Ein Meer aus warmen Rottönen so weit das Auge reicht: Vom Torre degli Asinelli aus, auf dessen Turmspitze hunderte Stufen führen, sehen die Häuser im norditalienischen Bologna fast alle gleich aus. Doch unter den roten Dächern gleicht keine Fassade der anderen - was vor allem an den kreativen und detailverliebten Modehändlern liegt. Bei einem abendlichen Schaufensterbummel durch die Stadt zeigt sich, dass die Händler ihre Fenster nicht nur als Visitenkarte verstehen, sondern vielmehr als Einladung an die Laufkundschaft. Schwellenangst braucht hier keiner zu haben.

Denn einer der wichtigsten Trends in der pulsierenden Studentenstadt heißt Transparenz. „Wir müssen die Räume weiter machen“, wird es nächstes Jahr wieder während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien heißen – in Bologna wird dafür schon jetzt fleißig trainiert: Kaum ein Fenster, hinter dem nicht das Innere des hell erleuchteten Stores zu sehen ist. Wozu braucht man eigentlich Rückwände? Ob High-Fashion oder Pronto Moda, ob Mode oder Blumen - in Bologna zeigen die Händler gerne, was sie haben.

Retro-Design ist auch in den italienischen Stores (hier Gucci) ein Trend.
Retro-Design ist auch in den italienischen Stores (hier Gucci) ein Trend.


Auch Shabby-Chic ist in Italien angesagt, und bildet eine perfekte Symbiose mit den gewölbten Decken der vielen Altbauten. Mancher Store bekommt mit Kronleuchter, Beistelltisch, teils schon etwas verranztem Ohrensessel und Lampen aus verschiedenen Jahrzehnten den Charme eines Wohnzimmers. In anderen Läden haben die Möbel einen Anstrich in Knallfarben bekommen und machen so mit beim Color-Blocking der ausgestellten Ware. Sehr schön auch die in einem Knallfarbton bemalten Bauernschränke, über die lässig Jenas und Chinos drapiert werden. Und in manch einem Geschäft trifft der Altbau-Charme auf cleanes Industriedesign. Da entsteht Loft-Flair dank mehrerer meterhoher Regalen in cleanem Schwarz, für Wärme sorgen Retro-Lampen aus den 1940ern. Ein weiterer Trend in Bologna: Mobiles, die über den Köpfen der Schaufensterfiguren von der Decke hängen und Gürtel, Taschen und Schuhe ins rechte Licht setzen.