Von Bad Reichenhall bis New York, vom kleinen Mulilabelhändler bis zum High Fashion-Store − welche wegweisenden Eröffnungen und Umbauten hat das Jahr 2017 hervorgebracht? Welche neuen Konzepte haben überzeugt? Welche Materialien hatten ihren großen Auftritt und welches Design hat besonders überrascht? Das sind die fünf besten Läden aus diesem Jahr, zusammengestellt von der Redaktion der TW: 

Fool's Gold, New York

Bei immer mehr Projekten wird die soziale Komponente schon bei der Ladenplanung berücksichtigt. Jüngstes Beispiel: Das New Yorker Plattenlabel Fool’s Gold hat pünktlich zum 10-jährigen Bestehen in Brooklyn einen Laden eröffnet, der vollkommen auf Instagram ausgerichtet ist. Das Store Design bietet mehrere szenographische Motive, die perfekt auf quadratischen Instagram-Bildern aussehen. Zu jedem neuen Marken-Zugang und jeder Kooperation gibt es darüber hinaus eine aufwändige Produktinstallation im Laden, bildstarke Stillleben, die optimal auf Social Media abgestimmt sind. Sie sollen Besucher animieren, zu fotografieren und zu teilen. Denn wer teilt, wirbt

Fool’s Gold spielt mit Dimensionen. Vom Eingang aus baut sich ein zweidimensionales Bild auf, mit einem goldenen Spiegel im Kern. Erst beim Durchlaufen erschließt sich die Dreidimensionalität, erschließt sich der Modeladen. Hinter jedem Bogen aus Polycarbonat-Doppelstegplatten verstecken sich Nischen, in denen Bekleidung, Taschen, Platten und Bücher präsentiert werden. In einer Bucht befindet sich eine gemütliche Lounge, in einer anderen ist ein DJ-Pult aufgebaut, das bei den zahlreichen Events zum Einsatz kommt. Für das Store Design zeichnet das Planungsbüro Family New York verantwortlich.

Bestseller, Aarhus

Die dänische Bestseller-Gruppe hat in Aarhus den ersten Flagship-Store unter dem Namen Bestseller eröffnet. In dem 1300m² großen Geschäft bietet das Unternehmen neben den allen eigenen Labels auch Produkte fremder Marken an, unter anderem Secretsamples (Streetwear), Hay (Möbel), Mario Badescu (Kosmetik), Simply Chocolate (Schokolade) und Uslu Airlines (Kosmetik).

Das Store Design ist maßgeschneidert und wird ergänzt durch Designermöbel unter anderem von &tradition, Hay und Jean Prové. Verantwortlich für Planung und Architektur ist das dänische Büro Riis Retail. Ein Highlight ist die von dem deutschen Künstler Christian Lemmertz gestaltete Deckenbemalung „Dark Rain“.

Die Gestaltung der 1400m² großen Verkaufsfläche, die sich über zwei Etagen zieht, ist clean und modern gehalten. Sichtbeton, grobe Steinfliesen und zum Teil offene Decken verleihen dem Laden einen rauen Look. Aufgebrochen wird dieser durch den Einsatz von warm wirkenden Materialien wie Holz und Samt etwa bei den Umkleidekabinen. Rechteckige Kleiderständer in matter Metalloptik und große dunkle Kuben als Warentische dienen als dezente Bühne für die Wareninszenierung. Highlight ist eine von dem deutschen Künstler Christian Lemmertz gestaltete Deckenbemalung. Sie überspannt den zentralen Treppenaufgang in der Mitte des Gebäudes und lässt den Blick der Besucher nach oben wandern.

Arket, London

Fast drei Jahre lang hat H&M ganz im Geheimen an seinem neuen Handelskonzept gefeilt. Ende August 2017 wurde das jüngste Mitglied der Unternehmensfamilie schließlich in London der Öffentlichkeit vorgestellt: Arket. Das Angebot umfasst Mode, Schuhe, Accessoires, Home-Artikel, Lebensmittel und Gastronomie für eine nachhaltig orientierte Zielgruppe. Dementsprechend wurde auch der Laden gestaltet.

Wie das Sortiment sollte sich Arket auch beim Ladenauftritt deutlich von den anderen H&M-Konzepten unterscheiden. Offensichtlich ließen sich die Macher von Archiven inspirieren. So erinnern die Regale mit Fächern in ganz unterschiedlichen Größen an ein klar strukturiertes Archiv. Farblich gesehen nimmt sich der Ladenbau komplett hinter der Ware zurück. „Das neutrale Grau soll ein solider Hintergrund für unsere Kollektionen sein“, sagt Bernhardtz. „Die Einrichtung soll die Ware hervorheben, anstatt sich selbst in den Vordergrund zu drängen.“ Trotzdem erregen die Läden, die mittlerweile in Kopenhagen, Brüssel und München an den Start gegangen sind, Aufmerksamkeit – als modernes und so gar nicht staubiges Archiv.

Calvin Klein, New York

Wie passt das zusammen? Die ikonische, extrovertierte Marke Calvin Klein und der intellektuelle, ruhige Designer Raf Simons? Unterschiedlicher könnten die Welten wohl nicht sein. Und so lag eine Mischung aus Verwunderung und Spannung in der Luft, als Raf Simons Ende 2016 zum Chief Creative Officer von Calvin Klein berufen wurde.

Im jetzt: Die neue Kollektion, das neue Logo, die neue Kampagne – alles zeitgeistiger, raffinierter unter Simons Ägide. Das Meisterstück: das neu eröffnete Flagship in New York. Calvin Klein 205W39NYC, als Beiname die Koordinaten des Headquarters. Der US-amerikanische Künstler Sterling Ruby hat den Laden wie eine Installation gestaltet, mit einem raumgreifenden Gerüst als Reminiszenz auf den Wandel der Marke. Zudem hat er den Verkaufsraum vollkommen in ein sattes Gelb getaucht, was an Verkehrsschilder und Absperrungsbänder erinnern soll. Decken, Wände, Säulen, Gerüst – lediglich der Boden ist aus Sichtbeton gefertigt und dient als ruhige Basis. Schlichte Quader und Zylinder fungieren als Displays und Präsentationsinseln.

Raf Simons hat trotz überbordendem Farbeinsatz einen Look geschaffen, der weder exzentrisch noch opulent daherkommt. Maximalismus, minimalistisch gedacht.

Juhasz, Bad Reichenhall

Bei der Neugestaltung seines Modehauses hatte Oliver Juhasz gleich zweimal Glück. Zum einen bot sich ihm endlich die Gelegenheit, ein benachbartes Gebäude zu kaufen und so expandieren zu können. Zum anderen stellte sich beim Abriss des Gebäudes heraus, dass sich darunter große Teile der alten Stadtmauer von Bad Reichenhall befinden. Und gerade diese historischen, denkmalgeschützten  Mauern geben seinem Neubau jetzt den ganz besonderen Touch. Deutlich sichtbar wurden sie über zwei Geschosse in das neue Haus integriert. In Kombination mit Sichtbetondecken, edlen, in verschiedenen Eichenhölzern vertäfelten Wänden und einem Design-Estrich mit eingeätzten Mustern – unter anderem einem alten Trachtendessin – entwickelt sich so eine stimmungsvolle Atmosphäre. Alte Industrieleuchten, Regalsysteme in Messing und schwere Vorhänge betonen das besondere Ambiente.

Im Zuge des Neubaus wurde der Großteil der Flächen angepackt und einem Refreshment unterzogen. Im ganzen knapp 5500m² großen Haus wird jetzt LED-Beleuchtung genutzt. Auch bei der Neugestaltung der schon bestehenden Flächen setzte Juhasz auf die Verbindung von Alt und Neu. Dafür hat der Münchner Ladeneinrichter Luis Mock für das Modehaus eine Vielzahl von besonderen Stücken gefunden. So dienen alte Schütten, in denen Schrauben aufbewahrt wurden, jetzt als Warenträger für Wäscheartikel. Und hölzerne Bühnenteile als Präsentationstische für Pullover und Taschen.


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