenster des Sneaker- und Schuhspezialisten U-Casas. Dort recken sich Hände vom Boden der Auslage gen Himmel, wo Sneaker, Loafer, Ballerinen & Co schwerelos zu schweben scheinen. Von den Ramblas sind Passanten ja im Nu am Strand - oder auch gleich im Urlaub. Jedenfalls bei Custo Barcelona. Die Marke, die wie Desigual ihren Firmensitz in der nordspanischen Metropole hat, begrüßt ihre Kunden mit einer grünen Wand aus echten Pflanzen. Damit soll das Thema Nachhaltigkeit gespielt werden. Echte Pflanzen werden immer mehr in die Laden- und Fassadengestaltung miteinbezogen. Replay begeisterte bereits 2010, als das Unternehmen im Mailänder Store eine elf Meter hohen Pflanzenwand nebst Wasserfall installierte (Gestaltung: Studio 10 Design Team/ Fashion Box). Und auch Anthropologie gilt als Vorreiter: Im ersten europäischen Laden in London schmückte eine Pflanzenwand den Treppenaufgang. (Grüner) Daumen hoch!